Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1914-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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sind M. 3236 zusammengekommen, wofür auch noch an dieser Stelle gedankt wird. Der Vermögensstand unserer Loge stellt sich w. f.: Logenfond am f. 10. 1913 M. 509,40. Witwen- und Waisenfond M. 5130; Krankenpflegefond M. 2978,95. Ferner besitzen wir zur freien Verfügung des jeweiligen Präsidenten seit kurzem einen Spezialfond, der allerdings erst M 107,25 groß ist. Es wäre jedoch zu wünschen, daß auch dieser Fond weiter aufgefüllt wird, damit der Präsident in der Lage ist, eine dringende Not schnell zu lindern. Rechnen wir noch unser Inventar zu dem bereits herabgesetzten Betrage von M. 1S93 dazu, so ergibt sich ein Vermögensstand von M. 10618. Ich schlief Je mit dem Wunsche, da i i sich dieser Betrag bis zu unserem 25 jährigen Stiftungsfeste noch verzehnfache!' möge, damit die Michael Sachs-Loge noch mehr wie bisher dem höchsten Prinzip der Ordensidee, der Wohltätigkeit, dienen könne. Moritz Tichauer, Schatzmeister. Bücherschau. J. EI bogen: Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung. (Schriften herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Verlag Gust. Fock. 1913. Ein grundlegendes Werk, dessen Bedeutung hier nicht einmal angedeutet werden kann. Zunächst wird der jüdische Gottesdienst beschrieben, darauf tolgt die Darstellung der Entwicklung, d e das Gebetbuch genommen hat bis auf die Neuzeit, in der die Reformbeu e»ung heftige Kämpfe wegen der Gestaltung des Gottesdienstes hervorrief. Hieran schlielit sich ein Abschnitt über die Organisation des Gottesdienstes, Synagogen, Gemeinde und Beamte, und gottesdienstlichen Vortrag. Das streng wissenschaftliche Buch ist leicht geschrieben und für Laien gat zu lesen. Curt Nawratzki: Die jüdische Kolonisation Palästinas, eine volkswirtschaftliche Untersuchung ihrer Grundlagen. Verlag Reinhard, München 1914. In einer eingehenden Studie wird hier das umfangreiche Material über die Kolonisation Palästinas gesammelt und bearbeitet. Ausgehend von den wirtschaftlichen Gründen der heutigen jüdischen Kolonisationsbewegung, beschreibt der Verfasser zunächst die Landesverhältnisse Palästinas, stellt dann die Geschichte der jüdischen palästinensischen Kolonien und Städte und ihre augenblickliche Lage dar, um zum Schluß die kulturellen Zustände der dortigen Juden zu erörtern. Alles in objektiver Form mit zahlenmäßigen Belegen. Das Buch bietet jedem Freunde der palästinensischen Kolonisationsbestreburigen außerordentlich viel Interessantes und Wissenswertes. Eduard König: Das antisemitische Hauptdogma. V erlag Marcus & Weber, Bonn 1914. Der Antisemitismus treibt auch Wissenschaft. Er benutzt die recht zweifelhaften Resultate der modernen Bibelkritik, um seine Rassevorurteile nachträglich zu begründen. Weil in alter Zeit auch nichtsemitische Stämme in Palästina lebten, sei die Bibel nicht semitisches Gut. Da ein Unterschied zwischen Juda und Israel bestand und die Propheten die Sünden des Volkes geißeln, seien , die Juden schon damals schlechte Menschen gewesen, die das ihnen 'stammfremde Israel ausbeuteten. Weil Galiläa heidnisch durchsetzt und der christliche Re^jrionsstifter das jüdische Gesetz nicht streng befolgte, sei bewiesen, daß er kein Jude gewesen sei. Diese Thesen beleuchtet der bekannte Theologie-Professor König. Streng wissenschaftlich geht er jeder Einzelheit dieser Behauptungen nach, beweist ihre völlige Haltlosigkeit und erkennt rückhaltlos die welthistorische Bedeutung der Juden für die Religion an. Daß er dabei seinen eigenen konservativchristlichen Standpunkt zugrunde legt, ist selbstverständlich. Befremdlich wirkt der diplomatische Schluß, in dem halb und halb zugegeben ist, daß inbezug auf die heutigen Vertreter Israels, die Antisemiten im Rechte sind. Eine Stelle aus dem Talmud, nach der man die Abtrünnigen bekämpfen soll (Aboda sara26ab . wird in mißverständlicher Ueber3etzung gegeben ohne die Forlsetzung, in der selbst der Abtrünnige als Bruder bezeichnet wird. Im übrigen muß man dem Verfasset1 für die wissenschaftliche Bekämpfung des Antisemitismus dankbar sein. Rudolf Leszynskv. Staerk, Prof. D. Dr. W., Jüdisch-Aramäische Papyri aus Elephantine. Sprachlich und sachli :h erklärt. Zweite verbesserte Auflage. Preis 1,30 M. Staerk, Prof. D. Dr. W., Aramäische Urkunden zur Geschichte des Judentums im V. und VI. Jahrhundert vor Chr. Sprachlich und sachlich erklärt. Prets 0,60 M. Staerk, Prof. D. Dr. W, Alte und neue aramäische Papyri. Uebersetzt und erklärt. Preis-2 M. — Sämtlich im Verlage von A. Marcus & E. Weber, Bonn. Die in diesen drei kleinen Schriftchen bearbeiteten Dokumente gehören zu den inte'ressantesten Objekten neuester jüdfscher Geschichtsforschung'. Seitdem sie vor etwa zehn Jahren aus ihrem mehrtausendjähngen Schlummer in einem anscheinend unterirdischen Archiv auf der Nilinsel Elephantine in Oberägypten erweckt und ausgegraben worden sind, haben sie eine außerordentlich große Anzahl von Ferschern beschäftigt und bereits eine ganze Literatur gezeitigt. Ein großes Stück jüdischer^eschichte, das in vollkommenes undurchdringliches Dunkel gehüllt war, ist vor unseren erstaunten Blicken zu neuem Leben erstanden. Glaubte man bis vor kurzem der fast einstimmigen Behauptung der Forscher, daß die bei der Zerstörung des ersten Tempels nach Aegypten geflüchteten Juden, die Jeremia -wider seinen Willen mit sich dahin gebracht hatten und von ihm verwünscht worden waren, im Heidentum untergegangen und verschollen seien, so erkennt man nunmehr mit Staunen und Bewunderung, wie zäh und stark sie in ihrer oberägyptischen Abgeschiedenheit an ihrem Väterglauben und ihrem Gotfe festgehalten haben — trotz starker Versuchung, den Einflüssen der Umgebung zu erliegen. In den ..jüdisch-aramäischen Papyri aus Elephantine'- bietet Prof. Staerk zehn juristische Urkunden aus dem Archiv der zur persischen Militärkolonie daselbst gehörenden vornehmen israelitischen Familie des Machseja bar Jedonja. deren Schicksale wir durch mehrere Generationen