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Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-09-01 · Nr. 8 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 8 - September
Date
1914-09-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Wir Brüder selbst wollen gegenseitig für uns und auch für alle die, welche durch das herniedergegangene kriegerische Ungewitter in schwere Not und Bedrängnis geraten sind, eintreten. Möge eine solche Einmütigkeit denn ein gutes Omen sein für die Zukunft. Die ständige Vertretung der Berliner Logen, das gemeinsame Komitee, trat in den ersten Augusttagen, in der Sturmzeit der Mobilmachung zusammen, um über die Maßnahmen zu beraten, die unsere Brüderschaft zum Schutze und zur Fürsorge für alle die zu treffen haben wird, deren persönliches und wirtschaftliches Leben in diesem gewaltigen Kampfe von schwerer Sorge bedroht wird. Dank der unter uns herrschenden wundervollen Einigkeit, dank dem unerschütterlichen Bewußtsein^der Pflicht nach jeder Richtung hin gerecht werden zu wollen, hat unser Ausschuß, der in Anbetracht der starken Anforderungen, welche die Not der Zeit an ihn stellte, für seine Beratungen sämtliche Expräsiclenten und die fungierenden Beamten aller vier Logen hinzugezogen hatte, beschlossen,, seine Anträge in einer gemeinsamen Sitzung allen vier Logen zu unterbreiten. - Am 12. August dieses Jahres; mitten im Frieden unserer Ferienzeit und bereits von Kriegslärm umtost, der aus Ost und West Nachrichten über Nachrichten hierherbrachte, versammelten sich die Brüder unserer vier Berliner Logen zu schwerer, ernster Beratung. Der hochwürdige üroßpräsident des deutschen Distrikts Br. Timendorfer eröffnete in hergebrachter Form die Sitzung und kündete als einzigen Punkt der Tagesordnung an: . „Unsere Maßnahmen zur Fürsorge für die von der Kriegsnot Betroffenen." ßr.Timendorier führte etwa folgendes aus: Als unser Kaiser das Wort sprach: „In Deutschland könne es von nun an nicht mehr Deutsche gesondert nach Parteien und Konfessionen geben, sondern nur noch deutsche Brüder", da ging eine Art Befreiung auch über uns, die deutschen Juden. Aber die Mitglieder des Ordens, sie konnten doch den wehmütigen Gedanken nicht unterdrücken, wieweit wir durch diesen unseligen Krieg doch wieder von dem Endziel unserer Ordenslehre entfernt sind, dass alle Menschen auf der Welt einander Brüder sein sollen. Unsere Institution, sie kann nur in Friedenszeiten gedeihen, und deshalb ist für unseren geliebten Orden die Erschütterung besonders grob. Die Menschheit, für die wir arbeiten, verhüllt jetzt ihr Antlitz, und wenn es einen Trost in dieser Zeit gibt, so ist es das Bewußtsein, daß Deutschland unschuldig an dem Fürchterlichen ist, und daß gerade der größte Feind der Judenheit sich auch als der größte Feind der Menschheit erwiesen hat. ' Wir sind aber nicht hierher gekommen, um Betrachtungen anzustellen, sondern um dem bedrohten Vaterlände zu helferr, einig in dem Bewußtsein, daß jeder Deutsche, ob Soldat oder nicht, das Vaterland schützen muß. Der Zentralverein und der Verband der deutscheh Judeu haben bereits die deutschen Juden aufgefordert, .in der Opferfreudigkeit für das Vaterland über das Maß ihrer Verpflichtung hinauszugehen. Wir innerhalb des' Ordens, wir können uns auf einen Mann berufen, dessen Namen eine unserer Logen trägt, auf Leopold Zunz, der mitten im Frieden in einer Ansprache an die Juden sie aufgefordert hat, für das Wohl des Judentums urid seiner Anhänger unaufhörlich tätig zu sein. . „Hast Du Verstand," so rief er den Juden zu, „so brauche ihn zu unserem Wohle, hast Du Einfluß, so verwende Dich für unsere guten Zwecke, hast Du Vermögen, hilf arme fähige Leute unterstützen, hilf Schulen und Gotteshäuser errichten; hast Du Eifer, schließe Dich dem Guten an." , \ * : '• Aber alle diese Aufgaben für das Judemum hält er nicht für die höchste Aufgabe der Juden, ^sondern er fährt fort: . . „Das Höchste aber^ meine Freunde, das habt Ihr dem Vaterlande, diesem Lande, dem Ihr angehört, zu weihen. Wo seine Stimme ruft, da schweigt der t ■ - "" I f Freund und die Freundin; der Sohn und'die Tochter, der Nachbar und der. Glaubensgenosse. Wäs auch in den kommenden Jahren heraufsteigen mag, Krieg oder Frieden, an das Vaterland ünd an seinen König ist' Eure Wohlfährt geknüpft, und in der Not des Ganzen, da gilt keine Wahl und kein Aussuchen " Nun ist der Krieg ausgebrochen nnd da wollen wir heute feierlich versprechen, der Mahnung unseres jüdischen Lehrers zu folgen. Das Wohl des Vaterlandes, es soll uns über das Wohl unserer Familie, über das unserer Brüder, Eltern und Geschwister gelten, es soll an der1 Spitze der Aufgabe stehen, die wir in. heutiger Zeit haben. . ....*' Von solchen Gefühlen waren auch die einzelnen Logen und die Großloge bald nach Ausbruch des unseligen Krieges beseelt. Die Großloge, sie hat sofort, ihre sämtlichen ausgebildeten Krankenschwestern, etwa 30 bis 35 an der Zahl, dem Vaterland zur Verfügung gestellt und der kaiserliche Kommissar hat uns ge-

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