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Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 9 - November
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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schieht es zu weilten Zwecken, während Deutschland weilte Streitkräfte zu schwarzen Zwecken verwendet. Aber es ist noch nicht einmal sicher, daß die russischen Juden weiter leiden werden, wenn England nur erst von diesem teutonischen Albdruck befreit ist Versicherungen, die ich den Vorzug hatte, von Sir Edward örey zu empfangen, daß er ■•keine Gelegenheit versäumen' würde, die Emanzipation der russischen Juden zu fördern, bezeichnen einen Wendepunkt in deren Geschichte, indem sie in der Tat an die Stelle windiger russisdier Gerüchte eine feste politische Grundlage der Hoffnung setzen. Und dies ist nicht nur die blolte Aeußerung eines Politikers in Nöten. i Icfu bin in der Lage zu erklären, daß es den Standpunkt alles dessen wiedergibt, was in englischen Gedanken das Beste ist. Mit Vertrauen appelliere ich darum an amerikanische und andere neutrale Juden, daß sie nicht den Schatten Rußlands ihre Sympathien von dieser unüberwindlichen Insel fernhalten lassen sollen, die jetzt, wie oft zuvor, iür - die Menschheit kämpft, und die noch Rußland und Deutschland zivilisieren mag." Hierzu wird uns von Br. Elbog.en geschrieben: Israel Zangwill ist von dem Ehrgeiz beseelt, mit dem Ruhme des Schriftstellers den des Volksbeglückers zu vereinigen. Durch seine Pläne zur Rettung der russischen Juden hat er schon .wiederholt starkes Kopfschütteln erregt, was er aber neuerdings aus Anlaß des Weltkrieges in einem „Aufruf an die Juden der neutralen Länder" ausspricht, fordert den schärfsten Widerspruch und die energischste Abwehr heraus. Nicht etwa darum, weil er Deutschland in der unflätigsten Weise beschimpft! Deutschlands Volk und Heer stehen zu hoch, als daß sie von der Wut der keifenden englischen Krämerseelen getroffen werden könnten. Vir dürfen getrost und zuversichtlich der Geschichte das Urteil darüber überlassen, auf welcher Seite im gegenwärtigen Kriege f ü r Menschlichkeit und mit Menschlichkeit gekämpft wird, ob bei uns oder jenseits des Kanals. Was uns aber zur Pflicht macht, zu Zangwills Ausführungen Stellung zu nehmen, ist die Tatsache, daß sie geradezu einen verräterischen U eberfall auf die Rechte der russischen Juden darstellen. Um England die Sympathie der Juden in den neutralen Ländern, vor allem.ifi Amerika, zu gewinnen, gibt Zangwill getrost die Rechte der russischen Juden preis. Er zieht es vor, die russischen Juden länger ihrem Martyrium ausgesetzt zu sehen, als daß ihnen durch den Sieg Deutschlands und Oesterreichs die Gleichberechtigung gebrächt werde; er glaubt aber auch verheißen zu können, daß dieser Krieg einen Wendepunkt in der Lage der russischen Juden herbeiführen, eine feste politische Grundlage für ihre Rechte schaffen werde. Man begreift es nicht, daß der Mann, der den ganzen Jammer und das Elend des russischen Ghetto so grell zu beleuchten verstand, nuVeinern Mal derart geblendet werden konnte. Es ist ein offenes Geheimnis, daß jeder ans«ändige Mensch in. England es als Schand; empfindet^ sein Vaterland ar/der Se,ite der moskowitischen Barbarei kämpfen zu sehen, .und die englische Regierung hat wohlbewußt in » ihren Verlautbarungen die Erinnerung än diesen ediert Bundesgenossen riac.li Möglichkeit zurückgedrängt.' Den Juden in England, Frankreich und Rußland mag.' das Herz bluten, wenn sie daran denken,' daß Sie für das russische Knutenregiment, für die Erfinder des Ansiedlungsrayons und die Veranstalter der. .Pogrome" ihr Leben hingeben müssen. Es ist einer der'.tragischen Konflikte zwischen Pflicht und Gefühl, linü die Juden jener Länder mögen sich schlieiilich den) Zwange fügen, sich mit dem Satze darüber hinweghelfen: "Right ör wrong, my country".. Aber, , daß nun die Juden der neutralen Länder ohne Not und Zwang sich fürRußland begeistern und einsetzen sollten, das' würde eines der scheußlichsten' -Verbrechen gegen ihren Glauben, Verrat an Millionen ihrer Brüder bedeuten. % Was hat denn Rußland bisher getan, um einen Umschwung in seiner inneren Politik anzubahnen' oder anzudeuten? Hat es auch, nur eine der tausend Beschränkungen, nur eine der tausend Kränkungen und Erniedrigungen der^Juden, die gerade von. englischer Seite vor zwei Jahren in einer Denkschrift') beleuchtet wurden, gemildert oder aufgehoben? Der Zar hatte " die G n a d e, den Juden, die durch' den . Krieg dazu gezwungen sind, zu gestatten, seine Hauptstädte, Moskau und Petrograd, zu betreten und sich zwei Monate — 61 Tage, nach neueren Nachrichten sogar nur einen Monat — dort aufzuhalten. Aber hat man sonst von irgend einer Erleichterung der Ansiedlung der' Juden gehört? Hat man, um nur ein Beispiel herauszugreifen, den zahlreichen jüdischen Studenten, denen die Universitäten Deutschlands und Oesterreichs nun verschlossen sind, die russischen Hochschulen geöffnet, um ihnen die Fortsetzung ihrer Ausbildung zu; ermöglichen? Oder wird nicht nach neueren Mitteilungen dieProzent- ■) The legal sufferings t.f tbc jews in Russia, edited liy Lucien Wolf; with an introdatrtion', by professor A. V. Die e y. Verlag : ' Fischer Unwin, London Vgl. auch die Monatsberichte 1912 No. 9. S. 135.

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