Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1915
- Issue
- Nr. 3 - Mai
- Date
- 1915-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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.11 hält ein militärisches Bürp, die Verwaltung ist deutsch dre Post ist deutsch, an den Geschäften sah man aber nur russische . und polnische Schilder. Wir hatten dienstlich im Büro der Etappenkommandantur und jn dem des Generalkommandos zu tun. Trotzdem es ein Sonntag war, waren die Büros überfüllt Die Arbeit, besonders für die hohen Militärs, ist eine ungeheure. ' In den Büros — offenbar waren es früher vornehme Wohnräume — fanden wir die; Bilder der russischen Kaiserfamilie hängen. Dieser Heine Zug von Edelsinn hat uns geradezu imponiert) Was würde Wohl mit den Bildern unserer Kaiserfamilie geschehen sein, wenn sie in die Hände von russischen Beamten fielen. Auf den Straßen *ah man nichts als Militär Faßsoldaten, . Reiterei, Artillerie, Munitionskolonnen, Fouragekolonnen usw. Die Geschäfte waren sämtlich geöffnet, die Käufer ausschließlich deutsche Soldaten. Wir meldeten uns b'<i dem Etappenarzt in Suwalki, der dem Bruder Dr. Staub mitteilte, daß Seine Excellenz der Sanitätschef sein lesonderes Interesse für den Lazaretteug M3 kundgegeben hätte. * ' T * * Ein Zufall wollte et daß ich in dem Generaloberarzt einen Bekannt fn aus meiner Gymnasialzeit fand. Diesen Herrn, eine in Oberstabsarzt, den Etappenkommandanten, denjenigen Arzt, der die Lazarettzüge unter sich hatte, luden »vir für den 15. März zu einem i r r Frühstück in unsern Ujazarettzug, ein. Dje Herren nahmen die Einladung In. Wir verbrachten eine sehr angeregte Stunde.. Der .Generalarzt drückte in einer Ansprache seine Genugtuung' darüber aus, dal» alle Kreise und Religionen jn" den Werken der Liebe sich vereinigten, und weiht j sein GJas dem Kaiser. Ich erwiderte mit einem Tijnkspruch auf die anwesenden Herren. . ■ Noch am Aberp des. 14. März nahmen wir etwa 20 Verwundete in unseren Läzarettzug auf, «die nicht mehr-.Aufnahme in dem Lazarettzug m- Q III finden konnten, erfolgte die Aufnahme nachmittag hatten \*rir In Ratzkv kämm * . \m vor weiterer ' 165 autge Stühlen, teils auf den in Decken gut eingeh Am Vormittag des L5. März Verwundeter una bis autgenommen, roch 03 teils Verwundete, teils Kranke zu. Die Betten waren sämtlich belegt. Die überzähligen Patient« waren glücklich, teils auf Fußboden erej Krankenwagen Dt untergebracht zu sein,' und waren froh, bei uns Ueiheo zu können. Es mußten auch noch einige Off ziere und Mannschaften mitgenommen werden, So < aß der Zug übervoll war. Mit der Einladung, begann! eine ungeheure Arbeit für Aerzte, Krankenschwestern und Sanität t. Es handelte sich zum Teil um Schwerste Verlegungen. Es ergaben sich 1151 Schußvejrletzungen, 35 andere Verletzungen (Quetschungen^ Erfrierungen ' Verbrennungen), 16 äullere Krankheiten, 54 innere Krankheiten und 2 andere Krankheiten. 19 Ven undete hatten mehrfache j Schujäverletzungen, 15 Schußverletzungen waren mit Erfrierungen verbunden Die Verwundeten, die in | Suwalki aufgenjmmen wurden, kamen zum größten Teil frisch vom S :hlachtjfl fekl In Seiny, 25 kjm . von Suwalki, wo gerade gej kämpft wurde. Sie wurden teils in Kranki nautos, teils aber auch auf Leiterwagen, oft nur au wenig Stroh gebettet, zum Bahnhof .gebracht. Es wa selpstvetsländlich, daß einzelne zum Teil ganz erschöpft und erstarrt waren. Als man einen Verw indeten einladen wollte, war er bereits tot, und ,leicl enstarr. Welches Glück diese armen Soldaten liei der Bettung in den warmen Decken empfanden, konnte man vielfach hören. * Bä jedem "zweiten bdet dritten Veiwundeten wiederholte sich der Ausruf „<s ist ja wie im Himmel hier". Wer nicht sprechen konnte, dem sah man an seinen Blicken die Dankbat keit für die sofortige Erfrischung mit warmen Getränl en und für die sachgemäße Bettung und Lagerung behufs Erleichterung seiner Schmerzen an. Eine Anzahl Soldaten, die beim Einladen fast teils besinn mgslos, teils'völlig erschöpft waren, waren schön am nächsten Tag^ erholt mit glänzenden Augen. Leider w ar eine Anzahl ven Verletzur gen so schwer," daß schort auf der Fahrt bis Königsberg 3 Todesfälle (2 Kopfschüsse und 1 Brustscl üß mit hm/ugetreterrem Starrkrampf) eintraten. Jm iibtigen war die.Cärzt iche Arbeit dankenswert. Nach den mir "Vorliegenden ärztlichen Etlichen wurden etwa 30 [große Schienenverbände für die Knolchenschüs'e der Extremitäten ange'egt, ,w< Iche die Kranken sofort voii ihren Schmerzen erhe 1 lieh befreiten und ihnen die Möglichkeit einer bsquemen Lagerung gaben Alle Verwundeten ei hielten friche antheptische Verbände, welqhe im Laufe der lächsten Tag: nach Bedarf gewechselt wurden. Erschöpfte und herzschwaehe Ktanke bekamen Digitalispräparate, Wein, starken Kaffee; ändert? Kranke bekämet Opiate, Schleimsuppen lind wurden mit Wärmflaschen jrwärmt. 8 zilm Teil über 10' fiebernde Kranke mit Lungenentzündung wurdet mit Hochlagerung, Priesiiit?schen Umschlägen und Kjimpferbezw. Morphiumin ektienen behandelt. Die Resultate waren gerade bei e iesen so 40 —