Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1914-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4864325-6029080-6074250--1683-4865799- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ständige Natur- und Lebensfreude ausstrahlt, mit allen sanitären Einrichtungen ausgestattet, dient zur Aufnahme der Zöglinge. Der geräumige Turn- und Spielplatz bietet reichlich Gelegenheit zu Sport und Gymnastik; die gedeckte Veranda, die einen entzückenden Ausblick in das Wuppertal gewährt, bildet den ständigen Aufenthaltsort der Zöglinge bei schönem Wetter; Brause- und Wannenbad befinden sich neben den Schlafräumen. Die Anstalt besitzt ein großes Gelände, das zu einem Schulgarten angebaut ist, dortselbst erhalten die Zöglinge die vorbereitende Anleitung zur Tätigkeit in freier Natur. Der Schulgarten ist die Grundlage der Arbeits- und Lebensgemeinschaft zwischen Erzieher und Zögling. Um auch eine den Schwachen angemessene berufliche Ausbildung zu ermöglichen, besitzt die Anstalt außer dem Schulgarten eine etwa 31 Morgen große Anstaltsgärtnerei, die Gemüsebau, Schnittblumen-,Gewächshaus- und Mistbeet pflanzungen, Baumschulen und Obstgarten umfaßt. Jeder Zögling erhält ein Ar Land zur eigenen Bearbeitung. Der Unterricht umfaßt zwei Klassen. Die Elementarklasse bezweckt die Erzielung einer allgemein logischen Bildung auf streng persönlicher Grundlage. Er umfaßt Deutsch (Anschauung, Lesen, Aufsatz, Diktat), Rechnen und Raumlehre, Botanik, Chemie, Lebenskunde, Turnen, Religion, Geographie, Zeichnen, Schönschreiben, Handfertigkeit. In der Fortbildungsklasse erhalten diejenigen Zöglinge Unterricht, die in der Gärtnerei beschäftigt sind. Er umfaßt täglich zwei Stunden, ist durchaus auf beruflicher Grundlage aufgebaut und soll die Zöglinge anleiten, ihre Arbeit zu vergeistigen. Er findet statt in folgenden Fächern: Religion, Botanik, Geologie, Leberiskunde, Anschauung, Geographie, Diktat, Aufsatz, Geschäfts- Aufsatz, Rechnen, Raumlehre, Turnen, Gartenzeichnen, Schönschreiben, Buchführung, Literatur. Am Samstag und an israelitischen Feiertagen arbeiten unsere Zöglinge nicht. Da das Leben in der Anstalt einen durchaus familiären Charakter hat, wird großes Gewicht darauf gelegt, die Feier des Samstags und der Feste nach altjüdischer Sitte auch im Kreise der Familie zu begehen, um vor allem den Zauber der religiösen Weihe und Erbauung auf die Knaben wirken zu lassen und das Gemüt zu erheben. Besonders wollen wir betonen, daß gerade für die Schulmüden und Nervösen ein kurzer Aufenthalt in unserer Anstalt genügt, um ihre Willenskraft zu stärken und ihre Nerven zu kräftigen. Für diese Knaben ist es empfehlenswert, sie kurze Zeit ganz und gar in unserer Anstalt erziehen zu lassen, dann bieten wir ihnen die Möglichkeit, in der am Fuße des Steinhauserberges gelegenen Realschule verbunden mit Realgymnasium dem regelmäßigen Unterricht zu folgen, und dennoch die Vorteile der ländlichen und systematischen Erziehung genießen zu können. Wir glauben, daß eine geregelte Lebensweise, eine streng persönliche Behandlung, eine innere Ruhe und sanfte Harmonie atmende Umgebung und eine durchaus psychologisch aufbauende L'nterrichtsweise die grundlegenden Faktoren sind, äuf welchen sich eine erzieherische Beeinflussung aufzubauen hat, welche die Möglichkeit derGesundung intellektuell, ethisch und in ihrem Willensleben schwacher wie auch nervöser Knaben gewähren soll. Solche Knaben zu glücklichen, brauchbaren Gliedern der menschlichen Gesellschaft zu machen, ihnen innere Kraft und selbständige Persönlichkeitswerte zu geben, ist das Ziel des Landheims. Aus dem Büro der Großloge. Zwei für das Logenleben überaus bedeutungsvolle, Sitzungen haben in letzter Zeit in Berlin stattgefunden, über die ausführliche Protokolle den w. Logen demnächst zugehen werden." Hier sollen sie nur kurz registriert werden. Die eine Sitzung fand am 31'. Januar d. J. statt, zu der dasGemeinsame Komitee der vier BerlinerLogen nebst deren Präsidenten auf Anregung des geschäftsführenden Ausschusses der Großloge die Berliner-Brüder ein-, geladen hatte. Die ■ Veranlassung zu diesem außergewöhnlichen Berliner Logen tag bildeten die religiösen und politischen Kämpfe, die gegenwärtig innerhalb der Judenheit toben und den Bestand des Judentums erschüttern. Wenn auch der Parteihader bis jetzt vor Jen Pforten unserer Logen Halt gemacht nat, so konnte doch die Großloge an ihm nicht achtlos vorübergehen; wurde sie doch von den einzelnen Parteien gedrängt, Stellung nach der einen oder der anderen. Richtung zu nehmen — Der geschäftsführende Ausschuß hat daher diese' genieinsame $itzung der vier Berliner' Logen angeregt, um durch eine eingehende Aussprache in einer großen Versammlung von Brüdern über die Aufgaben des Ordens zu prüfen, ob die Wahrung Strengster N e u t r a I i tat in politischen und religiösen Fragen nach wie vor F u n d a m e n t a r g e s e t z des O r den B n e i LI'.''' i ä '•; ■ ß r i s s in D eil t s c h I au d sein und bleiben, solle. '•'.'■*•.