Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Verbände der Fruuenuereinisunsen der U.O.B.B. Losen.? i f Artikel und Bericht» aus dem. Verbände stehen unter Verantwortung der Redaktion der Monatsberichte der Grossloge; f f Manuskripte für Einsendungen die unter dieser Rubrik erscheinen sollen, werden jedoch zuvoran die Adresse ton % Frau Julie Salinger Qresien-A., Cabelsbergerstr. 20. erbeten Neujahrsbetrachtung. Das beginnende bürgerliche Neujahr zwingt auch uns, einen Augenblick stillezuhalten, zurückzuschauen auf Erreichtes und Erstrebtes und die Gedanken auf ein fernes Ziel zu richten. Wir Frauen innerhalb der Logen mit unserem erwachten sozialen Gewissen haben uns mit der festen Überzeugung zusammengeschlossen, daß die Arbeit unserer Gatten, Brüder und Söhne einer Ergänzung durch die weibliche Wesensart bedarf und wir sind uns einig in dem Gedanken, unsere Mitarbeit so auszubauen, daß sie als ein Faktor, mit dem gerechnet werden muß, in den Logen gewertet werden soll. Die organisierte Frauenbewegung ist unsere Lehrmeistern! gewesen. Sie hat nicht nur unser soziales Gewissen erweckt, sie hat uns auch den Wert der Organisation erkennen gelehrt. Aber die Zeiten,'in denen die Frauenbewegung stürmend und drängend forderte, in denen sie von „Befreiung" sprach und mit großen Worten für die Menschenrechte der Frau eintrat, sind längst vorüber. Sie hat'die Brausejahre der Jugend überwunden, deren Kraft aber behalten. In der schweren Konkurrenz der Geschlechter und der wirtschaftlichen Zustände hat sie gelernt, daß nur Leistungen einen Anspruch auf Rechte gewähren. Denn die Frau ist in den wirtschaftlichen Organismus hineingestellt worden und sie hat sich durch Leistungen ihren Platz darin erobert. Iii Industrie, Handel und Landwirtschaft, in der Kommune, in der Schule und in den verschiedensten Behörden arbeiten Millionen von Frauen Schulter an Schulter mit den Männern. Es wäre eine Unmöglichkeit für die Volkswirtschaft, sie heute von ihrem Platz auch nur fortzudenken. Getragen durch die Frauenbewegung haben wir so eine feste Stellung im Wirtschaftsleben errungen, aber es ist die Aufgabe geblieben, unsere Leistungen immer mehr in den Rahmen der Allgemeinheit einzupassen. Wie energisch und bewußt dieses Ziel verfolgt wird, beweisen die sozialen Einrichtungen der Logenfrauenvereine, wie Wöchnerinnen-, Mütter- und Mädchenheime, Kinderhorte, die Mitarbeit an den Ferienkolonien u. dergl, mehr, beweist die zielbewußte Arbeit des jüdischen Frauenbundes, beweist das 20jährige Jubiläum der Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit, das ebenfalls 20jährige Bestehen und die starke Verbreitung der Rechtsschutzarbeit für Frauen;-zeigen die Erfolge in der Handwerkerirrnenfrage, uo gleiche Vorbildung und gleiches Recht auf Führung, des Meistertitels für Mann und Frau erreicht ist, und zeigen mannigfache Erfolge der Frauenarbeit im Dienste der Kommunen. Diese hier nur flüchtig skizzierte Arbeit auf sozialem, ethischem und beruflichem Gebiet soll und wird uns helfen, auch die alten Formen innerhalb des Ordens zu überwinden, ohne dessen kulturelle Errungenschaften aufzugeben, und gemeinsam mit den Brüdern neue Formen zu finden, die sich allmählich und organisch aus den bestehenden entwickeln werden Dann wird auch hier Raum geschaffen sein für etwas, was die Frau bis vor kurzem nur selten sein konnte: die freie Persönlichkeit. ' . Julie Salinger. Mädchenheime. Arbeit heißt die Parole der Gegenwart und weder Mann noch Frau kann sich ihrem Zwange entziehen. Unablässig sind wir darum bemüht, neue Wege zu finden, um unserer weiblichen Jugend neue Erwerbs¬ und Bildungsmöglichkeiten zu eröffnen. Kaum liegt die Schulzeit hinter ihnen, treibt es sie hinaus, namejnt- lieh aus den kleinen Städten und Dörfern, dem Berufsleben, der Großstadt zu. - Welcher Umschwung im Jungniädchenleben! — Gestern noch ängstlich behütet von zärtlichen Mutteraugen und den engen Traditionen der Kleinstadtsitte, heute unvermittelt hinaus in die. Freiheit selbständigen Handelns gestellt. Aber wo nicht Zügellosigkeit das Kraftgefühl der Selbstverantwortlichkeit ablöst, zeigen sich die sich fremd fühlenden jungen .Mädchen bald niedergedrückt von dem Sehnen nach einer liebevollen Umgebung, nach dem gewohnten Gedankenaustausch mit teilnehmenden Menschen Denn die Berufstätigkeit soll sie wohl stark und frei machen, soll und wird ihnen aber nicht ihre weibliche Eigenart rauben. Deshalb brauchen diesejungen Menschen einen sittlichen Halt, einen Wegweiser für ihr innerliches Leben. Diesen Zweck erfüllen in der besten Weise die„Mädchenheime". Eine in den Jahren 1906 und 1907 von mehreren Vorstandsmitgliedern der Frauenvereinigung der Frankfurt-Loge durchgeführte Enquete hat gezeigt, wie schlecht zum großen Teile die jungen, im Berufsleben — 13 —