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Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 3 - März
Date
1914-03-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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„Gott Rhenus wird von Njxen umtanzt und mit lieblichem Liedchen aus dem Schlummer erweckt. Zornig über diese Störung, beruhigt er sich bald, beschwört den Geist der Mutter Erde, der Trägerin von Fruchtbarkeit und Lebenslust. Sie verkündet die Schönheit der Welt und den wahren Wert menschlichen Ringens und Kämpfens, der in der reinen Freude am Wahren, Schönen, Guten gipfelt. Für den heitern Sinn des Daseins ruft sie die Moguntia, die insbesondere von der Geschichte der Mainzer jüdischen Gemeinde erzählen soll. „Vergib" das Frohe nicht und nicht das Trübe! — Laß uns im Zeitengeist erstehen — Haß und Liebe!" Und dann zieht vor dem Hörer die wechselreiche Geschichte vorüber von der Römerzeit bis auf unsere Tage. Glanz und ['rächt, Gelehrsamkeit und Charitas, aber auch viel Leid und viel Qual. Als Zeichen, daß der alte Geist noch lebt, läßt Moguntia durch die Mutter Erde die Loge mit ihren Attributen Wohltätigkeit, Bruderliebe, Eintracht erwecken. * Diese geben Zeugnis von dem Wirken der Loge. Ihren Wünschen schließen sich Rhenus und Moguntia an, bis das ganze Festspiel ausklingt in den Worten der Mutter Erde: Mir bleibt der letzte aller Wünsche aufgespart. Drum grüß' ich dich in deiner jungen Schone! O mögen sie erkennen deine Art, Und huldigend sich nahen meine Söhne! Die Welt, sie ist so reich, so voller Pracht, Del! sollst du — tätig — innewerden: Gleich wie im steten Wechsel Tag und Nacht Und all die Jahreszeiten auf der Erden, Sei deiner wirkungsvollen Arbeit Lohn und Glück, Ein ewig Vorwärtsschreiten nie zurück!" Der Lorbeer, den man der Dichterin weihte, war wohlverdient. — Das nun beginnende Festmahl war durch die Festlieder der BBr. Heinemann und Gochsheimer und durch geistreiche Toaste gewürzt, zu denen der Festleiter Br. Steindorff in gebundener Rede aufforderte. Der Präsident brachte ein Hoch auf Kaiser und Groliherzog; Br. Expräsident E.Simon pries unter Anwendung passender Bibelworte die Großloge. In seiner liebenswürdigen Art dankte der hochw. Großpräsident und entfesselte stürmischen Beifall. Frau'Schlesinger- Frankfurt machte überzeugend Propag'nda für eine Mainzer Schwesternloge, worauf in sprudtlnden humorvollen Versen Br Paul Lebrecht den Damentoast ausbrachte. Expräsident Br. Dr. Mattes sprach zündend auf "die Gründer der Loge, wofür Bürgermtisterei- Beigegrdneter, Kommerzienrat Br. M. M. Mayer mit trefflicher Rede dankte. Nachdem Br. Dr. Elsaß-Landsberg a. d W. die Rhenusloge gefeiert und Prof. Salfeld dem Geselligkeitskomitee für seine von reichem Erfolg gekrönte, mühevolle Tätigkeit gedankt hatte, sprach Br. Überkantor B. Nußbaum das Tischgebet. — Nach kurzer Pause hatten die Festteilnehmer noch ein besonderes Vergnügen. In . einem heiteren Festspiel, das Br. Paul Lebrecht mit köstlichem Humor und dichterischer Gewandtheit zur Ehre des Tages verfaßt hatte, erfreute die Mainzer Jugend durch vorzügliche Leistungen in Mimik, Komik und Tanz das animierte Publikum An dem bald einsetzenden Ball beteiligte sich jung und alt. Erst als, der Morgen graute, verschwand das Fest in den Wogen der Ewigkeit. .. S. :» * - * . Lothringen - Loge. Kaisers - Geburtstagsfeier im Soldatenheim der Lothringen-Loge: Wie alljährlich, so wurde auch dieses |ahr am. Sonntag, den 25. Januar, eine Feier veranstaltet, zu der sämtliche , jüdischen Mannschaften der Garnison namentlich eingeladen wurden, wobei von seifen der Militärbehörde durch Urlaubserteilung den von uns Eingeladenen weitgehendes Entgegenkommen gezeigt wurde. Es fanden sich denn auch .gegen 4 Uhr etwa hundert Soldaten, darunter die Hälfte christlicher Konfession, in den Räumen des Soldatenheims ein. Br. Oberrabbiner Dr.Netter hielt eine gedankenreiche Rede überReligion und Vaterland und entwickelte aus dem Begriff des auserwählten Volkes die Pflicht der luden, in Tugend, Sittlichkeit, Wissenschaft und Kunst, Tapferkeit und Vaterlandsliebe ein Vorbild zu sein für die andern. Es wurde sodann ein Kaiserhoch von Br. Dr. Netter ausgebracht, worauf die Nationalhymne gesungen wurde. Nachdem sodann der w. Präsident Br. Goldberg das Ideal der Treue zum Mittelpunkt seiner Erörterung genommen hatte, und der Obmann des Ausschusses Br. Goldschmidt namentlich für die jüngeren Mannschaften die Zwecke und Bestrebungen des Soldatenheims erörtert und dabei treffliche Bemerkungen über die. Ideen der Toleranz eingeffochren hatte, hielt der zu der Feier erschienene Major Ros'er (4.bayr.lnf.-Reg.) eine bemerkenswerte Ansprache. Er wies auf eine Aeußerung Seiner Majestät des Kaisers hin, der das Reich mit einer Burg verglichen habe, die viele Gemächer enthalte, große und kleine, deren jedes aber seine Bedeutung für das Ganze habe. So hätten auch die Einzelräume des Vaterlandes jedelfseine Eigenart * ö . und Berechtigung und im'Hinblick auf die Zugehörigkeit zu dem großen Gesamtbäu müsse jeder den andern achten und schätzen. Die Nutzanwendung

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