Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 7 - Juli
- Date
- 1914-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Br. M. Kirschbaum, ist Präsident der nämlichen Loge, ein anderer Schwiegersohn ist ebendaselbst Finanzsekretär. Die „B. B. News" fragen: „Kann dieser Rekord gebrochen werden?" Br. Dr. Eugen Wölbe (Montefiore-Loge zu Berlin.) Verschiedenes. Ueber die Juden im heutigen Spanien teilt in 3er Nummer der Jewish Chronicle vom 17. April Br. A. Yahuda interessante Einzelheiten mit. Durch den marokkanischen Gebietszuwachs zählt Spanien jetzt 20-25 000 Juden, die noch heute als Abkömmlinge der alten spanischen Juden spaniolisch sprechen. Die Regierung ist ihnen freundlich gesinnt, der König selbst Ehrenpräsident der „spanisch-jüdischen Gesellschaft". Antisemitismus gibt es nicht, wenigstens nicht im Süden. Die von Prof. Pulido eingeleitete Bewegung, eine Massenimmigration von Juden zu fördern, ist bisher ergebnislos verlaufen. Vor öOJahren war den Juden der Aufenthalt in Spanien noch verboten, einige lebten heimlich dort. Seit 1860 wanderten europäische Juden ein, ohne Gemeinden zu bilden und als Juden aufzufallen. Zur selben Zeit kamen marokkanische Juden nach Sevilla. Sie richteten einen Gottesdienst ein, stellten einen Rabbiner an ihre Spitze, hatten aber mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, sodaß für den Jugendunterricht nichts getan wurde und die Kinder vielfach Missionaren in die Hände fielen. Erst jetzt scheint die Organisation der Gemeinde gesichert. Eine kleine Gemeinde in Cordova hat sich wieder aufgelöst, in Barcelona hat sich trotz der dort wohnenden Juden keine jüdische Gemeinde gebildet, auch in Madrid, wo es zahlreiche Juden geben soll, finden sich nur einige am Versöhnungstag zum Gebet zusammen., R. L. Bücherschau. „Die Religion der Arbeit" betitelt sich eine Abhandlung von Johannes T i e d j e -, die im vierten Heft der im Verlage von Eugen Diederichs-Jena (1914) erscheinenden Zeitschrift „Der freimaurerische Gedanke" veröffentlicht ist. In der Einleitung weist der Verfasser darauf hin, daß von jeher die Konfessionen die Freimaurerei bitter bekämpft hätten, und daß auch das orthodoxe Judentum sie ablehne „auch nach erlangter Gleichberechtigung, die es in den Humanitätssystemen doch genießt. Noch vor wenigen Jahren zogen die Juden in Landsberg a. W. die Gründung einer Judenloge (B'nai B'rith) dem Anschluß an eine anerkannte Großloge vor, obwohl die bestehende .christliche Loge' selbstlos diesen Anschluß zu vermitteln suchte." Der Verfasser hebt dann weiter hervor, daß diese ablehnende Haltung strenger Konfessionalität gegenüber der Freimaurerei nicht mit blödem t£onfessionalisfnus erklärt, geschweige mit Pfaffenfresserei und freidenkerischer Ueberhebung beantwortet werden dürfe. Es wäre unmaurerisch, aber es gelte anzuerkennen, daß die Freimaurerei wirklich strengen Konfessionalismus nicht dulde — nicht dulde im Sinne einer Toleranz. Diese Auffassung entspricht nicht den Tatsachen. Die jüdischen Logen in Deutschland sind ein Produkt der Intoleranz des Freimaurerordens* in der 'preußischen Monarchie. Man sollte übrigens nicht von „Judenloge" sprechen, denn der Gegensatz von ,.christlichen" Logen ist „jüdische" Logen; „Judenloge" < könnte lefcht als Ausdruck* der Gehässigkeit gedeutet werden, die doch wohl dem Verfasser fernliegt. Soweit wir orientiert sind, besteht auch zurzeit noch eine große Zahl von fjr^imaur'erischen Gmlilogen, die ängstlich darüber wachen, daß Juden in den Freimaurerorden nicht mit „Sitz und Stimme" aufgenommen werden. Wie das mit Toleranz m Einklang zu bringen ist. ist' schwerverständlich. Es . sind dann schließlich doch nur schöne Worte, wenn behauptet wird, daß die Freimaurerei verbinden und die Religion pflegen will, „in der alle Menschen übereinstimmen". Lediglich die Not der Zeit hat die jüdischen Logen geschaffen. Sie sind ein lebhafter Protest g*gen die Intoleranz, die bis /ur Stunde an den Juden verübt wird, und eine warme Mahnung an die Glaubensgenossen,' in regem Eifer für ihre Religion und im Streben,nach den höchsten Gutem der Menschheit ihr Lebensziel zu erblicken. Wenn uns Juden die Exklusivität nicht aufgedrungen wird, sind wir mit Herz und Hand bereit, mit unseren christlichen Mitbürgern auf allen humanitären Gebieten genieinsam zusammenzuarbeiten. Die Religion der Arbeit wurzelt in dem Gedanken — frei von konfessioneller Engherzigkeit — die Wahrheit zu erforschen und alle geistigen Kräftedem Dienste des Allgemeinwohls zu weihen. Selbst in den Zeiten der grausigsten Verfolgungen haben die Wortführer der Judenheft -es über sich gewonnen, diese Idee mit aller Entschiedenheit zu vertreten. Wer das jüdische Schrifttum kennt, weiß, daß großer Wert auf die Gesinnungskultur und auf Gemeinsichaftsidealismus gelegt wurde. (Siehe Sprüche der Väter 2, 1) ... ' Daß der geehrte Verfasser der oben. bezeichneten Abhandlung bemüht ist. vorurteilsfrei zu denken, erhellt aus dem Satze: '„Das Judentum aber hat.......ein durchaus charakteristisches Eigengepräge und ist, wie au: allen Gebieten des sittlichen Lebens, auch in der geschieht liehen Wertung der Arbeit ein geschichtliches Vorbild." Und weiterhin spricht er davon, daß das Judentum mit seinem „so hervorragend sozialen unerbittlichen Oerechtigkeitsgedanken eine hohe geschichtliche Mission gehabt hat und teilweise noch in die Zukunft hineki hat" und daß es „folgerichtig geistige und körperliche Arbeit gleich gewertet hat". Dr. Spanier-Magdeburg. Dr. I. Niemirower: Chassidismus und Zaddikismus. Verlag A. Baer, Bukarest, 1913. * Der Chassidismus bildet noch heute unter den Juden des Ostens, besonders Oalfziens eine Macht/ mit der die jüdischen politischen Parteien und Wohlfahrtsbestrebungen zu rechnen haben. Während man früher die Bildung der