Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1915
- Issue
- Nr. 5 - September
- Date
- 1915-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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-I hat unseren Bück geschürft und unser Empfinden vertieft. Wir haben gelernt, .die Dinge.um uns richtiger zu bewerten, das Sein vom Schein, den Kern von der der Schale zu unterscheiden.. Wir haben gelernt, uusere Nebenmenschen ohne Rücksicht auf Stand, Besitz und Bildung zui schätzen. Haben doch-alle für eine und dieselbe:Idee — für das gemeinsame Vaterland geblutet. Der einfache Mann, die einfache Frau, die wir fniner vielleicht in dünkelhaftem Hochmute über die,. Schulter ansihen, erscheinen uns jetzt in einem ganz anderen (Lichte- Auch sie haben ihren Sohn, ihren Bruder dem Vaterlande zum OpFef ge- ■ bracht. Begegnet uns ein Kriegsbeschädigter, werden wir von einem, Gefühle ider Dankbarkeit ergriffen, und eine iruiere Stimme ruft uns zu: grüß' ihn in Ehrerbietung, denn er hat Jur dich und dein Haus sein Blut vergossen. ■ V 1 j Der Schmelztiegel det Kriege» hat unsere Herzen geläutert und manche Auswüchse in. unserem Volks- und Gesellschaftsfeben entfernt. Der Strom der Begeisterung für Kaiser und Reich hat die Peinlichen Parteizwistigkeiten binweggeschwemmt. Der Geist der Kameradschaft, der bei unseren tapferen Truppen herrscht, und der Rang-und Standesurtterschiede fast vergessen macht, hat sich auf uns, die Daheimgebliebenen, übertragen. Wir sind ein „einzig Volk von Brüdern" geworden, das nur ein Streben erfüllt, ein. Wille beseelt: dem großen Ganzen auf irgend eine "Weise zu dienen. Diese Einmütigkeit des ganzen Volkes hat nicht wenig zu den glänzenden Waffentaten beigetragen. Diese Einmütigkeit, die sich so herrlich bewährt hat, wollen wir auch in die Friedenszeit mit hinübernehmen. Ohne Friedenspalast und ohne Friedenskongresse ist ein Burgfriede, geschlossen forden, der bis auf wenige Entgleisungen von allen Parteien, auch von den mnerjüdisehen, gewahrt wird. Angesichts der .großen Weltereignisse haben wir. eingesehen, wie winzig und klein die Fragen sind, ^denen wir früher eine Wichtigkeit beilegten, über die sich die Geister erhitzten, die Gemüter je regten. Hat dieser Burgfriede dem inneren Leben der jüdischen Gemeinschaft Abbruch 1,'etan? Keineswegs. Ohne r«ligiöse Kämpfe ist die Religiosität in unserer Mitte erstarkt. W i e der Mensch sein Verhältnis zu Gckt gestaltet, darauf fcommt es nicht an, vielmehr daiauf, daß er überhaupt das Streben in sich -fühlt, in eine Beziehung zu den höchsten Wesen zu treten Die Wohltätigkeit, ,das schönste ' Kleinoa der jüdischen Lehre, das auch in dem Dreigestirn unserer Devise an .erster Stelle glänzt, hat während des Krieges Ungeahntes geleistet. Es wurderi Opfer verschiedenster Art gebracht! Opfer an Geld, an Zeil und an persönlicher Mitarbeit. Daß an der umfassenden' Kriegsfürsorge ijmsere Logen, unsere BrüdeV und Schwestern] n hervorragendem Maße beteiligt sind, braucht ni<hl erst hervorgehoben zu werderj; sind sie doch an soziales Denken gewöhnt und in sozialer Betätigung erprobt. Wohl aber wollen wir hier die Hoffnung lind den Wunsch aussprechen, daß die Gebefreudigkeit und Opferwilrigkeit auch später anhalten mögen Dänn nach dem Kriege wird die soziale Arbeft in verstädtern Maße einsetzen müssen. Wie rpan bei einer reiiersb»unst erst nach Beendigung der Lösch- und Aufrfiumungjsarbeiten den Umfang des entstandenen Schadens übt>sehen kann, so wird man auch bei dem gegenwärtigen Weltbrande das Trümmerfeld e st nach dem Kriege überschauen können, die Existenzen verzeichnen, die vernichtet oder erschüttert wurden, und die aifzubauen sind. Auch die Pflege, Befruchtung ind Förderung des religiösen und geisligen Lebens in den Grenzländern, das söwohl im Osten als auch im Westen durch den Feind arg.gelitten bat, werden von uns mannigfache < )pfer fordern. ¥- | Hat aber die jüdische Gemeinschaft weder inbezug auf Religiosität nocl inbezug auf werktätige Menschenliebe durch den Burgfrieden Schaden gelitten, so müßten wir danach irathten| die durch den Krieg bewirkte Einmütig <eit als Friedensernte uns auch spiter zu erhalten. Der ßurgiriede darf nicht nur ein vorübergehende Waffenstillstand gewesen sein, vielmehr muß erj {zu einem dauernden Frieden ausgebaut und ausgestaltet werden. Bedeutet diese Forderung etwa ein neues IdeaJ, das wir anzustreben empfehlen? Mit nichten^' Wer nur einigermaßen nit unseren Ordensaufgaben vertraut ist, weiß, daß die friedliche Einmütigkeit, oder — wie wir sie in uiis<rer Ördensspraehe nennen — die Eintracht, zu den Hochzielen unseres Bundes gehört Die Eintracht, in unserem Wahlspruch an dritter Stelle, bildet giei:h sim den höchsten Punkt auf der Stufenleiter menschlicher] Veredelung und -Vervollkommnung. , I ■ . Seit der Begründung unseres Ordens lehren wir unaufhörlich, daß sich die Menschen ungeachtet der Verschiedenheit ihrer7 politischen Anschauungen und religiösen Auffassung zu gemeinsamem Tun zusammenfinden können i ne sollen, daß gerade durth das Zusammenwirken der verschiedenen Richtungen die Menschheitsaufgäbcn vertieft, die Leistungen erhöht — «; —