Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1914-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Einstellung von Zöglingen ein Ausbau der Anstalt ins Werk gesetzt werden Ferner wurde ein Amendement Cohn angenommen: Werkstätten sind nur nach Maßgabe der vorhandenen Mittel einzurichten. Schließlieh wurde eine fünfgliedrige Kommission zur Prüfung der Baufrajen eingesetzt. Diese Kommission hat mehrere Sitzungen abgehalten. D„ bei der Beschränkung der Mittel nicht alle Wünsche gleichzeitig erfüllt werden können, so mußte der Zweck der baulichen Erweiterung aufs neue erörtert werden. Dabei kamen drei verschiedene Ziele in Frage: sollte die Erweiterung nur dem Zwecke der Handfertigkeit und des Handwerksunterrichts dienen, oder soll nur die- S.hulabteilung erweitert werden und soll schließlich ein Dauerheim angestrebt werden, in welchem die für" das Leben in Freiheit ungeeigneten Schützlinge für immer verpflegt und angemessen beschäftigt werden können? Eine Einstimmigkeit ergab sich zugunsten des handwerksmäßigen Unterrichts, zugleich wurde angeregt, durch den Erweiterungsbau, der an den Knabenflügel sich anschließen soll, ein« vollständige Trennung der Geschlechter herbeizuführen. Es wurde eine engere Kommission für den Bauanschlag eingesetzt, der die Herren Baumeister Alterthum, Dr. Nawratzki und Anstaltsleiter Bein angehören. Auf Grund der Vorbereitungen hat dann die Baukömmission Werkstatträume, Wohnräume für weitere 10 Zöglinge, 1 bis 2 Schulzimmer, 1 Konferenzzimmer, Wohnräume für Lehrer zu schaffen, beschlossen. Die Baukosten sind ausschließlich der Ko-ten für die innere Einrichtung auf Mk. 35COO,— zu veranschlagen. Da die vorjährige Mitgliederversammlung bereits im Prinzip mit der Ausführung eines Erweiterungsbaues sich einverstanden erklärt hat, so darf der Vorstand-wohl annehmen, daß die diesjährige Versammlüngf dem Vorschlage der Baukommission zustimmen wird. Alle Erfahrungen, welche auf dem Gebiete der Fürsorge für geistig zurückgebliebene Kinder in ärztlicher und -pädagogischer Hinsicht gewonnen worden sind, werden auch für unsere Schutzbefohlenen nutzbar 'gemacht, und mit Genugtuung können wir feststellen, daß die aufgewendete Arbeit bemerkenswerte Erfolge gezeitigt hat. Diese sind freilich nicht so in die Augen springend, wie man sie durch gleiche Mühewaltung bei geistig Vollwertigen erzielen kann. Was normale Kinder aus eigener Anschauung und aus eigenem Antriebe sich aneignen, muß unseren Zöglingen erst in mühevoller Kleinarbeit beigebracht werden. Trotzdem sind es nicht geringere Erfolge, wenn aus dürftigem Boden noch Früchte, und sind es auch nur . kleine, gewonnen werden. Das letzte Berichtsjahr schließt für. unsere Kinder wieder mit einer weiteren Vermehrung ihres geistigen Besitzstandes ab. Ihre ganzen Sinnesempfindungen sind durch methodische Inanspruchnahme mehr entwickelt worden. Sie haben gelernt, besser aufzufassen, haben, soweit sie mit Sprachgebrechen behaftet sind — und das sind gerade unter unseren Anstaltsinsassen nicht wenige — gelernt, besser zu sprechen, haben sich schulmäßige Kenntnisse erworben und sind in ihrer Handgeschicklichkeit gefördert worden. Besonderer Wert wird darauf gelegt, sie von Anfang an praktisch weiterzubilden, damit sie später eventuell einem praktischen Beruf zugeführt werden können. Im Hause selbst herrscht unter den Kindern ein froher und munterer Ton. Auch die neu Eintretenden fühlen sich rasch heimisch._ Instinktiv fühlen sie, daß niemand sie absichtlich hänselt, daß sie niemandem zur Last sind. Sie hängen mit Liebe an ihrem Onkel und an ihrer Tante Bein und haben nicht den Wunsch, fortzukommen. Ihr Aussehen verrät, daß der Anstaltsaufenthalt ihnen auch körperlich gut bekommt. Sie bewege-i sich viel in frischer Waldluft, turnen fleißig, erhalte;i regelmäßig Bäder und Brausen und werden zweckmäßig ernährt. Dank diesen Maßnahmen für. die Körperpflege und! den sonstigen hygienischen Einrichtungen herrscht unter unseren Zöglingen ein befriedigender Gesundheitszustand. Die regelmäßigen Wägungen ergeben bei fast allen Kindern ein fortschreitendes Körpergewicht. Ernstere Erkrankungen sind auch während des letzten Jahres bei keinem von ihnen vorgekommen; vor allem sind sie von Infektionskrankheiten verschont geblieben. Ein Blick in unser Heim, ein Blick auf unsere Kinder zeigt allen, die unser Werk unterstützen, daß hier etwas Segensreiches geschaffen ist. ^Jnd der Wunsch muß rege werden, daß es gelingen möge, die Wohltaten des Instituts recht vielen geistig Schwachen zukommen zu lassen. Aber noch ein anderer Wunsch wird lebendig in uns, der Wunsch nach einem Dauerheim für Kinder, die wohl nicht dem Ziele zugeführt werden können, draußen einer Arbeit nachzugehen, die aber bei richtiger Arbeitsteilung und Leitung im Eigenheim noch wirtschaftlich nutzbar zu machen sind.