Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 7 - Juli
- Date
- 1914-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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die Redner zusammen, wenn hie "und da ein religiöses Thema gestreift wird. Ist das Verbot aufgehoben, so fallen auch die Schranken der Mäßigung, und die Schleusen des Parteihaders ergießen sich in ungehemmter Weise. Die Brüder werden auf ihr Recht bestehen, das zu sagen, was zu sagen sie für nötig halten. Die Grenzen der Ausdrucksweise werden flüssig. Der eine liebt kräftige Worte, der andere ironisiert gerne; der eine" legt aus, der andere legt unter. Das ist der reine Streit. Müssen denn die Logen der Tummelplatz religiöser Zwistigkeiten werden? Unser Grundsatz ist doch vereinen, nicht auseinanderreißen. Wir verrücken dann die solide Basis der neutralen Gemeinsamkeit in den schwankenden Boden zersetzender Kämpfe. Wir geraten dann auf eine abschüssige Bahn, wo es keinen- Halt giebt. Erhebend ist es, wenn der Verf. den Logen das Zeugnis ausstellt, daß sie in der modernen Judenheit ein ethischreligiöses, soziales Niveau geschaffen haben, das als ein sicheres Besitztum angesehen werden muß. Sollen wir diesen kostbaren Besitz aufgeben, bloß um eine Erweiterung des Diskussionsstoffes uns anzueignen durch religiöse Fragen, die jeder von uns weiß, die jeder kennt? Ueberflüssig und schädlich! Und nun gar der Zionismus! Wir sind zufrieden, daß der unheilvolle Streit abzuflauen beginnt, daß ruhige Denkweise sich Bahn bricht. Die Großloge und die Logen haben ein nobile officium darin gesehen, zur maßvollen Sprache, zum Frieden zu mahnen, und wir haben die Freude, daß unsere Mahnung beherzigt worden ist. Und da wollten wir unsern Tempel dem Streit und Hader öffnen? Dabei kann doch nichts Gutes herauskommen. Wir wollen nicht Richter sein, dazu sind wir nicht berufen, das ist nicht unseres - Amtes. Geben wir zionistische Debatten frei, dann ist es aus mit der Eintracht untef uns, und die Verbitterung zieht in unsere Reihen ein. Dann leeren sich unsere Logenhallen, es ist nicht jedermanns Sache, Streit zu hören. Dann gibt es keine Belehrungen, sondern Sensationen. Mischen wir uns nicht in den Streit, überlassen wir die Schlichtung der Zeit, sie" macht es besser wie wir. Wer wie ich es erlebt hat, wie leicht Streitsachen persönlich genommen werden, wie rasch weite Kreise sich der Streitsachen bemächtigen, wie sie die Leidenschaften aufwühlen und nicht zur Ruhe kommen lassen bis zu jenem.traurigen Grundsatz: , „Pereat ordo, fiat voluntas mea", der denkt mit Schrecken an solche Vorfälle, dem bangt vorder Zukunft des Ordens Wohl verkennt der Verfasser die Schwierigkeiten nicht, er fühlt es heraus, daß eine Kontrolle geschaffen werden muß, welche, die Debatten regelt, wenn politische, religiöse, zionistische Erörterungen freigegeben werden sollen Diese Kontrolle legt er den Präsidenten auf. Dafür will er ihre Autorität, ihre Machtbefugnis durch Gesetz stärken. Das offenbart die ganze Schwäche seiner Beweisführung. Ich bedaure die Präsidenten. Sie werden das nicht leisten können, was der Verfasser von ihnen erwartet. Sie werden es niemand recht machen. Sie werden eine Unsumme von Unzufriedenheit auf sich laden. Es ist auch nicht gut, die Präsidenten in eine exponierte Stellung zu bringen. Mit der Zeit wird der Präsident unsicher, er schwankt in seinem Urteil. Durch den Vorschlag des Verfassers wird die Stellung des Präsidenten eher geschwächt als gestärkt. Ist er schneidig, stößt er an; ist er nachsichtig, bekommt er Vorwürfe. Die Mittellinie einzuhalten ist schwierig, wird den Präsidenten unmöglich gemacht. Kurzum, die Erörterung politischer, religiöser, zionistischer Fragen in den Logen"" ist überflüssig, nicht notwendig, wirkt schädigend für die Eintracht und den Frieden in den Logen. „Führe uns nicht in Versuchung," höre ich von allen Seiten schallen. In der Loge müssen wir leidenschaftslos allen Kämpfen, aus welchem Lager sie auch kommen mögen, zusehen, ohne Stellung zu nehmen. Darum ist es wohlgetan, solche ganz abzulehnen, als Versuche zu machen, deren Tragweite wir nicht übersehen können. Zweiunddreißig Jahre haben wir ähnlichen Versuchen widerstanden, kein Bedürfnis dazu empfunden, und wir würden uns ein großes Armutszeugnis ausstellen, wenn wir uns für unfähig erklären wollten, geistige Erbauung uns zu verschaffen ohne politische und religiöse Debatten. Denken wir doch tiefer nach über die Aufgaben, die der Orden uns stellt, über die Mittel und Wege, durch die der Orden uns erheben will. Nebst der Idealisierung unserer Lebensanschauung und Veredlung unseres ganzen Menschen will der Orden auch ein Gegengewicht schaffen in der Beruhigung und Gleichstimmung unseres Gemütes gegenüber all den Aufregungen, die der Tag bringt. Wir sind doch nun einmal die Temperamentvollen, wir erregen uns leicht, und wir müssen Stunden haben, wo das Gemessene, das Gemütvolle, das Heilige uns leitet. In unseren Tempeln wollen wir ausruhen von dem Getriebe der Außenwelt Mit diesen Vorsätzen wollen wir uns umgeben, wennwir uns in unsere Tempel begeben. Wir wollen uns nicht aufpeitschen lassen durch auf-