Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1914-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4864325-6029080-6074250--1685-4865801- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wir haben uns wiederholt mit der Frage der Hebung des Logenbesuches beschäftigt und in der praktischen Beantwortung derselben des öfteren Vorträge und Referate halten lassen. Außerdem haben wir Zeitungen und Zeitschriften in den Lo^enräumen ausgelegt, femer eine Bibliothek geschaffen, die heut 130 Bände jüdischen und allgemeinen Inhalts faßt, und schließlich haben wir versucht, die Frauen für das Logenleben zü interessieren. Unsere Frauen haben sich lebhaft und mit großem Interesse an den Diskussionen beteiligt, die durch Vorträge in offener Loge hervorgerufen wurden; sie haben selbst das Podium bestiegen und seinerzeit den Antrag des Mitteldeutschen Logenverbandes verfochten. Trotzdem wurden der Gründung einer Schwesternloge erhebliche Schwierigkeiten bereitet und nur den fortgesetzten Bemühungen unseres sehr bewährten Br. Expr. Dr. Alfred Goldschmidt und seiner Gattin ist es zu - danken, daß wir seit Mai 1912.eine Sehwesternloge besitzen, die noch gefestigter zu werden verspricht. Innerhalb unserer Loge haben sich einige Brüder durch ihre Bemühungen ganz besonders hervorgetan. Besonderen Dank sind wir unserem Br. Münzer schuldig, der sich 10 Jahre lang als Beamter in den Dienst unserer Loge gestellt hat; auch andere Brüder haben 4 und 5 Jahre lang Logenämter bekleidet. An der Krankenschwestern-Institution hatten wir nur kurze Zeit Anteil, da sich keine Notwendigkeit für einen dauernden' Unterhalt einer' jüdischen Krankenschwester am hiesigen Platze ergeben hat. Vom geistigen Leben innerhalb unserer Loge ist zu erwähnen: Fast ein jeder unserer Brüder stellte sein bestes Können in den Dienst unserer Loge und berichtete über das, was ihn von Logen wegen interessierte und wozu er seitens der Loge verpflichtet war. Frageri, die den Orden und unsere Loge unmittelbar betrafen, wurden hier selbstredend am häufigsten erörtert. Aber auch sonst wurden wir durch Vorträge und Referate über die verschiedensten Gebiete jüdischer und allgemeiner Literatur, Kunst und Geschichte unterrichtet und mit Männern, die Bedeutendes für unseren Orden und für die Allgemeinheit geleistet haben, bekannt gemacht. Von unserer Gesamttätigkeit während der verflossenen 10 Jahre müßte man wohl sagen, daß wir etwas Wesentliches nicht geschaffen haben, wir haben aber andererseits auch als Gemeinschaft nichts Wesentliches erlebt. Aber für jeden einzelnen von uns bedeutet die Loge ein Erlebnis; wie sehr dies empfunden wird, das läßt sich natürlich nicht in Worten ausdrücken, das kinn nur jeder selbst fühlen. Ich möchte mit dem lebhaften Wunsche schließen, daß unsere Michael Sachs-Loge sich empoarbeite zu einer gefestigten starken Gemeinschaft, daß sie eine zuverlässige Säule werde an dem edlen Bauwerke unseres gel. Ordens, dem wir allezeit in Treue angehören wollen. Hubert Markiewitz, prot. Sekretär. * ■ (Aus dem Berichte des Schatzmeisters.) Die Einnahmen unserer Loge in den. verflossenen 10 Jahren betrugen insgesamt M. 45303, von denen M. 4861 für Großlogenbeiträge, Monatsberichte etc. nach Berlin abgeführt wurden. Unter den Ausgabe-Posten finden wir weiter M. 1857 für geistige Interessen, M. 4051 für Mobiliar und anderes Hausgerät, M. 1 680 für Geselligkeit und M. 929 für Delegationen nach auswärts; diese beiden letzten Posten dürften wohl zu denken geben, in welcher Weise hierin noch zu sparen wäre. Den Tendenzen unseres Ordens entsprechend waren die Ausgaben, die für wohltätige Zwecke- Verwendung fanden, nächst den Großlogenbeiträgen, die größten; ich habe im ganzen M. 2 983 für Unterstützungen verbucht gefunden. Außer den wohl in den meisten Logen üblichen Beihilfen für Ahlem, Weißensee, Pankow, Bezalel, Arbeitsnachweis der Berliner Logen, Soldatenheim Metz u. s. f. subventionierten wir das Kinderheim in Jastrzemb, das Kattowitzer Arbeitsamt und tragen mrt den anderen oberschl. Logen zur Erziehung und Ausbildung einer Pogromwaise bei. Zu diesen nach auswärts gelangten Unterstützungen kommen noch einige Ausgaben für lokale Zwecke So bewilligen wir seit einer Reihe von Jahren dem hiesigen jüdischen 'Frauen- und Jungfrauen-Verein eine Beihilfe für die Chanukka - Eitibescherung armer Kinder sowie für das Chanukka-Kinderfest. Wir beteiligen uns an der Versorgung armer Volksschulkinder mit warmem Frühstück; dem hiesigen jüdischen Jugendverein stellen wir unsere Räume kostenlos zur Verfügung und gewähren ihm außerdem noch eine finanzielle Beihilfe. Ein Schüler des * Lehrerseminars sowie ein Realgymnasiast erhalten einen Zuschuß zum Schulgeld. Von den am Eingang meiner' Ausführungen genannten Einnahmen ist natürlich der allergrößte Teil durch die regelmäßigen Beiträge unserer Brüder, aufgebracht; aber auch durch freiwillige Spenden, die die 1. Brüder bei freudigen und bei den leider' auch nicht ausbleibenden traurigen Anlässen gegeben haben,