Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 7 - Juli
- Date
- 1914-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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eigenartigen Bewegung großenteils auf betrügerische und lächerliche Machinationen ihrer Begründer und Führer, der Rebbes oder Zaddikim, zurückzuführen suchte, greift in der neueren Zeit eine gerechtere Beurteilung Platz (Schechter, Albert Katzt. Auch der Verfasser, der den Chassidismus aus eigener Anschauung genau kennt, versucht, objektiv in das Wesen dieser mystischen Bewegung einzudringen. Ohne die Unsitten des Chassidismus zu leugnen oder zu verteidigen, weist er doch nachdrücklich auf seine edleren Seiten hin, auf die religiösen Bedürfnisse, denen er entgegenkommt, und die religiösen Werte, die er schafft. In erster Linie soll der Zaddikismus, eine Weiterbildung des ursprünglichen Chassidismus. behandelt werden. DerZaddik wird geschildert, wie er iti derTheorie sein soll und wie erden Anhängern erscheint, als Seelsorger, Muster, Fürsprecher, Ratgeber. In einem Anhang „Chassidimghetto" wird in kleinen, skizzenartigen Erzählungen nochmals derselbe Stoff dem Leser vorgeführt: Der Zusammenhang zwischen Chassidismus und sozialer Not, der die Bekämpfung der — trotz allem — schädlichen Bewegung so aulierordentlich erschwert, tritt auch in dieser Schrift stark hervor. Dr S. Jampel: Vorgeschichte Israels und seiner Religion. Verlag Kauffmann, Frankfurt a. M.. 1913. Im Kampfe gegen Delitzschs Bibel und Babel war die Abhängigkeit der jüdischen Religion von der babylonischen Kultur jiidischerseits bestritten worden. Der Verfasser dreht in diesen apologetischen Aufsätren den Spieß um. Er zeigt, daß gerade die biblische und talmudische Ueberlieferung selbst ihre Abhängigkeit von Babel bezeugt, daß die semitischen Ahnen Israels, „die Urhebräer", einen gewissen Monotheismus, und hocheutwickel'e Gesetze besaßen, die durch Abraham nach Palästina zurückgebracht und auf seine Nachkommen vererbt wurden. Im Gegensatz zu der verbreiteten Annahme einer allmählichen Höherentwicklung der israelitischen Religion und später t:\ilischer Einflüsse Babels setzt er den ursemitischen Einfluß an den Anfang der israelitischen Geschichte, die mit dem Höhepunkt, der Gesetzgebung beginnt. In vielen Einzelheiten werden die Parallelen zwischen Babel und Bibel und Ueberlieferung aufgezeigt, alles in gelehrter anregender Darstellung. Die historische Beweiskraft der Argumente ist für den nicht auf dem Boden der Bibelkritik stehenden Leser zweifellos sehr stark. Zum Schluß fordert der Verfasser mit Recht die Verwertung der durch die Altertumswissenschaft gefundenen neuen Resultate im Religionsunterricht. ' f| Prof. Sulzbach: Bilder aus der jüdischen Vergangenheit, ein Quellenbuch für dep Unterricht und zum Selbstunterricht. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1914. Aus der wetten jüdischen Literatur sind hier Ausschnitte genommen und aneinander gereiht, ein dankenswertes Unternehmen, das an sich geeignet, ist, neues Interesse 'für die jüdische Geschichte zu erwecken. Das Altertum ist leider stiefmütterlich behandelt. Statt der reichlich vorhandenen Quellen (Papyri und Inschrifteni werden fast nur Legenden aus der talmudischen Literatur gegeDen, die der Verfasser allerdings für historisch zu halten scheint. Reichhaltig ist die Sammlung für das Mittelalter. Wir finden hier interessante Briefe. Urkunden, Auszüge aus Reisebeschreibungen und historischen Bücliern. Auch die Kulturgeschichte ist gebührend berücksichtigt. Den Schluß bilden zwei unbedeutende Briefe Moses Mendelssohns. Das geschmackvoll ausgestattete Buch leidet nur ah einem bedauerlichen Mangel an Sorgfalt (StIJ, Druckfehler, Umschreibung fremder Namen u. a), der besonders einem Schulbuch nicht zum Vorteil gereicht. Rudolf Leszynsky, Montefiore«Loge. Neues Logenadreßbuch. Wir machen unsere Brüder darauf aufmerksam, daß die neue Ausgabe des Ldgenadreßbuches U. ü. B. B, für die Jahre 1914 15. erschienen und durch den Verlag Gebrüder Gotthelft, Cassel, zu beziehen ist. Das Adreßbuch enthält ein Verzeichnis sämtlicher Logen und Brüder, Angabe der Sitzungätage der einzelnen Logen, sowie deren Logenlokale, außerdem Namens-Verzeichnis des Exekutiv- Komitees. des Appellationsgerichtes, der Großlogen-Repräsentanten, des Generalkomitees,'der Arbeitsnachweise und sonstige jeden Logenbruder interessierende Angaben. Preis des Buches Mk. 2.— bei portofreier Zusendung. j Aus dem Verbände der Fnnieni/ereliujunjen der II.0.B.B. Losen, i J Artikel und Berichte aus dem Verbände stehen unter Vttrar.tmortung der hedaktion der Monatsberichte der Crusslöge; t 1 Manuskripte für Einsendungen die unter dieser Rubrik erscheinen sollen, werden jedoch zuvor an die Adresse von f i Frau Julie S a I i n g e r. Dreslen-A., Gabelsberge*str. 20, erbeten. Der Darmstädter jüdische Kinderhort. Von Oretel Goldsttin - Darms'.adt. Es leben in Darmstadt ca. 550 ausländische Juden, die sich in-den allerärmlichsten Verhältnissen befinden Ihre Armut besteht nicht nur im Mangel an Geldmitteln. Viel schlimmer ist, daß sie keine Heimat, keine Sprache, kein Lebensziel mehr haben, daß es ihnen häufig unmöglich ist, ihren gelernten Beruf auszuüben, aus Gründen, die hier nicht erörtert werden können. Soll man nun ihre Kinder ebenso aufwachsen lassen? Das erschien mir geradezu als Sünde, und so beschloß ich im April 1912, einen jüdischen Kinderhort ins Leben zu rufen, um Einfluß auf die heranwachsende Jugend und mittelbar auch auf die Eltern zu erhalten. Denn wenn diese Zugewanderten sich in Deutschland eine Lebensstellung schaffen wollen» so muß man vor allem versuchen, sie, und ihre Kinder an deutsche Verhältnisse zu gewöhnen und vornehmlich die letzteren mit dem nötigen Rüstzeug für den Lebenskampf auszustatten. — 110 —