Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 9 - November
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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. dessen wir uns rührten dürfen. Sie bilden die beste Waffe des moderntn Judentum?, die wir uns um keinen Preis, auch ni<ht durch die besen Worte, aus der Haiuf winden lassen dürfen. Wir dürfen uns nicht von den Slimmen im eigenen Lager betören lasseH, die gestern sich schüchtern regten, die «torgen vielleicht schon zu ein.em lauten Chore an» ge>chwoilen sein kc nnen, und uns davon überzeugen e s e r Turm mit seinen rSr überflüssig sei. Kein f von ihm abgetragen" ■werden, keine einzige unserer 'Schut/organiiatiooen ■darf die geringste Schwächung erfahren, mag sie nun, wie unser geliebter; Crden, ihr jüdisches Ziel"durch möchten, d a Ii d Waffen n u n m « Sti inch en d a t Förderung der Brudierl .und Wissenschaft zu ehe und Eintracht zu erreichen suchen, mag sie dafc Verständnis für die Gtschichte fordern trachten, mag sie im offenen Kampfe unser Recht vertreten. Denn be r e it. s ei n ist all auf Erden herrscht e s! Wenn wieder F"r i e d e und"wenn Enttäuschungen uns vielleicht erbittern, müliten wir mit vieler und großer Mühe wiederaufbauen, was jetzt ein verderblicher Optimismus als überflüssig ansehen mag. Vorsicht ist Gedächtnis! Wir müssen und werden genau prüfen So manche Hand, die sich uns jetzt freundlich entgeger.sireckt, wird sich wieder zum Schlage erheben, sobald erst die Zeiten andere geworden sind, und wenn wir auch in Tagen, da das Vaterland alle Kraft braucht, dieseR unseren* geistigen Wehrschatz Kaum mehren können, festhalten müssen wir mit aüer Kraft, was wir geschaffen haben. Soll unser Optimismus uns nicht auch heute einen schlimmen Streich spielen, so bedarf es neben der Vorsicht eines starken Auflebens der Gegenwartstugend, des Willens. Das Kaiserwort, das der irr den Stunden der Gefahr instinktiv geschlossenen Einigkeit den Charakter eines b-e-wu-Uten Zusammenschlusses gab. war ein grolier .und herrlicher Sieg, gewiß nicht unserer Sache, sondern der Gerechtigkeit und Li-.be! Aber es genügt nicht, Siege zu erringen, fn dieser Zeit, da das strategische Wissen so unendlich wohlfeil und verbreitet ist, braucht man kaum darauf hinzuweisen, <Jaß man sie auch ausnützen muH! Der Kampf um unsere Zukunft ist mit dem Kaiserworte noch lange nicht erledigt. Wenn die Kanonen schweigen und der Friede bei den Völkern eingekehrt ist, werden wir den V'erfolgungs- und Vermchtungs-'. kämpf aufnehmen müssen und die vielen Feinde, die Bosheit, die Beschränktheit, die schlechte Tradition aus den tausenden von Schlupfwinkeln herauszujagen haben, in denen sie sich hartnäckig festsetzen werden. Ohne zähen Willen, ohne Gegenwartsarbeit,, ohne die unbeirrte Fortführung und Verstärkung aller jener Arbeiten, die wir bisher leisten mußten, wird der Zukunftstraum nie* zum Leben werden. Wenn wieder Friede unter den Völkern. herrscht, dann wird auch Haß und Zwietracht sich bei den kleinen Menschen pünktlich und getreulich einstellen. Nichts wird uns mehr helfen, was wir waren und heute sind, sondern nur, was wir dann sein und feisten werd en. Nicht wird unp in unseren Kämpfen der Hinweis auf tias vergossene Blut, auf die Opferwiliigkeit, auf dje patriotische Begeisterung von heute fördern. Man wird, wie vor dem Kriege, das peinliche Schauspiel erleben, daß die Welt alle-, was Juden getan, herabsetzt und begeifert. Nur das werden wir erreichen, was tier kraftvolle Wille der.Gegenwart uns verbürgen wird, und nur dann dürfen wir uns, dem Optimismus und dem Zukunffstraumc hingeben, wenn wir uns nicht mit den Friedens- und Freundschafts- •. . . t. . Versicherungen der Kriegszeit begnügen, sondern wenn der Wille in uns lebt, bei def- Gestaltung unseres jüdischen Schicksals das kraftigste Wörtlein selber zu reden! >• Wir stehen wirklich an einem Wendepunkt, unserer Geschichte, wir wie unsere Glaubensbrüder, die seit vielen Jahrhunderlen die Grenzwacht im Osten gegen den Ansturm der Barbaren halten. Unser Schicksal liegt aber in unserer Hand, und ein leuchtendes Beispiel steht tms vor Augen! Von unserem geliebten deutschen Vaterlar.de können wir .lernen, wie wir die Zukunft unseres Judentums selber gestalten müssen. Ist nicht alle;, was den deutschen Namen trägt, erfüllt Von einem unerschütterlichen Optimismus? Gibt es auch nur einen echten Deutschen, der nicht die Zuversicht der Zukunft fest im Herzen trüge? Er darf es mit vollem Rechte! Sein Optimismus ist kein Träumen, sondern ein Vertrauen und Wissen. Deutschland hat die rechte Vorsicht besessen. Es hat die Mahnungen alter Zeiten beherzigt und sich gerüstet mit alier Kraft, sich stark gemacht bis in die Seele. Und sein Optimismus ist getragen von jenem einmütigen Willen, der uns alle erfüllt, vor dem Hindernisse dahinsiriken müssen wie nichts. . . * Und dieses Bild soll bleiben in der Juden Seele! In großer Zeit erworben führe es die Judenheit zu großen Zeiten!.. — I&i —