Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 8 - September
- Date
- 1914-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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angestrengter Tätigkeit geleistet haben, umsonst gewesen sein? Deshalb muß es das Bestreben der Größloge sein, das Logenleben während des Kriegs nicht ganz aufzuheben, sondern es so auszugestalten, daß es den Brüdern und deren Angehörigen Trost, Erbauung und Erholung gewähren soll und kann. . In manchen Logen werden; freilich wegen der gesetzlichen Bestimmungen Sitzungen eine gewisse Zeit nicht abgehalten werden dürfen, aber wo die gesetzlichen Bestimmungen zum Aufheben glicht zwingen, sollten die Logen von Zeit zu Zeit Sitzungen anberaumen. Die erwähnten Anträge der einzelnen Logen sind lediglich dem guten Herzen entsprungen. Sö edel aber auch die Sprache des Herzens ist, so gefährlich ist sie, wenn nur das Herz allein spricht. Zürn vollkommenen Menschen gehört die Kraft des Heizens, aber auch die Kraft des Willens und der Vernunft. Vieles müssen wir mit Rücksicht auf die Zeiten schweren Herzens aufgeben. Wir wollen aber hoffen, daß das nur ein Verschieben ist. Wir wollen dfe Hoffnung nicht aufgeben, daß doch einmal die Weltverbrüderung kommen , wird, die alle Völke^; sammelt und daß mit ihrem Erscheinen der Zweck der Kulturarbeit sich, erfüllt haben wird. Unseren Brüdern' im Felde und deren Angehörigen möge Gott helfen! Ihren hinterlassenen Familien reichen wir die helfenden Brüderhände, aber auch in sjiller Logenarbeit wollen wir selbst uns auf unsere Logenverpflichtungen besinnen, damit wir sie dann im Leben um uns her ausüben können. Hört solche Arbeit ganz auf, dann ist all unsere frühere Arbeit vergebens gewesen. Freilich, solange die Kanonen ihre eherne Sprache reden, wird e i n Gedanke, e i n Ruf, e i n Gefühl alles andere übertönen. Dieses Gefühl, dieser Gedanke, dieser Ruf lautet: Mit Gott für Kaiser und Reich! Berlin, irn September 1914. * Time n.d o r f e r. / Kriegsbetrachtung. Feinde ringsum! Von Ost und West drohen mächtige Gegner unserem Vaterlande. Mit gewaltiger Kraft ringt es, den eisernen Ring zu brechen, mit dem man es umkreist. Ein schweres Begmnen! Ein großes Beginnen! Aber es wird gelingen und gelingt! Gelingt, weil mit einer Einmütigkeit, wie die Geschichte sie noch nicht erlebt, ein ganzes Volk zusammensteht, fest geschlossen sich als eine E i n h e i t,fühlt. Die Schrecken des Krieges, des größten Krieges, den die Weltgeschichte sah, sind über uns hereingebrochen, mit ihm aber auch Groß«, Edles und Befrei - e n d es . Wie das Schwert nur im Feuer und unter dem Schlag des Hammers geschmiedet wird, so schmiedet sich die Einheit eines Volk'es nur unter Blut und Glut und Eisen im Schlachtendonner zusammen. 4 . - - Brachte uns vor 44 Jahren 'der Krieg die äußere Einigung Deutschlands, so bringt er uns jetzt die innere Einigung, Freudig haben auch wir deutschen- J ufd e n .uns in den Dienst des Vaterlandes gestellt. „Ueber die Pflicht hinaus", das war das Zeichen, unter dem wir standen. Herzerhebend war es, zu sehen, 'wie in allen jüdischen Familien die Jugend sich zu den Waffen stellte, und wie die Aeltereil und die Frauen in der Wohlfahrtspflege tätig wurden. Der Mahnworte an die junge Mannschaft, die im Felde steht, bedarf es nicht. Schön jetzt Jiat sie gezeigt, was sie kann. Die wahrlich hohen Erwartungen, die man an sie knüpfte, hat sie übertroffen. Nun aber die, die zurückgeblieben sind! . Wohl bedarf es auch hier der Mahnung, aber einer eigenartigen Mahnung,;einer Mahnung, deren Notwendigkeit fast ehrenvoll ist. An Hilfskräften fehlt es nicht. In überquellender Fülle strömen sie zu. Ein jeder will mittun, mitrateh und mitwirken andern großen schweren und doch so notwendigen Kriegswerk im. Vaterlande selbst. Hier geht die ernste Mahnung nicht dahin: Ge,bt uns Eure Kräfte, sondern: Zügelt Eure Kräfte! Lernf es, Euch unterordnen; lern! es, den Platz auszufüllen, mag er auch noch so bescheiden sein, an dem man Euch verwenden kann. Em jedes Rädchen in . dem ungeheuren Organismus unseres Volkslebens hat seine Stelle, hat seine Bestimmung und Aufgabe; stockt es oder wirkt es falsch, so stockt der Organismus. Nicht nur das, was groß und deutlich nach außen sichtbar ist, macht diesen Organismus groß, und.stark, auch der kleine und leise Innendienst an bescheidener Stelle ist wichtig. Diese Lehre ist vielleicht nicht die geringste von all dem vielen, was die großen Tage, in denen wir leben, uns lehren. Schon sollten uns dies die Tage des Friedens lehren, aber mit besonders eindringlicher Kraft zeigen uns dies die Kriegstage. Und noch eine Lehre mögen wir den jetzigen Tagen entnehmen i Was uns Deutschen, was der ganzen Welt den tiefsten Eindruck hinterlassen hat, vom ersten Tage der Mobilmachung bis zu den schweren —will's — 117 —