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Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-07-01 · Nr. 7 - Juli · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 7 - Juli
Date
1914-07-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das will ich, gerne zugeben, daß die endlosen, unerquicklichen Debatten über formale Angelegenheiten der Loge, über Regie, Oekonomie, Verwaltungssachen viel zu viel Zeit vorwegnehmen, daß die Brüder übersättigt, ermüdet nicht mehr im Stande sind, Vorträge von idealem Gehalt in sich aufzunehmen. Sie sind sicher unvermeidlich, müssen aber auf ein Mindestmali der Zeit beschränkt oder in anderer Form erledigt werden. Hier liegt in der Tat ein Mißstand. Hier sollte der Hebel angesetzt werden, damit die Brüder von idealen Dingen mehr zü hören bekommen. Es müßte eine zweckmäßige Verteilung dieses Arbeitsstoffes vorgenommen werden. Z. B. könnten bestimmte Tage für formale Dinge und andere Tage für Referate und Diskussionen dauernd festgelegt werden. Das Familienleben, wie es sich jetzt mit seinen Irrungen und Wirrungen herausgebildet hat, eine andere Art der Kindererziehung, die Abwendung der Jugend von hohlen, überspannten Anschauungen, die Sitten und Unsitten im Verkehr, philosophische Weltanschauung, Vertiefung ethischer, ästhetischer, sozialer Ideen müßten mehr Gegenstand von Vorträgen in den Logen bilden. Diese vielfachen Aeste am Ordensbaum sollten niemals verdorren, sollten immer wieder mit frischem Leben erfüllt werden. Sie liegen ganz besonders im Rahmen unserer Ordenstendenzen. Das ist unser eigentliches Lebenselement. Wir müssen mehr an die Innenarbeit in den Logen herantreten, sie ist die Wurzel und die Quelle unserer Idealität. Also an Stoffarmut brauchen die Logen nicht zu leiden, und die Gefahr der Verkümmerung droht den Logen noch lange nicht. Und vor allen Dingen müßte für rege Diskussion gesorgt werden. Frage und Antwort müßten die Diskussion beleben. Die Brüder müßten dazu angeregt, ermutigt werden. Gar mancher scheut sich, Fragen zu stellen, aus Furcht, belacht zu werden. Da sollte man ihnen die Fragestellung erleichtern. Nun sieht der Verfasser manche Materie als politisch an, z. B, die Zurücksetzung der Juden in der Verwaltung und Industrie, Verfolgungen der Juden in verschiedenen Ländern. Das sind meines Erachtens keine politischen Fragen, sie berühren das Wohl und I Wehe der Judenheit. Diese Verhältnisse und das große Judenelend im Osten Europas müssen Gegenstand der Erörterungen in den Logen bilden, und müssen immer wieder behandelt werden. Sie sind unsere Sorge und unsere Klage. Das sind spezifisch jüdische Wohlfahrts-Fragen. Der Verfasser scheint der Ansicht zu sein, daß die jüdischen Staatsbürger gar keine Gelegenheit haben, von politischen Dingen zu hören, sich mit politischen Angelegenheiten zu befassen. Die große Zähl der täglich erscheinenden politischen Zeitungen, die zahlreichen politischen Vereine bieten hinreichend Gelegenheit zur Kenntnisnahme und Betätigung im politischen Leben. Man kann füglich behaupten, daß unsere Mitglieder in der inneren wie äußeren Politik wohlunterrichtet sind. Wir brauchen wirklich nicht politische Debatten in die Loge hineinzutragen. Wie der Verfasser richtig ausführt, führt der lebhafte Kampf der Meinungen notwendigerweise zu -Parteiungen. Frommt es wirklich unseren Logen, an dern Parteikampf sich zu beteiligen? Ist es auch nur möglich, Parteimeinungen auszuschalten? Politik ist letzten Endes immer Parteipolitik.diePartei nur dieForm für dieGeitendmachung der Anschauung. Das Verbot der Bekämpfung eines politischen Programms, wie der Verfasser will, ist kein zweckmäßiges Ventil. Kom'TÜ eine politische Frage zur Verhandlung, selbst in der Form -eines objektiv gehaltenen Referates, so kann doch niemandem verwehrt -Werden, seine .Meinung zu äußern. ,Es bleibt nicht beim platonischen Zuhören. Dann haben wir das Gegenteil von dem, was der Verfasser will, dann ist es keine Belehrung, dann ist es. Streit. — Noch mehr trifft das bei religiösen Fragen zu. Mit Recht betont der Verfasser, daß auf religiösem Gebiete das Problem der Erörterung viel schwieriger ist, weil die Anschauungs-Unterschiede viel größere sind. Diese Fragen greifen zu sehr in daspersönliche Element des einzelnen hinein, bringen nur zu leicht Erregung in die Diskussion, die gebotenen Hemmungen werden leicht niedergerissen. Ist es noch möglich, daß gegebenenfalls Politisches in ruhiger, gemessener Weise besprochen werden kann, so erscheint mir das bei religiösen Debatten gänzlich ausgeschlossen. Heftig prallen die Meinungen aneinander, sie wirken nach, und die Zwietracht ist da. Nun hält der Verfasser die Gefahr der Zwietracht für vermeidbar, weil - wir bereits eine dreißigjährige Schulung jn der Disziplin haben. Sind wir wirklich schon( so hochgestimmt und abgeklärt, daß wir die schweren Dissonanzen in religiösen Fragen, welche die Judenheit von Grund aus aufwühlen, wie von einer hohen Warte kühl behandeln können? Die.älteren Brüder mögen es*ein, aber es treten doch neue ein, die unsere Art zu arbeiten noch nicht gelernt haben. Dafür sind wir Menschen, wir reagieren in religiösen Dingen sehr lebhaft. Wir sollten lernen, Gleichmut zu bewahren, rät uns der Verf. Das ist aber ein Versuch mit untauglichen Mitteln. Jetzt wo das Verbot volle Geltung hat, nehmen sich

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