Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1915
- Issue
- Nr. 6 - Oktober
- Date
- 1915-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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. Aus Hermann Cohens Vor TS » »» rl ) b e me r k u n f S Auf Anregung unseres w. stell v. Präsidenten Ludwig Cahen halbe ich die lachfolgende gemeinverständliche Wiedergabe des Hauptinhalts der Cohenschen Schrift versucht. Ich «rar bemüht, den großen Gedankenzug herauszuschälen, umer Beibehaltung der charakteristischen Ausdrucksweise und Ausschaltung der philosophischen Beweisführung im einzelnen. Meine Wiedergabe schießt keine restlose Zustimmung in.sich: sowohl in allgemeinen Kulturfragen, wie auch insbesondere in de' Bewertung jüdisch geschieltliclicr Vorgänge und Persönlichkeiten kann man anderer Meinung sein, als Cohen j sie ausspiicht. Aber das hindert nicht, teilzunehmen an der stolzen Begeisterung, mit der hier ein gottgläubiger Philosoph und jüdischer Deutscher auf dem Grunde der großen Gegenwart die Zukunft seines Judentums und!Deutschtums mit strahlendem Idealismus erfaßt und wissenschaftlich aufricht« t. Br. Rabbinej- Dr. R o s e n t h a I, Cölu. * Sowohl Judentum wie Deutschtum haben sich mit einer dritten Volkskraft, nämlich dem Griechentum, schöp rer|sch verbunden. * Nach dem Fall de(s ert ten Tempels ging in Alexandria durch Anlehnung des jüdischen an den griechischen Geist in der Logoslehre die Vorbereitung zum Christentum vor s ch. Judentum und Griechentum sind die Grundquellen des Christentums, und damit auch des Deutschtums Irl Philosophie, Kunst und Religion des Judentl fris und des Deutschtums werden sich gegenseitige, Ein Wirkungen und Wechselwirkungen ermitteln lassen Die deutsche Philosophie ist Idealismus. Der. Urhet er der „Idee" ist der Grieche Plato. Nicht das unmittelbar Gegebene ist das wirkliche Sein, sondern die ir ilim und hinter Ibra liegende Idee. Im Gegensatz zu r Sensualismus nimmt also der Idealismus das unmilteljar Gegebene lediglich als ein Problem, als eine, dutch wissenschaftliche Behandlung zu löseide und 2 u beweisende Aufgabe. i T i Das ist der klare'und tiefe Sinn des -deutschen Idealismus. So hat er sich in Männern, wie Nikolaus' aus Clues an der Mosel und Kepler, als das Gewissen der Wissenschaft, in Leibjniz und Kant als das Ge wissen der Philosophie erwiesen. Mit der Reformation tritt dieser deutsch-idealistische Geist gewisserma Sen in d:n Mittelpunkt der Weltgeschichte. Wir stellen; ja, nach einem Woite Albrecht Ritschis, überhaupt erst am Anfange der Reformation.. Mit der Reforna Deutschtum und Judentum*'. tion fällt in alles religiöse Denker und Tun jderLichtstrahl der reinen Idee: nicht Kirche und Priester, sondern allein die eigene Arbeit [des Gewissens muß is muß i;Ä das religiöse Denken befreien. Hier haben wir nun grundsätzliche Berührungen mit dem Judentum. Sein Gott offenbart sich dem Mose arrt Dornbusch als der Seiend e. ' ,','cb P'ii> der ich bin". Gottes Sein ist, da er der einzige Gott ist, das einzige wirkliche Sein. Alles andere ist, wie Plato sagen! würde, lediglich Erscheinung. So hat das Judentum, sobald es mit dem Griechenkim in Berührung kam, seine Verwandtschaft mit dem Idealismus gefühlt und im Alexandriner Philo zum klassischen Ausdruck j gebracht. Und wie das Deutschtum^ in seinem Luther, so hat das Mittelalterliche Judentum in seinem Maimonides seiht n ..Protestantismus"' erlebt, sofern dieser die Einrichtungen der Religion zwar nirgend angreift, aber übera| ihre, Gründe zu erspähen sucht ,und sie auch nt r kraft der Begründung als lebensfähig erachtet. '■'[{■' ' ■ "\ '*"•)V* ■•'l V..— Als -zweiten Grundbegriff des Judentums haben wir die Reinheit der Seeie. „Mein Gott, die Seele, dtje Du mir gegeben hast, ist rein." [(Morgengebek) Darum kann und braucht es keinen sonstigen Mittler zwischer Gott und Mensch zu geben. Nach qer größten Sünde seines Leben» hat David gebetet: ,|Verwirf mich nicht vor Dir und .Deinen heihgen Geist nimm nicht von rnlr.'' Psalm-51, }3. -Also selbst auf dem Sünder rüht noch der heilige Gottesgeist. So ist in Judentum die Erlösung durch Gott gesichert, nicht 'durch Beichte und ünadenervveis, sondern einzig und allein durch den'Begriff ider rejuen Mensch jnseele. - 8d - Das aber ist reinster Idealismus ittlich'en Arbeit Menschenseele, der in der eigeren , sittlich das religiöse Heil des Menscheb begründet Eine weitere Verwandtschaft zwischen Deutschtum ■ ■ . - ' - i nd Judentum berühren ' wir n il qen.Psal.men.. Worin besteht die ästhetische Eigentün^lichkeit; des deutschen Geist.s? Was unterscheidet die deutsche der njg, den Troubadours Cohen meint, daß Lyrik eines Goe he vorn Minnesa und selbst dpir Lyrik eines Dante? i as deutsche Gemüt aus Luthers-p-almen'Ueberseteung die Reinheit seiner Liederkraft geschöpft, von laller Rhetorik und lErotik sich befreit und die ihr anhaftende Natürlichkeit und Wahrhaftigke Sehnsucht und | Ehrfurcht, was :in peutscher^lebe nennt", wie Kleist einmal sagt, - V t . gewonnen hat. sie schmelzen . zu-