Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1914-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Simon'sche Seminar für Gartenbau und Handfertigkeit in Peine. Br. B. R o s e n t h a 1 - Mannheim. Die moderne Erziehungswissenschaft hat die Willensbildung wieder mehr als bisher zur Geltung gebracht, yNicht__durch die UebermiUelung unserer Kulturgüter alleih können ganze, bewußt in den Dienst der Gesamtheit sich'stellende Menschen herangebildet werden- Der Schwerpunkt der Erziehertätigkeit liegt vielmehr in der Gewöhnung zu einem erhaltenden und fördernden Willen. Dazu gehört aber, daß neben der Uebung des rein Geistigen — dieses lediglich als Mittel zum Zweck — auch alle Fähigkeiten des Körpers entwickelt werdet): Gerade die Pflege des Körpers durch Turnen, Spiel, Sport und ganz besonders das Vertrautmachen der Hände mit den gebräuchlichsten^ Techniken des Gärtners, Tischlers usw. birgt willensbiklende Momente der Fülle, die von frühester Jugend an gepflegt, die Betätigungsrichtung des Menschen für sein ganzes Leben zu beeinflussen vermögen. Daß der in der neueren Pädagogik unter der Bezeichnung „Arbeitsschule" aufgetauchte Schultypus, über den jetzt anscheinend die Ansichten ziemlich geklärt sind, eine segensreiche neue Aera im Erziehu igswesen herbeiführen dürfte, wurde von einsichtsvollen Geistern schon zu einer Zeit, als sich die Pädagogik ndch nicht mit ganzer Wucht auf dieses Problem geworftn hatte, erkannt. Zu diesen, der Entwicklung der Gesamtheit voraneitenden Geistern zahlte auch unser, 1Ö05 iu Hannover verstorbener / Br. M o r i t z A. S i m.o n, Sein Beruf un3 seine Tätigkeit im öffentlichen Leben hatten ihm einen klagen Blick für die gesamten sozralcn Verhältnisse unserer Zeit verliehen. Ganz besonders beschäftigte ihn die Umgestaltung der gewerblichen Schichtung der deutschen Juden. Der Umstand, daß diese vorwiegend im Handel und iu den gelehrten Berufen tätig sind, ist zwar geschichtlich leicht erklärlich, aber unter den jetzigen Verhältnissen nicht nur untunlich für sie, sondern auch schädlich. Simon war einer der ersten, der dies erkannte und in Wort und Schrift, aber auch in der Tat für eine Aenderung eintrat. Ganz richtig folgerte er, daß diesem Uebelstaude nur durch Erziehungsmaßnahmen von unten herauf entgegenzuwirken sei. Auf seine Veranlassung hm entstand in Ahlem, vor den Toren Hannovers, eine Erziehungsanstalt, die den Lieblingsgedanken ^des Gründers, die Heranbildung jüdischer Jünglinge zu Handwerkern, vorzüglich im Gärtnerberufe, verwirklichen sollte. Dem Gartenbau und der Handfertigkeit wurde darum von Anbeginn breiter Raum gewährt. Simon durfte noch erleben, daß di^E ersten Zöglinge dieser Anstalt ins praktische Leben traten, ihrem Berufe auch außerhalb Ahlems größtenteils treu blieben und in selbständiger Stellung oder als Angestellte zur Zufriedenheit wirken. Nicht in letzter Linie sind diese erfreulichen. Ergebnisse der vorzüglichen und bewährten Anstaltsleitung zuzuschreiben. Der Direktor, Br. Silberberg, und mit ihm seine gleichstrebenden Mitarbeiter haben in Ahlem einen Geist gepflegt, der in keiner Weise an die bisherige, muffige Anstaltsluft erinnert, und so die Grundbedingungen dafür geschaffen, daß hier sich ein gesundes Geschlecht entfalten kann. Dieser Erfolg war für Simon ein Ansporn zu weiterem Tun. Der Beweis für die Möglichkeit der Verwirklichung seiner Idee war erbracht. Nach dem Tode Simons ergab sich, daß er sein } einige Millionen betragendes Vermögen beinahe gänzlich für eine Stiftung bestimmt hatte, die sich ganz in denr Dienst seines Lieblingsgedankens stellet sollte. Nachdem diese Stiftung die/ königliche Genehmigung gefunden hatte, konnte ihr Vorstand und Geschäftsführerdazu übergehen, den letzten Willen ihres .Schöpfers in die Tat umzusetzen. Neben der Unterstüteung von Schulen, Anstalten, Vereinigungene und Einzelpersonen, die sich im Sinne des Verstorbenen betätigen, sucht die Stiftung durch Errichtung ven speziellen Anstalten ihre Ziele zu fördern. So erwarb sie in Gemeinschaft mit gleichstrebenden Organisationen in Steinhorst ein Landgut, das sie zu einem Lehrgute umgestaltete, in welchem jüdische Jünglinge zu Landwirten herangebildet werden sollen. Die Erfahrungen, die bis jetzt hier gemacht wurden, sind günstige. Die zweite Gründung der Simon'schen Stiftung ist das Seminar für Gartenbau u n d Handfertig k e i t i n Pe i n e. In der fruchtbaren Ebene zwischen Hannover und Brauuschweig, ' ungefähr 20 Minuten von der betriebsreichen, etwa 20000 Einwohner zählenden Stadt Peine entfernt, gab der preußische Fiskus der Stiftung ein 50 Morgen großes Gelände unter günstigen Bedingungen in Eibbau. Hier erhebt sich nun seit Jahresfrist die anmutig gebaute und zweckmäßig eingerichtete Anstalt nebst ihren Wirtschaftsbauten. An sie schließt sich eine großangelegte Plantage, die, wenn erst einmal die große Zahl der Obstbäume tragfähig ist, nicht nur