Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 3 - März/April
- Date
- 1916-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Br.Kuznitzky nimmt als Korreferent den Standpunkt von Br. Apfel ein und fügt im Anschluß an die letzte Bemerkung von Br. Bäerwald hinzu, daß das amerikanische Geld für „erste Hilfe' gegeben sei. ■* *r I * * "t ■ * r *1 * * Br. Stein vermiß: im bisherigen Verlauf Debatte die großen Gesichtspunkte, ^die allein der Tragweite des Problems gerecht werden können. Wir dürfen die Ostjudenfrage nicht nur als fiskalische Geldfrage behandeln; sie sei eine Schicksalsfrage der gesamten Judenheit. Die Ostjudenfrage sei zum großen .Teil die Judenfrage überhaupt Die Rückwirkung der bejammernswerten Lage der Osljuden auf die Lage der Westjuden gebiete jedoch eine bestimmte Stellungnahme. Unser Schicksal sei mit dem Schicksal der Osljuden eng verknüpft. Gegenüber der mehrfach betonten Bedrohung der Lage der Westjuden durch eine Ma&eneinwanderung kultureil niedriger stehender polnischer Juden, hieße e» „Vogel Strauß-Politik" treiben, nur an Grenzsperren und ähnliche unmenschliche Gewaltsmittel zu denken. Auch die Massenauswanderung von Millionen Ostjuden nach Palästina erscheine nach der .Meinung berufener Beurteiler recht problematisch. Es bliebe nur die Seßhaftmachung der Osljuden übrig, ihr«,, Kultivierung in der Heimat. Wir müssen mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln die Lage der Östjuden sozial und kulturell zu verbessern suchen, nicht allein durch Hergabe von Geld für wjohlfahrts- und Untersfützungszwecke, sondern besonders auf dem Wege der Erziehung, vielleicht durch Schaffung logenähnlicher Bildungs- und Kulturvereinigungen, . durch Schaffung von Schulen und wirtschaftlichen Institutionen aller Art, die eine soziale,und ethische Hebung der jüdischen Bevölkerung herbeiführen. Wohl ginge es über unsere Kraft, für uns allein aufzutreten und die Initiative zu ergreifen, aber gerade wir Bnei Briß sind berufen mitzuarbeiten. Gewisse Antipathieen in Kreisen deutscher Juden gegenüber den Ostjuden und gewisse Besorgnisse müßten überwunden werden. Endgültig Stellung nehmen könnten wir zur Ostjudenfrage allerdings erst, wenn sich das politische Schicksal Polens entschieden haben wird. Aber wir dürften keinen Zweifel darüber lassen, daß wir die Größe der Aufgabe erkennen und es als unsere Ehrenpflicht betrachten, an der Verbesserung der Lage der Osljuden nach besten Kräften mitzuarbeiten Br. P e i s e r -zieht den Antrag auf Einsetzung eines Sonderausschusses zurück. Anträge der Brüder Apfe1, Ginsberg,jStein, gelangen in folgender gemein samer Fassung zur Annahme: Resolution: „Das Genera^komitee ist sich über die grof e Be deutung der Ostjudenfrage für die gtsamte Judenheit klar, glaubt jedoch, zu Art und Umfang der Mitarbeit des Ordens in Deutschland erst späterhin Stellung nehmen zu können, wenn sich die polit sehen Verhältnisse Polens entschieden haben werden. Unter allen Umst iden wird es der deutsche Distrkt in ethischer und sozialer Beziehung an eifriger Mi arbeit nicht fehlen lassen Das Gmeralkomitee wünscht, dal! die Logei sich eingehend mit der Ostjudenfrage beschäftigen, daß die Brüder bei allen Organisationen mitarbeiten, die sich mit der Ostjudenfrage befassen, und daß — S5 weit als möglich — die Logen dahin wirken, d< ß die verschiedenen für die» O-tjudehfrage bestehenden Komitees einträ:htig miteinander arbeiten" Mit kurzer Befürwortung des 3r. Ginsierg wird die vom Geschäftsausschuß ausgesprocher e Bewilligung von 3 000 M. für die "luden inBrzeziny sowie die gleiche Summe für die Kinderpoliklinik in Wjlna gutgeheißen. ■ Besonders bei der letzten Bewilligung handelt es sich um eine Angelegenheit, nach der aus de n Berichte des in Wilna tätigen Oberarztes Dr. Hamburger mit einer verhältnismäßig geringfügigen Summe großer Segen gestiftet werden kann. Das Kinderelend ist in Wilna so unendlich groß, daß die Verzweiflung die jüdischen Mütter beinahe bis zu völliger seelischer Stumpfheit geführt hat. (Es ist vielleicht nicht unwichtig, an dieser Stelle zu betonen, um mißverständlichen, bereits bei einigen Brüdern zutage getretenen Auffassungen zu begegnen, daß sämtliche Geldbewilligungen sowohl für den Osten wie für den Orient den für diese Zwecke dem Großpräsidenten zur Verfügung gestellten amerikanischen Geldern ^entnommen werden bezw. entnommen worden sind,) Nach Befürwortung durch Br, K u t n ijt-z ky werden sodann 300 M. der T oynbee- Halle-Berlin, die in der Kriegszeit in sehr segensreicher Weise die Speisung Unbemittelter aufgenommen hatte und jetzt wieder zu ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung zurückgekehrt ist, desgleichen 300 M. für den Arbeitsnach w e i s-Berlin bewilligt. Br. K u z n i t z k y befürwortet die Zustimmung der Versammlung zu der Verwendung von 15000 M. für die Gründung einer Dar 1 eh n s ka s s e in Warschau, entsprechend dem Vorschlage unseres daselbst in der Zivilverwaltung tätigen Br. Haas.' Br. Moritz bittet um Aufklärung, ob die fragliche Summe nur der Grundstock sein solle, oder ob