Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1915
- Issue
- Nr. 7 - November
- Date
- 1915-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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So kam Erew Jom.tow heran. Arein Wagen und ein Automobil führten die zu unse/em Fest besorgten Sachen zur Front. Ich war -reichlich genug versehen. Wein, koschere Wurst-(für a!le Fälle), Apfelsinen, Wallsachen, Zeitungen^ dii^ Festschrift des Verbandes, Hagadas, Zigarren, Zigaretten; die Herren vom Oberkommando, lachten, als ich im hoch bepackten Kraftwagen — ein Jüdischer- Knecht Ruprecht —fortfuhr. J Nachmittag kam ich in St an. In dichten Scharen drängten sich' die dortigen Juden ums Beih hami draich, "das ich für die Ftier bestimmt hatte; kl freue mich schon «im -voraus auf den schönen Anblick meines Festsaajes und finde zwei Unteroffiziere, die schweißtriefend-den Fußboden mit Seife und Scheuert bürste bearbeiten. „>Ja, Kinder, was ist denn los?'f „Herr Rabbiner, der Raum war wirklich zu schmutzig!" „Haben die hiesigen Leute das nicht besorgt?" „Die meinten, scheuen ist hier nicht nötig, Chorr.ez gibt's nicht und am Abend sieht man nicht, ob's rein ist. . .'* Und meine Braven scheuerten weiter aus Leibeskräften, sie wollten, eigensinnig grnug, ihre saubere Feierlagsstube haben. Mäichen und junge Männer, am linken Arm Binden, blau-weiß mit dem-Mögen Dowid, standen dabei ha'b respektvoll, halb ironisch lächelnd. „Wer seid Ihr?" „Das Festkomitee." „Habt Ihr alles besorgt? Wo sind Tischdecken, Leuchter, Teller, Gläser?' .,Es wird sein, es wird alles sein" lautet die strahlend gegebene Antwort, aber es war und wurde nichts, keiner wich vom Platz, bis ich sie aus dem Tempel jagte und ihnen das Wiederkommen ohne Geschirr verbot. Das half, und nun schleppten sie alles herbei. Welch ein Bild, als ich um \J mit zwei chr'süichen Offizieren, die. gebeten hatten, mitfeiern, zu dürfen, den Raum betrat. 50 Soldaten, direkt aus dem Schützengraben kommend, an den Tischen. Lichterglanz, der sich in den hundert Augen spiegelt; noch jetzt beim Schreiben steigt's heiß in mir auF, wenn ich daran denke. Das hatten sie nicht erwar.et, eine heimelige Jomtowstube, wie ein Märchen .aus der Heimat . . . Ein Kamerad stellt sich als Lehrer und Kantor vor, er darf Maariw btten, einige haben Jahrzeil und sagen Kadisch, nachher spreche idr zu meiner Festgemeinde: „Mah nrschtanö halajlo haseh mikol halelius?" Welcher Unterschied zwischen dieser Ptss ichnacht und den vorher erlebten! Früher daheim im stillen Füeden des Eltern hau-es, heut im Feld, m der Fremde;- wo im nächsten Jahr.....zu Hause, oei Vater» Mutter, Weib und Kind, oder untlen in kühltr russischer Erde? : sagen, e i n m Dann kam Bräuchen, stineti Wehmut, Ernst und 'mit jetier Seile von Tannenberg nach Hause geführt, wir das HallcL räch anstimmten, da saß Aber sie vefstar den mich alle, als ich;ihnen das mah nischtano deutete: hoschato hocho: diejs Jahr hier auf russischem Bochn. Wer von uns fühlt! nicht die Bedeutung dieses Wortes?! Als Deulsche wie als Juden sagen wir heut Nacht: Wir .sterjen h er als Sieger im feindlichen Land, als Werkzeug! göttlicher Vergeltung für all das unschuldig vergossene jüdische Blut. L'schono jhabDoh: Wo im nächsten Jahr? Nun wir wollen an.l die Zukunft in Fr-.iheit und Heimat so stark glauben wie alt die Ahnen, die Jahrtausende in der Ptssachrachtjlmmer wieder davon j fp arhen, immer wußten, daß sie's in der nächsten noch immer wünschep Verden, aber niemals zweifelten, a 1 wird £s s :in. — derl Seder mit all se nen| sinnigen traulichen Weisen. Andacht und gesammelte Heiterke.t wechselten det" Hagadah. Die 3. Pliage löste leises Lachen akis. „Die kennen wir auch." Das dajenu fand einen neuen Schluß: Hä te| uns Gott (na:h den Masurenseen urjd von da es war" genug gewesen^ Und als Lewandowskis herrlicher Melodie keinerj der es nicht mitsang mit aller Kraft und uberjvollem Herzen. Beim „Abendmahl" konnte das Festkomitee den herzlichen Dank: für seine Mühe einheimsen. Jede Familie schickte! von ihren Jomtowspeisen,| ts fehlte uns nichti von den Fischen bis zu den traditionellen Passaklößchen. Und wir aßen, um uns herum dichtgedrängt die h^lbe Gemeinde voll Freude, daß es uns schmeckte, i Nur -zu rasch verging die Zeit, der Ortsrabbiner hatte gesprochen, ein Kamerad mir einige Dankesworte gewidmet, auc h vom Teil .schenkten wir ups keinen Satz, ich mußte fort. Beim Abschied sagte mir einer, und es wir dis schönste Woit, das er mir geben konnte: „Herr Rabbiner, es war wie zu Hause!" Am Himmel gUnzte der volle Mond'als mich nun das Auto nach Der sojlte um Kl ' eisig kalt, aber mir und Sagen. In K. ägyptische hamidrasch und uns in ein^r — 102 — K. zum z*e.ten Seder brachte. Uhr beginnen. Die Nacht war war heiß geworden volm Singen Finsternis. Doch bald blitzten Taschenlampen auf, hieine SeJergäste waren da und harrten meiner. Die Kommandantur hat e: das Beth lür | La; arettzwecke reservieren müssen deinen Wohnung untergibracht. Hundert Mann drängten sich in drei Räumen zusammen. Eng allein indergepreßt standen sie da, und