Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1914-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4864325-6029080-6074254--1738-4865851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ueber das innere Leben in der Anstalt sei noch i folgendes berichtet: Am 2Q. Juni 19134 konnten wir' eine feierliche Einsegnung von Zöglingen veranstalten, an der 3 Knaben und 4 Mädchen beteiligt waren. In ernster Weise werden die hohen Feiertage begangen. Im Unterricht wird rüstig gearbeitet, und das Kuratorium läßt es bei der Anschaffung > von Lehrmitteln an sich nichts fehlen: so wurden allein für den natur-. wissenschaftlichen Anschauungsunterricht M. 150.— verausgabt. Ueber die Verteilung des Unterrichts ist bereits im Vorjahre das Bemerkenswerteste mitgeteilt: Nicht nur bei der vorgesetzten Behörde finden die Unterrichtsleistungen Anerkennung, ihr Ruf ist bereits ins Ausland gedrungen. Am 20. August besuchte der Professor an.der Nervenklinik zu Moskau, Herr Staatsrat Dr. Minor ip Begleitung des Herrn Dr. Nawratzki die Anstalt, die ihm so wohl gefallen hat, daß er sich Abschriften der Lehr- und Beschäftigungsplänc' für einen größeren von ihm zu veröffentlichenden Aufsatz ausbat. Nicht nur die Mitglieder des Kuratoriums und des Damenkomitees, sondern auch außenstehende angesehene Persönlichkeiten besuchen die Anstalt. Für weitere Kreise wäre ein Besuch der Beelitzer Anstalt sehr erwünscht, die schöne'Jahreszeit ladet dazu ein. Besonders an die Berliner Brüder des Bnei Briß-Ordens, der unserem Werke so wohlwollend nahesteht, richten wir die Aufforderung, sich einmal auf einem Sonntagsausflug nach dem freundlichen Beelitz bei Potsdam mit ihren Angehörigen und Freunden zu begeben: sie werden dort in jedem Sinne auf eigenem Boden stehen, nicht nur wegen des Besitzanteils, den die Großloge an unserer Anstalt hat, sondern auch in ideellem Sinne, auf dem Boden der Menschenliebe, die sich der von der Natur vernachlässigten Menschenkinder erbarmt und an dem Gedeihen und dem Vorwärtskommen ihre reine Freude findet. Freilich darf man die Hoffnungen nicht zu hoch spannen: es handelt sich um schwachsinnige Kinder; aber nun hege auch nur keine Furcht, einen peinlichen Eindruck zu erhalten: sie werden muntere Kinder treffen, denen die Natur als Ausgleich für die ihnen vorenthaltenen Geistesgaben Frohsinn geschenkt hat und denen ein unbewußtes Gefühl sagt, daß sie hier in einem glücklichen Hafen sich befinden, den Menschenliebe ihnen bereitet hat. Und wer von den Besuchern erzieherische Interessen besitzt, der wird mit Genugtuung Einsicht nehmen von den Lehrmethoden, die von überlegenen Geistern ersonnen sind, um gleichsam die schwachen Geister zu ihrem eigenen Besten zu überlisten, .daß sie sich im Wortsinn „spielend" Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen, die ihnen sonst ewig unzugänglich wären. So betrachte^ muß jedes niederdrückende Gefühl weichen und in verstärktem Maße sich das Dichterwort bestätigen: „DaB nur Manschen wir sind; der" Gedanke beuge das Haupt dir, doch da(t Manschen wir sind, hebe es freudig empor!'1 . Ferienkurse für jüdische Schüler mittlerer und höherer Lehranstalten. Eugenische Bestrebungen, die auf" eine Erstarkung des deutschen Volkes in körperlicher und sittlicher Beziehung hinzielen, haben in den letzten Jahren sowohl von öffentlicher als auch von privater Seite Verständnis und kraftvolle Unterstützung gefunden. Für uns deutsche Juden haben diese eugenischen Bestrebungen aus Gründen, die "nicht weiter erörtert zu werden brauchen, erhöhtes Interesse. In richtiger Erkenntnis dieser Zeitströmung hat die Großloge für Deutschland diesen eugenischen Bestrebungen ihr Interesse zugewandt und einen besonderen Ausschuß für Eugenik eingesetzt, jede einzelne Loge ist verpflichtet, nach ihren Kräften arl diesen für die jüdische Jugend Deutschlands besonders wichtigen Bestrebungen sich zu beteiligen. Ein Bruder der Zion-Loge, der verstorbene Konsul Simon, hat weitblickend und seiner Zeit vorauseilend solchen eugenischen Bestrebungen sein ganzes Leben, seine Arbeitskraft und seine reichen Mittel gewidmet. Die Erziehungsanstalt in Ahlem, die Unterrichtsanstalt in Peine und das Lehrgut Steinhorst verdanken diesem seltenen. Manne ihre Entstehung, Institute, welche segensreieji wirken und ohne Ueberhebung Musteranstalten genannt werden dürfen. Die Zion-Loge betrachtet es als eirie Ehrenpflicht, auch den Söhnen b'emittelter jüdischer Eltern, besonders den Söhnen unserer Brüder, in vierwöchentlichen Ferienkursen, einer im ^onat Juli und einer im A u g u s t, in geeigneter Weise zu zeigen, was Fleiß und Energie auf diesem Gebiet, dem wir Juden durch frühere gesetzliche , Beschränkungen entfremdet wurden, zu leisten vermögen. Die Zion - Loge wird also in diesem Jahr Ferienkurse für jüdische Sc h ü 1 e r mittlerer und höherer Schulen im Alter von 12—18 Jahren einrichten und ,hat zu diesem Zweck bereits Kräfte engagiert, welche die Knaben beaufsichtigen und ihnen Anweisungen im Garten- und Gemüsebau erteilen sollen.