Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1914-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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dadurch angeregt und angefeuert werden, auch ihrerseits nicht untatig -zu bleiben. Vielleicht wäre es angebracht, daß auch unsere Präsidenten die Einrich-. tung der" Pittsburger. Loge nachahmten und die Brüder am Schluß jeder Sitzung zur Gewinnung neuer Mitglieder aufforderten.; Würde ein jeder Bruder bemüht sein, im Lau-fe eine's J_.ah.r;«s nur "ein einziges Mitglied seiner^ L'oge zuzuführen-, so könnte rj'e Mitgliederzahl jährlich um das Doppelte wachsen. Und *enn es" .nur dertHälfte der Brüder gelänge, je einen Bruder dem Orden zuziHühren, so wire auch in diesem Falle der * - -— n Zuwachs ein beträchtlicher. Heine hat än^.eHier Stelle das paradoxe Wort 'gebraucht: „Blühendes Sterben". Auch bei uns könnte der Tod* Blüten treiben, wenn wir auf die Mahnung des Gedächtnisbuches achteten und uns bemühten, die Grausamkeit des Todes zu mildern durch Zuführung junger Kräfte, die das Wachsen und Blühen •unseres Bundes beförderten. Ich möchte diese Ausführungen mit den Worten Jes Bruders aus Pittsburg schließen : „Werbet members, werbet members, werbet members!" Das jüdische Landerziehungsheim Steinhauserberg bei Schwelm. Die Fragen der Erziehung stehen heute im Mittelpunkt der öffentlichen Teilnahme. Unsere wirtschaftlich so differenzierte Zeit, in der sich eine Umbildung der gesellschaftlichen Gliederung vollzieht, ijbt einerseits einen ungünstigen Einfluß auf den wichtigsten Erziehungsfaktor, die Familie aus; anderseits werden an unsere Jugend in geistiger Hinsicht Anforderungen ■gestellt, die eine äußerste Zusammenfassung und Anspannung aller Kräfte erfordern Am meisten leiden unter den obwaltenden Verhältnissen diejenigen Knaben, die in körperlicher oder geistiger Hinsicht nicht den Ansprüchen des Lebens gewachsen sind. EJei den letzteren sind wieder die intellektuell Schwachen im engeren Sinne, außerdem aber die Charakter- und Willensschwachen in den Kreis besonderer Fürsorge zu ziehen. Dazu kommen noch die Ueberbürdeten, schulmüden, nervösen und -rätselhaften Knaben. Es gibt nun eine ganze Reihe bedeutender Anstalten, die sich bemühen, und mit Erfolg bemühen, im Verein mit der Kunst der Aerzte und den Erfahrungen der Heilpädagogik, solche Knaben körperlich, geistig und seelisch zu fördern. «Dazu ist vor allem nötig, die betreffenden Kinder in durchaus einfache, vom Geiste liebevoller Erziehungskunst durchdrungene, tunlichst ländliche Umgebung tu bringen. Sodann muß eine eingehende Beobachtung des körperlichen "und geistigen Zustandes durch den Arzt und den Pädagogen statthaben und auf dieser nunmehr gefundenen Kenntnis der körperlichen und seelischen Eigenart des Zöglings die Erziehung sich aufbauen. Wenn nach dem Pädagogen Salzmann Erziehung in der Entwicklung von Kräften besteht und Kerschensteiner behauptet, daß Erziehung nichts anderes sei als die unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsgemeinschaft sich von selbst gestaltende, nur in die richtige Bahn zu lenkende innere Kraft des Kindes, dann ist es bei den Schwachen vor allem notwendig, die Grenzen und die Entwicklungsmöglichkeiten dieser Kraft zu kennen und zu untersuchen, inwieweit dieselbe in die richtige oder falsche Bahn gelenkt ist. Bisher fehlte es an einer Anstalt jüdischen Charakters, welche dieser Notwendigkeit Rechnung getragen hätte. Es unterliegt nun gar keinem Zweifel, daß es notwendig ist, gerade solche Kinder in jüdischem Milieu heranwachsen zu lassen. Mögen in christlichen Anstalten auch Einrichtungen jüdischen Charakters (rituelle Küche) vorhanden sein, stets werden sie innerhalb dieser Anstalt, die als Erziehungsanstalt in sittlich-religiöser Hinsicht auf dem Boden des Christentums stehen muß, mehr oder minder als Fremdkörper empfunden werden. Vor allem aber fehlt diesen Anstalten der sittlich-religiöse jüdische Geist,der dem Leben seinen Stempel aufzudrücken hat, und es mit jüdischen Idealen erfüllt. In Erkenntnis dieser Tatsache wurde von Menschenfreunden in Schwelm in Westfalen ein jüdisches Landheim gegründet.*) An einem der landschaftlich schönsten Punkte des Bergischen Landes, 20 Minuten von der Straßenbahnhaltestelle der Linie Barmen—Schwelm entfernt, in wunderbare Waldungen eingebettet, liegt das Anstaltsgrundstück. Prachtvolle, wohlgepflegte Anlagen ziehen sich bis Schwelm und Barmen hin. Das Anstaltsgebäude, ein einfaches, schlichtes Landhaus, dessen innere Einrichtung absichtlich jedes Prunkes entbehrt, jedoch wohltuende Harmonie und bis in die kleinsten Teile der Einrichtung boden- •) Das Landheim verdankt Br. Willi Mayer-Schwelin sein« Gründung, der «in hervorragend schönes Grundstück in uneigennützigster Weise zur Verfügung gestellt hat. Die Oberleitung liegt in der Hand unseres Br. Direktor SilberhergAhlem;~als Erziehungsinspektor ist Herr Alfred Oo'rdon, ein sehr tüchtiger und gewissenhafter Mann, mit bestem Erfolge tätig. Das Red.-Korn.