Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 9 - November
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Andenken an Ludwig Grünewald, den Präsidenten der Bergischen Loge Elberteld-Barmen geboren 10. Januar 1868 ■ Das Kriegsjahr 1914 steht im Zeichen des Todes Nicht ein Kämpfer im Felde gegen den äußeren Feind, aber ein Kämpfer auf dem weiten Gebiete des Lebens, stets auf der Wacht türMenschentum und Menschenrecht, Ehre und Gesittung, starb uns Ludwig Grudewald, den wir erst vor wenigen Monaten unserer Bergischen Loge zum Führer erwählt hatten. Er stand mitten im Leben, seine Familie verlor an ihm Unendliches, zahllose Freunde, und Bekannte müssen ihn mit Schmerz fürder missen, der Synagogengemeinde, der Repräsentanz nahm der Tod das eifrigste, treuesteA fähigste Mitglied; für immer entbehrt ihn, den Immerbereiten, Unersetzlichen, die Loge. Zahllos wie die Gemeinde derer, die ihn schätzten und liebten; zahllos war das Gefo'lge, das ihn auf dem Gange zur Ruhe begleitete. Br. Rabbiner Dr. .Norden würdigte in kerniger und schlichter,' ergreifender Rede des Entschlafenen Wesen und Wirken, ein Bild entwerfend, das segensreich wirken und zu Gutem und Edlem anfeuern möge, über das Grab hinaus. Am Montag den 7. September versammelten sich Brüder zu einer Trauerloge, der auch die näheren •Verwandten und Freunde des Verstorbenen als Gäste beiwohnten. . Br. Vizepräsident Kann eröffnete die Feier mk einer Ansprache, in der W die Tilgenden des Verblichenen, seinen Eifer und seine Pflichttreue, seine Begeisterung und Schaffensfreude, sein sonniges Wesen, ^eine Pietät und Familieninnigkeit, seine Milde und Güte, seine Liebe zum Wohltun in beredten Worten schilderte. Nach Verlesung zahlreicher Beileidskundgebungen der Nachbarlogen und Bekannten hielt Expräs. Br. Dr. O 11 e n dp r f f folgenden Nachruf: „Im Namen der hochw. Großloge habe ich den Angehörigen und Freunden unseres verewigten Präsi- >ind Ihnen, meine Brüder, den Ausdruck : herzlichster Teilnahme zu übermitteln. Was Br. Grünewald als Mensch, -als Freund, als Jude war, das haben Sie am Grabe und hier bereits erfahren, und das werden Sie noch weiter aus dem Munde eines ihm durch jahrelange innige Freundschaft Verbundenen, des Br. Apfel, hören — was die leitende Körperschaft unseres Ordens an dieser Bahre beklagt, das gestatten Sie mir in wenigen Worten'zu sagen. -- gestorben 31. August 1914 Im Wesen des Ordens liegt es begründet, daß wir der Wertschätzung seiner Glieder einen aus dem Leben uns nicht geläufigen Maßstab zugrunde legen. Was sonst in erster Reihe steht: Rang, Titel, Vermögen, ja bis zu einem gewissen Grade sogar Geist und Wissen, das alles würdigen wir nicht an sich, sondern nur jn der Verbindung mit den Eigenschaften, welche die Eigenart des einzelnen als Persönlichkeit ausmachen, und die wir in der Bezeichnung Charakter zusammenfassen. Hier verlangen wir als unerläßliche Grundlagen ein festes Bekenntnis zu Judentum und geläutertem Menschentum. Ihr Zusammenwirken und Zusammenstimmen ergibt den harmonischen Einklang, unter dessen Schutz sich alles Denken und Handeln abwickeln soll, das Beispiel, "welches auf andere wirkt, die Ueberzeugung, die uns selbst stark, froln und tätig macht. Wie es nun nicht anders sein kann bei der Verschiedenheit der Anlage und der gesamten I ebenserfahrung, durchlaufen wir eine verschieden geartete - Stufenreihe bis zu dem überhaupt erreichbaren Grade . der Entwicklung und Vollendung. Der ewige Wechsel, das Auf und' Ab der Empfindungen und Eindrücke wirken mannigfach auf unsere Widerstandskraft und unsere Entschlüsse, aber wenn ein Ruhepunkt im Innern vorhanden ist, der durch keine von außen wirkende Kraft erschüttert werden kann, dann finden wir uns immer wieder zurück ans der verwirrenden Fülle der Erscheinungen. — 'ifl Judentum und Menschentum solien in idealer Vereinigung diesen ruhenden Pol bilden, der uns Haltung, Würde und Selbständigkeit gibt; sie sind die Angelpunkte, um welche sich unser Mühen dreht, und es gibt für uns kein höheres Ziel als das Bewußtsein, sich auf diese unerschütterlichen Pfeiler 'stützen zu können Wenn wir aber Männer unter uns besitzen, zu deren Charakterfestigkeit und Ueberzeugungsireue uns besonderes Vertrauen beseelt, dann haben wir auch den Wunsch, sie an einer Stelle zu seheiij wo sie weit und tief wirken können, und folgen gern ihrer Führung, wir suchen sie mit Fleiß in den Kreis derjenigen zu bringen, die auf das Geschick des gesamten Ordens bestimmend und fördernd einwirken. Und von diesem unserem allzufrüh dahingerafften Bruder können wir gewißlich sagen, daß er würdig war wie niemand — 1*8 — i