Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 8 - September
- Date
- 1914-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Witwen mit Kindern Anspruch auf Unterstützung aus öffentlichen Mitteln und zwar gelten diese Unterstützungen nicht als Armenunterstützung. Die Witwe hat Anspruch auf diese Unterstützung, sofern sie überhaupt zu den unterstützungsberechtigten Personen in Dänemark und ihr Besitz und Einkommen unter einer nach der Kinderzahl abgestuften Mindestgrenze bleiben. , In Ausnahmefällen kann die Ortsbehörde untersuchen, ob und wieweit Witwen und Kindern, auch wenn sie die vorgeschriebenen Bedingungen nicht erfüllen, ganz oder teilweise Unterstützungen erhalten sollen. Die Unterstützungen werden für jedes Kind gezahlt und betragen jährlich etwa 120 M. für ein Kind unter 2 Jahren, etwa 90 M. für ein Kind bis zu 12 Jahren, gegen 70 M. für ein Kind bis zu 14 Jahren. Die Unterstützung hört auf, wenn sich die Mutter wieder verheiratet, wenn sie sich in anstoßerregendpr Weise beträgt (hierzu gehört auch Trunksucht der Mutter) oder wenn sie in ausreichender Weise sonst durch die Armenverwaltung oder anerkannte Vereine unterstützt wird. Auch wenn sich ihr Vermögen auf irgend eine Weise außer durch eigene Arbeit (also etwa durch Erbschaft, Gewinn usw.) über die im Gesetz vorgesehene Grenze vermehrt, hört die Unterstützung auf. Dagegen kann in Ausnahmefällen die Unterstützung auch weiter gezahlt werden und zwar bis zum 18. Jahre des Kindes. Die Unterstützungen werden monatlich oder vierteljährlich im voraus durch die Gemeinde gezahlt, in der die Witwe ihren Wohnsitz hat. Die Hälfte dieser Unterstützungen werden vom Staat der Gemeinde zurückerstattet. Die Be- I - 'I hörden, arr welche Gesuche um Unterstützung zu richten sind, können die notwendigen Ermittlungen über die wirtschaftliche und sonstige Lage der Frau entweder selbst anstellen oder durch freiwillige Vereine anstellen lassen. Ebenso kann eine Beaufsichtigung durch die Behörden oder die mitarbeitenden Vereine erfolgen, ob die Gelder auch im richtigen Sinne verwandt werden. Bücherschau. Adolf Friedemann ./Das Leben Theodor Herzls. 341 Seiten. Preis 2 M. in Pappband. Jüdischer Verlag O. m. b. H., Berlin und Leipzig. 1914. -- Besprochen von Dr. Alfred Goldschmidt-Berlin. Am 3. Juli dieses Jahres jährte sich zum zehnten Male der Tag, an dem Theodor Herzl frühzeitig — ira Alter von 44 Jahren ins Grab sank. Mit Rücksicht auf diesen Gedenktag hat Adolf Friedemann ein kleines Werk geschrieben: „Das Leben Theodor Herzls'-. Liebe und Verehrung haben die Feder geführt. Das Werk ist in vornehmem und möglichst unpolemischem Tone gehalten; dali es einseitig und in gewissem Sinne unkritisch ist, wird man dem Parteimann und Freunde zu gute halten. Das Werk will die große, edle und schöne Persönlichkeit Herzls würdigen, und darum soll sich auch die Kritik von Polemik möglichst fern halten, so reizvoll es an sich wäre, die ..Erfolge" Hetzls nach den Verhandlungenmit dem Sultan und mit Plehwe an dem tatsächlich Dargestellten nachzuprüfen. Es entsteht vor uns der historisch geworden^ Schöpfer des Zionismus: Der vierzehnjährige Gymnasiast, der die Grundregeln des von ihm gegründeten belletristischen Schülervereins „Wir" entwirft und sich den Resonanzboden für seine Knaben-Märchen, -Humoresken, --Erzählungen verschafft; der geistvolle Feuilletonist, der Agitator, Diplomat, der politische Geschäftsführer, der Kongretiprnsident, der gemütvolle Familienmensch. Wir sehen ihn mit übermenschlicher Anstrengung die Taüsende in Bewegung setzen, wir verfolgen ihn in seinen Verhandlungen mit dem Sultan, dem GroUherzog von Baden,-dem. Deutschen Kaiser, dem König von Italien, dem Papst, der englischen, der russischen Regierung. In neunjährigem glänzenden Aufstieg erschöpft er seine Kräfte und sein Vermögen. Der Zionismus ist der grolie Traum seines Lebens und sein Tod. Sein Herz gehörte der Bewtgting und am Herzen ist er gestorben. „Er gab vielen" — ich glaube, das Wort stammt von Leon Kellner — „das Geschenk der Hoffnung und eröffnete den Aermsten das Glück der weiten Horizonte." ' ■* . Kurz vor Herzls Tode erfolgte das Angebot der. englischen Regierung, die einen Landstrich in Ostafrika — Uganda — zur Verfügung'stellte. Es war der erste grolie sachliche Eifolg und zugleich der erste Keil in der Bewegung. Ostafrika war nicht Palästina, und ein ..Nachtasyl", wie Uganda genannt wurde, kein Farnilienhein^. Nach Friedemann entscheidet sich Herzl mit schwerem Herzen, wie wir fühlen — für Palästina. 'Oer englische Zionist oder. Territorialist ZangwiH sagte einmal: Der Dolchstich, zwischen Ostafrika und Palästina zu wählen, blieb ihm erSpart. Auch der Gegner spricht: Es ist ein grolier Toter, dessen Manen Friedemann seine Huldigung bringt. Gebhardt, Carl: Spinoza. Briefwechsel. L'ebertragen und mit Einleitung, Anmerkungen und Register versehen. XXXVHI und 3S8>S. Preis: Brosen.-4 M , geb. 5 M. Gebhardt, Carl: Spinoza. Lebensbeschreibungen und Gespräche. Uebertragen und herausgegeben. XI und 147 S. Preis: Brosch. 2,50 M., geb. 3 M. Beide Leipzig 1914. Verlag von Felix Meiner. Die Briefe Spinozas, die hier zum erstenmale in lückenloser Vollständigkeit in deutscher Sprache-erscheinen und mit einer knappgehaltenen, aber trefflich orientierenden. Einleitung, mit reichhaltigen Anmerkungen zur Erklärung der Textgestaltung und des Sachlichen'und Persönlichen sowie mit Namen- und Sachregister versehen sind,, dürfen zunächst als wichtiges, vielleicht wichtigstes, weil authentisches Hilfsmittel zur Einführung in das Verständnis der Oedankenwelt Spinozas hervorragendes Interesse beanspruchen. Aber nicht von diesem Gesichtspunkte allein. Denn nicht nur die Gedankenwelt des Philosophen wird