Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1915
- Issue
- Nr. 8 - Dezember
- Date
- 1915-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Stellung der Juden zum Kriege im Lichte der Poesie*) Von Br. Dr. Alphpns J. Sussnitzki. Von Haßgesang" Lissauer's bis zum Reiterlied des Zionist^n Hugo -Zuckermann bildet d"ie literarische ProduI(ticn der Juden ,in ihrem Verhältnis zu den Kriegsereignissen einen Gegenstand1 besonderer Betrachtung. Mit vollem Recht — denn wir sind ja das, Volk des Dualismus. Wir sind ebenso „das Volk des Buches * wie das Volk-der Makkabäer, und Jerusalem war nicht nur die „heilige Stadt", sondern auch jene Stätte, die dem Ansturm der alles bezwingenden Römer am stärksten, wirksamsten und längsten widerstanden hat. Ei; le so welterscliütternde Begebenheit wie der Krieg wird diher notwendig im Innenleben des Juden einen mächtigen Widerhall auslösen, ebenso wie umgekehrt sich ans diesen Seeienäußerungen leicht auf die Stellungnahme der Juden zu den gewaltigen Ereignissen ichließen lassen muß. Das dürfte wohl der Gedankengang gewesen sein, von den sich Geiger leiten ließ, als er sich zur Abfassung seiner jüngst erschienenen Schrift^die deutschen Juden und . der Krieg," anschickte, die hier einer Würdigung unterzogen werden soll. Aus . diesem Grund« holt er auch ziemlich weit aus, obscnon die Behand ung der Frage in früheren Epochen von ihm selbst sozusagen bloß als „Brückenkopf" für eine Würdigung < er Zustande in neuerer undneuester Zeit angeseher worden zu sein scheint. Denn allein in seiner historischen Entwicklung läßt sich das Problem wirklicl erfassen und verstehen. ' .Wenn auch der Zeitpunkt der ersten jüdischen, Einwanderung in Deutschland sich nicht genau ermitteln läßt, so steht doch auf alle falle fest, daß vereinzi lejuden, ja sogar kleinere jüdische Gemeinden sich bt eits in manchen deutschen, besonders in rheinischen Städten befunden haben, lange bevor es ein •deutsches Reich gab. Das hinderte freilich nicht, daß später (ie Juden der Vaterlandslosigkeit, ja der staatsfeindlichen -Gesinnung, in Deutschland bezichtigt wurder. Einer der schwersten Vorwürfe, die ihnen in Krii gszeiten (besonders irri" Dreißigjährigen und nicht minder im Siebenjährigen Kriege) gemacht wurden war, daß sie die Münzen verschlechterten, da; Gold beschnitten, in Silber* Blei mischten, oder st.tt des Silbers fast ausschließlich Blei Verwendeten. Nun* war schon was Wahres daran; denn I f esprechung der Schrift von Geh. Regierungsrat Prof. 'D .Ludwig G e i g e r; j Die deutschen Juden nnd derj Krieg". — Berlin W.57. C A. Schwetschke & Sohn. (Konstantinopel-Loge, Konstantinopel) ' unter den Kippern und Wippern, wie man dieMünz; verschlechterer im Dre ßigjährigen Kriege zu nennen pflegte, befanden sich titsächlich nicht wenige Juden. Allein auch christlicherseits wurde die Ausnutzung der ' „Konjunktur" keineswegs verschmäht, und die Zahl der christlichen Falschmünzer war zu jener Zeit gewiß nicht gering. Halte doch bereits 'Luther Anlaß genommen, gegen jene Christen zu wettern, die Wucher und ähnliche Betrügereien, „noch jüdischer als die Juden zu treiben", schnell und gründlich gelernt hatten. Daß die Juden damals selbst bei großen Anlässen sich vaterländisch wer ig begeistert zeigten und an den politischen Ereignissen innerlich kaum Anteil nahmen, ist also begreiflich. Wurde ihnen ja der Besitz eines Vaterlandes allseitig abgesprochen; und ihr Teil an entscheidenden Begebenheiten pflegte vielfach doch nur in einer Verschlimmerung ihrer Lage und in einer Verninderuhg ihrer ohnehin kärglichen Rechte zu besteh?n. In der Tat dürften bis zur Zeit Friedrichs des Großen sjch schwerlich ernstere literarische .Aeußerungen bei den Juden nachweisen lassen, die auf Begebenheiten im Staatsleben Bezug hätten und als Kundgebung einer inneren Beziehung angesehen zu werden verdienten. Auch der Siebenjährige Krieg hat kaum ein Echo geweckt, wenn wir von einer Festpredigt und einigen Dankliedern Moses Mendelssohns absehen, und den Breslauer Ephraim Kuh ausnehmen, der zudem mehr ein Dichter kleiner Tändeleien als ein Sänger patriotischer Art war. „Es gibt allerdings eine'ganze Literatur, die für den Siebenjährigen Kri«g hier in Betracht käme: jüdisch-deutsche Erzähluigen, Briefe über einzelne Kriegsereignisse und die Geschehnisse des gesamten Krieges. Aber so geschickt diese Schriften auch den jüdisch-deutschen Dialekt nachzuahmen wissen, und so sehr sie auch miLdom Namen jüdischer Verfasser sich decken, sto wird "man wohl. annehmen müssen, daß dieses Gewand ein rein äußerliches ist, um ein gewisses Aufsehen zu erregen. Die Schriften haben ferner, selbst wenn sie, was sehr fraglich ist, wirklich von Juden herrühren sollten, mit jüdischer Gesinnung nicht das Geringste zu tun." Freilich hatte diese Interesselosigkeit zur Folge, daß die Frage grundsätzlich aufgeworfen wurde, ob der das Kriegshandwerk und zur Blieb auch die Jude sich überhaupt für1 Verteidigung des Vaterlandes eigne. — 124 —