Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-09-01 · Nr. 8 - September · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 8 - September
Date
1914-09-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4864325-6029080-6074260--1787-4865897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Großlogenschwestern im Kriegsdienst. Dit von der Großloge dem Kriegsministerium angebotenen 30 Schwestern ihrer Organisation sind mit Dank angenommen worden und haben die Ordre erhalten, sich am 16. August in Kiel beim Militär- Lazarett zu melden. Trotz der ungünstigen Verkehrsverhältnisse sind bis Freitag aus den verschiedenen Stationen 25 Schwestern nach sehr beschwerlicher Fahrt in Berlin eingetroffen und haben teilsi in der Krankenschwesternstation der Berliner Logen, teils im Mutterhause der Großloge oder bei Familien von Brüdern Wohnung genommen. 2 Schwestern trafen noch Freitag Nacht ein und eine — nach 50 stündiger Fahrt — im Laufe des Sonnabends, insgesamt sind 28 Schwestern nach. Kiel gereist. Freitag Nachmittag gab derFrauenverein der Berliner Logen den Schwestern zu Ehren einen Kaffee im Logengarten, dem die Vorstandsdamen des Frauenvereins beiwohnten. Am Freitag Abend nach Rückkehr der Schwestern aus dem Gotteshause fand ein gemeinsames Abschiedsessen im Logenhause statt, an dem außer dem Schwestern der Großpräsident, die Mitglieder des Geschäflsausschusses, des Arbeitsausschusses, die Vertreter der Berliner Station — teilweise mit ihren Damen -r teilnahmen. Br. Metzenberg gab den Schwestern noch einige Informationen für die Abreise. Hierauf richtete Br. Maretzki einige ergreifende Abschiedsworte an die in den Krieg ziehenden Pflegerinnen. Er führte ungefähr aus: Es ist das erste Mal in der Geschichte der Juden, daß eine jüdische Organisation einen geschlossenen Kreis von ausgebildeten und staatlieh geprüften Schwestern dem Vaterlande in bedrängter Zeit zur Verfügung stellt. Mit Stolz blickt die Großloge auf ihre Schwesternschaft, die aifc kleinen Anfängen durch unablässige Hingabe und Opfer allmählich gediehen ist, und ist mit Genugtuung erfüllt, daß sie dem Vaterlande diesen Dienst erweisen könne. Die ausziehenden Schwestern müssen sich stets der hohen Aufgabe bewußt bleiben, die ihrer harrt. Sie sollen stets eingedenk bleiben, daß der heilige Beruf der Schwesternschaft durch ihre Arbeit geehrt wird, und daß sie auch der Großloge und der Judenheit durch ihre Hingabe und ihre Opferfreudigkeit Ehre bringen sollen. Gerade auf uns Juden sieht man mit besonders geschärftem Blick. Aus dem Gründe müssen unsere Schwestern, wo sie in einer nichtjüdischen Umgebung wirken werden, ihr Verhalten und ihr Auftreten danach. einrichten, daß sie sich überall Achtung und Sympathien erwerben. Sie müssen besonders vornehm und zurückhaltend auftreten und sich durch bescheidenes Wesen auszeichnen. Sie sollen, sich nicht zurückdrängen lassen, sich aber auch nicht vordrängen. Sie sollen ihre eigene Person ganz in den Dienst stellen und sich einfügen, wie es das Interesse der Kranken und die Disziplin verlangt. Die Schwestern sind wohl jetzt aus dem ihnen lieb gewordenen Wirkungskreise herausgerissen "worden, wo sie durch ihre Arbeit Freunde und Gönner gefunden hatten. Sie werden, dessen sind wir sicher, sich, in dem neuen Wirkungskreise durch treue Pflichterfüllung neue Freunde schaffen uud in der neuen Arbeit auch Befriedigung für ihr Gemüt finden. Rechnen .Sie nie auf äußere Dankesbezeugungen, vielmehr soll der Dank, in dem Bewußtsein treu erfüllter Pflicht liegen, - in dem Bewußtsein, daß Sie berufen sind, Schmerzen zu lindern und Wunden zu heilen und den verwundeten Kriegern, die fern von Herd und Haus „sind, Linderung zuteil werden zu lassen. Seien Sie jede von Ihnen den Verwundeten eine stille, gütige und begütigende Fee. Sie mögen sich versichert halten, daß wir, die Großloge, Ihre Tätigkeit mit den besteh* Segenswünschen begleiten und daß wir immer Ihre Berater und Ihre Freunde bleiben. Mit dem Wunsche,, daß der Dienst für das Vaterland als teure Erinnerung, in den Herzen der Schwestern fortleben möge, und daß sie heil und gesund zu uns zurückkehren werden, schloß Br. Maretzki seine Ansprache. Im Namen der Schwestern sprach Schwester Rosy- Mannheim einige Dankesworle. Der -Großloge verdankten die Schwestern ihren schönen" Beruf. Sie werden auch jetzt, wo sie in einem größeren Kreise der Oeffentlichkeit zu wirken haben, die soeben gehörten Mahnungen befolgen und bemüht bleiben, der Großloge und dem Judentum Ehre zu machen. . E F ■ Zum neuen Jahre. > •Von Br. Dir. Dr. Ad ler-Frankfurt a. M. An der Pforte eines neuen.Jahres ist es alter geheiligter Brauch, Um- und Rückschau zu halten und die Fülle des Lebens, die uns umbrandet, von einer höheren Warte zu betrachten, um aus der Kenntnis der Stimmungen, die uns beeinflussen, Jen wahren Wert, das Bleibende, zu gewinnen und auf Grund dieser Erkenntnis zum Segen der Menschheit wirken ') Anmerkung der. Redaktion.. Der Artikel von Br. Adler ist vor dem Beginn des Krieges geschrieben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.