Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1915
- Issue
- Nr. 8 - Dezember
- Date
- 1915-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4864325-6029082-6074365--1970-4866082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
dadurch heraufbeschworene Polemik, an ider siijh Freund und Feind mit großem Eifer beteiligte, im wesentlichen ohne praktischen Nutzen, so darf < e doch vfegen der dabei zutage getretenen Gedanken gange loch heute in hohem Grade auf unser Intcr esse Anspruch erheben. Und wir werden es daher dem Verfasser auch als Verdienst. anrechnen müssen, s mit ihnen in ihren Grundzügen vertraut gemacht betnehten. Sie nahmen daher .'auch an dem nationalen zu haben. Ein Ende wurde der ganzen Streitfrage bereitet durch das berühmte Edikt vom H. Miilz 1812, Denri indem die Juden /u Staatsbürgern gemacht wurden, waren sie ipso facto der Verpflichtung unterworfen, Heeresdienst zu leisten.; Darr it war aber auch der seelischeUmschwung gegeoer. Tausende von Jünglingen und Männern, d e den begriff des Vaterlandes bisher nicht 'gekannt hatten und nicht kennen konnten, fühlten sich riit einem Schlage als gleichberechtigte Bürger. Sie, de man bisher FremdeJgescholten, mit allerlei Unnairuen belegt, aus allen Gesellschaften ausgeschlossen und hwere helotenartigen Joches hatte .fühlen lassen, Empfindens rühmen, so spiegeln sie damit nicht zum wenigsten die bei den Juden jener' Zeit vorher^ chehde Stimmung wieder. Dieselbe Erscheinung wiederholte sich dann im Jahre 1870, nur. noch auf viel einheitlich erer und umfassenderer Bafeis. „Zum ersten Male durften sich die deutsche i Juc en als volle, und ganze Staatsbürger. nun ein Vaterland und durften sich als .den vor K und populären Kriege gegen Frankreich jriit voller Begeisterung teil.' Was das Jah- 1870 an patriotischen D chtungert .hervorgebracht h;it, war an Umfang nicht g:ring, der Qua ität nach jedoch mit dem. edlen Tön und dem hohnn Schwung der Kriegslyrik von 1813 nicht zu vergleichen. keine Juden ihrer Art Vaterlandes und Uni er diesen Sängern sind w :nig oder die besaßen anderen ebenbürtig betrachten. Mit Stolz erfüllte k e die &ningenschaft. der Rechte; sie kamen aber ebenso freudigen Herzens auch den damit verbundenieh Pflichten nach, als — nur gar zu bald — die Aufgabe an sie herantrat, dem Vaterlande in der Not beizustehen. Was die Juden in den Befreiungskriegen geleistet haben, ist bekannt Daheim wie draußen im Felde wetteiferten sie in der Erfüllung ihrer Pflicht In Schalen eilten sie zu den Fahnen, wobei der Andrang drei' rtiwilligen besonders groß war. Und die zu Hause blieben, spendeten in reichem Maße,- oder suchten durch Hilfeleistungen jeglicher Art sich nützlich zu machen. Wa» indessen in diesem Zusammenhang besonders erwähnt zu werden verdient, das ist, daß alles mit Leib i(id Seele bei der Sache war. „Gewiß, es war ke n so vollständiger Chorus wie in den späteren Kriegsperioden — denn noch waren die Juden, wie man immer bedenken muß, erst seif-wenigen Jahrzehnt der deutschen Bildung (und dem deutschen Vaterlande) gewonnen." Immerhin erhält man idoch fast durchweg bereits den Eindruck, als wenn es sich utn eine Volksangelegenheit, um eine die «gesamte deutsche Judenheit betreffende heilige Sache handelte. Und wenn Heine und Börne, Ludwig Robert und Michael Beer in Vers und Prosa die nationalen Vorgänge durch hochbegeisterte Worte voll patriotisch« n i Krie£ I . " ■ j"'' " t\kas —. Aber auch sie'unterließen in Wort, und Schrift für die Einheit, des einzutreten, zum Kriege zu" ermuntern. zu treuem Festhalten zu ermähnen: Besondere es nicht, Erwähnung verdienen der Kladderadatsch und die andi irenlWrt^blätt :r, deren Spottgedichtejiber Napoleon allem sich großer Beliebtheit erfreuten, Julius Stet enheim, dessen originelle Wippcherifigur allge< meipen Beifall tat d, ferner Julius Rodenberg, Heinrich Sch vanjschild, Berthold Auerbach, d«r eini; Zeitlang im Hauptquartier des deutschen Kronprinzen tlen Kri< gsereignissen folgte, und die.1? allerdings früh zun Christentum übergetretene Fr,au .Fanny Lewald, welche in mannigfachen Werken eipeiSchilderung der Zeil gaben und die Stimmung unter den Juden zur Darstellung brachten. fcber all das verblaßt völlig angesichts des Verhaltens der Juden im jetzigen Kriege, das stets als helleuchtendes Beispiel hingebungsvoller Vaterlandsliebe zu gelten haben wird. Einmütig war m sie da und vom ersten Augenblicke an zu jeglichem Opfer , bereit. Da das Vaterland rief, kamen sie alle ohne Ausnahme als seine Söhne. „Es war eine -Ohe, die zum: Himmel, schlug; nicht bloß ein A jffjackern/ das lasch verglomm, sondern ein ungeheures Flammenmeer, das alles verzehrte. Fürwahr, wer diese Tage : des Kriegsausbruches mitgemacht hat, diese Mi >mente erhebender, alle fortreißender Begeisterung, der] besitzt einei Schatz für das Lebern, den er niemals verlieren kam" Und diese Einhelligkeit, diese Opferfreudigkeit, diesi: restlose Hingabe an die Sache des Vaterlandes kam auch deutlich zum Ausdruck in der literarischen ( Produkt on der Juden. Seit dem Ausbruchdes sind die jüdischen Blätter'voll von Kriegs-