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Bericht der Großloge für Deutschland · 1915-12-01 · Nr. 8 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1915
Issue
Nr. 8 - Dezember
Date
1915-12-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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auch werde ,Däs ^4 i Kriegsgefangenen gibt in den einzelnen Feldern des Lagers Konzerte. Solche Konzerte finden auch bei schönem Wetter vor den Krankenbaracken statt. Das Gesuch, derartige Konzerte auch den Verwundeten und Kranken darbieten zu dürfen, begründete d< r Kapellmeister mit der Sitte, von Konzertaufführunge 1 in französischen Militärlazaretten. Er hoffe, daß dies in Deutschland als'schöner Brauch angesehen Der Zweck sei: das Los der kranken Kamill :| raderi zu mildern („unissant un reconfort moral atix soins edaires et devoues que vous leur prodiguez"). Bei dern ersten „Trostkonzert" waren neben franzc sischen Musikstücken auch Beethoven und Mozart vertreten. I ■ Eine alle 8 Tage erscheinend? Zeitung SprachrDhr" — bestreitet die literarischen Bedürfnisse der Einwohner. Diese natürlich unter Zensur erscheinende Zeitung! wird sehr scherzhaft im Unte - titel als! „unabhängiges Organ der Kriegsgefangener" bezeichnet Daß trotz der langen Haft und der damit ve: bundenen Monotonie c,er Humor nicht ausgestorben ist, beweisen Einfälle, die an unsere Bierzeitung fiproduk e erinnern. So" ist der Gedanke aufgetaucht und durchgeführt worden, einen,Roman in 6 Fo( Setzungen von 6 verschiedenen Autoren schreiben lassen. Ohne besondere Vorbesprechung hat fortführende Autor nach einfacher Lektüre des An fanges das Werk fortzusetzen usf. Auch die Reklame, die offenbar auf Früchte nach dem Kriege rechnet, sichert sich in findiger und manchmal höchst amüsanter Weise ihren Platz. Das Theater steht unter Leitung eines jung Berufsschauspielers, der selbst durch ausgezeichn Leistungen hervorragt. Gespie't weiden in der Hau] sacht Komödien, Gesellschaftsstücke. Einige Tilel als Beispiele: „La chance du mari" —2 „Match boxe* - „Apres si'x mois" — „Nous allons chez js Durand" ... .Die Frauenrollen werden wie zu Shakespeares Zj^it von Herren dargestellt- Eine eigenartige Sache, solch' eine Vorstellung. Der Ort ist gewöhnlich <|ie sogen. „Krüppelbaracke". Ein internationales Publikum — Gesunde und Krüppel — als Zuschauer 14 dicht gedrängt — äuf Bänken sitzendj oder stehend. Die irtfter, die die Welt bedeuten, haben sonst ökn Beru: von Bänken, der am Schnürchen gehen tjk Theatervorhang besteht aus zusammengefügten Sehlifdecken, der Souffleurkasten ist ein in eine Decke j sehüllttr Stuhl, das Telefon ist eine zerbrochene Faljrradklingel mit brauner Pappunter age, und so ist über l Aber' die, Toiletten lassen. all aus Nichts ein Viel gemacht der („Damen" können sich sehen „Les toilettes et chapeaux sortent de la Maison Lemoine et Cie., Baracke 24 b". I— '.Die aufgeführten Stücke sind gewöhnlich derb-komisch, etwas schlüpfrig und nicht ohne Witz. Eine kurze- Inhaltsgabe als Beispiel. ,,Apres six mois" . , . Ein jünger Ehemann gibt — seit sechs Monaten jedm neu aufziehenden Dienstmädchen ein Zehn-Franc-Slück unter der;Be dingung, daß es gleich wieder verschwindet. Die junge Frau ist natürlich trostlos, und behandelt jedes neue Mädchen wie eine Nippfigqr '— johr e . Erfolg. Der Ehemann glaubt durch seinen Tricjk s:ine Frau vor. tödlicher Langeweile zu schützen, Ihr Beschäftigung, sich selbst aber die bequemste Ausrede zu verschaffen, nach Belieben in Restaurants zu. essen und seijie eignen Seitenwege zu geherj. Schließlich aber trifft er auf ein Dienstnudehen, das trotz zweier Zehn-Franc-Stücke nicht gehen will, weil ihm die Stelle ausgezeichnet gefällt, und im Bedarfsfälle dem Ehemanne mit einer Denunziation an die junge 1 rau droht. Die Bibliothek enthält 150 Nummern und .einen Plaiz darin hat Goethe. * ä v Eine Ausstellung von Arbeiten der Gefangenen zeitigte eine Fülle der interessantesten Kunstwerke auf verschiedenen Gebieten: der Holzschnitzerei, der Median k. der Webekunsi u. ä. Die Herstellung , erfolgte mit den einfachsten Hilfsmitteln, i Um die Barackenstadt (herum .'—„mit ihremZwang und ihrer Laune, mit ihrer Kunst und iürem Stumpfsinn, mit ihrer Jugend und dem unverwüstlichen) Humor, mit ihrer Hoffnung und ihrer Monotonie — liegen die Kommandanturgebäude — der Kommandant gewissermaßen als Oberbürgermeister — die W achtgebende mit den Bereitschaftskompagnien, die frai /usischen und russischen Prüfungsstellen, das Garnison-Inspektionsgebäude U. a. m, Eine Männerstadt! Keine Frau ist zu sehen. .Die Frauen [erscheinen nur in Briefen. Dafür begleiten Landsturmmänner mit geladenem Gewehij und aufgepflanztem Settengewehr die Einwohner der! Barackenstadt auf jedem Gange, der aus den einzelnen'Kompagniebezirken über die sog. neutrale. Außenzone ins Freie hinausführt. »- So einig": sich in dien Jahren des Weltenbrandes Jugend, Kunst Laune mit Zwäng und* bitteren-Notwendigkeiten. Ln Europa ist Kr eg, und das ist der' Widerschein des Krieges .- 12S —■

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