Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 8 - September
- Date
- 1914-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gott weiter erfolgreichen - Tagen der Schlachten, das ist die ungeheure Ruhe, mit der sich alles vollzog. Keine Hast! Kein Drängen! Ueberlegender Ernst! Ruhige Sachlichkeit! Hier heifit es für uns Juden lernen; das, was wir bewundernd anerkennen, in uns aufnehmen, ie gewaltige Lehre, die uns damit zuteil geworden t, erzieherisch auf uns wirken lassen. Denn >!S6hen wir uns nicht über uns selbst — diese Ruhe ist es^SÖie uns vielfach fehlt! Wie nötig sie ist, und welche L'eberlegenheit sie dem, der sie besitzt, verleiht, zeigte uns dieser Feldzug. „Auch zur Friedensarbeit, die uns Zurückgebliebenen zu tun obliegt, missen wir uns erziehen. Wohl mag es manchem von uns schwer ankommen, da, wo die Seinen im Felde stehen, wo er sie mit Kcpf und Hand wirken sieht, sich .den gewöhnlichen Geschäften teines Berufs zu widmen. Oede und schal dünkt manchem das, was dieser Beruf von ihn; verlangt. Lästig dünkt ihm die Pflicht und lä>sig v. ird sie oft erfüllt. Allein auch hiervon gilt das, was wir oben gesagt; Auch diese Arbeit will geleistet werden, muß geleistet werden, und wer sie leistet, wirkt an seiner, wenn auch bescheideneren Stelle ebenfalls mit an dem großen Werke unserer Tage Der Organismus unseres bürgerlichen und wirtschaftlichen Lebens darf nicht stocken; dal) er in T > unserem Vater lande, rings umgeben von Feinden, abgeschnitten vom Weltverkehr, nicht stockt und schwankt, isf ein Ruhm unseres V olkes. Ein Ruhm, der, wenn auch nicht so glanzvoll in die Ferne strahlt Wie der serner Waffen, doch nicht minder von seiner inneren Kraft zeugt. Möge dies Gefühl den, der den Berufsgeschäften des Alltags nachzugehen hat, wieder aufrichten und erheoen. Auch er wirkt mit am großen Werk. . t Noch eins: Gerade an die, welche inmitten des wirtschaftlichen Lebens .stehen — und das ist ein großer. Teil von uns Juden —, werden besonders hohe Anforderungen gestellt, schwerere, als der Außenstehende, ahnt. ,;Das ist keine Humanität, wie ich sie verlange" — so möchte man in zeitgemäßer L mdichturtg der Worte des Jesajas sagen — mit groben Spenden in den Zeitungen stehen, Mitglied von humanitären Vereinen sein, aber seine Arbeiter entlassen, seine Kredite kündigen, weil sie gefährdet erscheinen. Schwer ist es - das soll wahrlich nicht verkannt werden— richtig hindurchzusteuern durch die Klippen der Gefährdung der eigenen Existenz und der der andern. Aber — 1 es ist eine Aufgabe, die in diesen sturmreichen Tagen besonders notwendig ist. Der Geist der stillen und ruhigen Pflichterfüllung ist es, der das deutsche Volk groß und stark gemacht hat. Er soll uns auch in diesen großen Tagen bleiben. Und"noch ein letztes: Unsere Brüder stehen im Felde. Schon bedecken Tausende die Wahlstatt, Tausende werden , folgen und viele haben ehrenvolle Wunden im Dienste des Vateilandes davongetragen. Da ziemt keine lärmende Lustigkeit; Auffälliges in Kleidung und Benehmen — heute ist es vollends nicht am Piatze. Gerade der Jude, auf dessen Verhalten der besonders geschärfte Blick des Außenstehenden fällt, bei dem für das Tun des einzelnen die Gesamtheit verantwortlich gemacht wird, mag doppelt auf sich sehtn. Ruhe und Ernst sei sein Wahlspruch. So' innerlich und äußerlich gerüstet, die starke Wehr in der Hand, das. warme Gottvertrauen im Herzen zogen wir in diesen Kampf, kämpfen wir in ihm und werden wir — so möge es Gottes Wille sein! — ihn bestehen! . J. M. ■ ' v ' " ' I Die Kriegsfürsorge und die Berliner Logen. Unsere Logenferien hatten kaum begonnen, wohl der größte Teil der „Berliner" war noch in halb Europa verstreut, und trotzdem . wollte man in Berlin schon an die Arbeit gehen, um Vorbereitungen für die kommende Herbst- und Wintertagung unserer Logen zu treffen. \ > Es kam anders. Die letzten Julitage ließen schicksalsschwere Ereignisse hereinbrechen Unsere Logenarbeit, die Sorgen des Alltags mußten in den Hintergrund treten, es galt jetzt, sich mit andersartiger Ordensarbeit zu befassen. — ' .1 Unsere heiligsten Güter, das Vaterland, den eigenen Herd, gilt es gegen ruchlosem Ueberfall zu schützen. Feinde ringsum! Das ist das Kennzeichen der Lage. Aber nicht nur denen, die dem Ruf ins Fefd gefolgt sind, erwachsen heilige Aufgaben zum Wohle des Vaterlandes. Auch alle, die daheim bleiben und in erster Reihe wir, die Ordensbrüder, haben mitzu-. wirken daran, daß wir bewahrt bleiben vor schwerer Schädigung auf jeglichem Gebiet. Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr! Schranken und Gegensätze sollen fallen.