Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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nach dieser Richtung hin auch nicht die leisesten Unzuträglichkeiten herausgestellt: die Freistellen, die wir an Kinder unbemittelter Volksschichten gewährten, haben nach unserer Ueberzeugung im Sinne unserer Ordensideale Segen gestiftet Freilich haben diese Freistellen unsern Etat so belastet, daß wir mit einem Defizit von M. 658,56 abgeschlossen haben; doch wird diese Unterbilanz durch die Anschaffungen .von Möbeln, Wäsche, Geschirr' im Betrage von M. 2097,74 hinreichend erklärt. Dieses Defizit wird von den Logen des Nordostdeutschen Logenverbandes mit 25% der von ihnen gezeichneten Garantiesumme aufgebracht werden müssen. Aber nicht nur durch Deckung dieses Defizits wird sich, darauf vertrauen wir, das Interesse unsere^ Logen an dieser jüngsten Logengründung bekunden, sondern auch dadurch, daß sie uns für den Ausbau unserer Institution laufende Mittel zur Verfügung stellen werden. Die Unterbringung unseres Heims in Mietsräumen hat doch so viele Unzuträglichkeiten gezeitigt, daß wir schon jetzt an die Erwerbung einer dauernden Unterkunftsstelle ernstlich denken müssen Dank der ganz außerordentlichen Opferfreudigkeit der Brüder der Borussia-Loge stehen uns bescheidene Kapitalien für diesen Zweck schon zur Verfügung; wir hoffen zuversichtlich, daß auch die übrigen Logen unseres Verbandes und weit darüber hinaus auch andere, an jüdischen Wohlfahrtsgründungen interessierte Kreise «As die Mittel gern gewähren werden, sobald die noch schwebenden Verhandlungen sich zu einem festen Vorschlag verdichtet haben werden. All diejenigen, die unser bisher so hochherzig gedacht, sowie alle künftigen Gönner, dürfen unseres innigsten Dankes gewiß sein. Aus Amerika. XXXVIII. Die vorliegenden Nummern unseres Bundcs-Organs, der „B'n a i B'r i t h N e w s", verzeichnen einen Rückblick auf-die Leistungen des Ordens in den zehn Jahren, die nunmehr seit dem Hinscheiden unseres verewigten Ordenspräsidenten Leo N. L e v i ver strichen sind. Die wichtigsten Schöpfungen sind: Das Leo N. Levi-Gedächtnis-Hospital in Hot Springs (Arkansas), der Arbeitsnachweis in Chicago, das Waisenhaus in Los Angeles (Californien), die Schwachsinnlgen-Anstalt in Beelitz, das Jaffas'che Fürsorgeheim in Charlottenburg, die Jugendschriftenkommission der rt Großloge des deutschen Distrikts, die Mädchenschule in Jassy (Rumänien), die Toynbeehallen in Wien, Berlin, München und Frankfurt a. M., die Fürsorge für die Pogromwaisen in Berlin, die Beteiligung an den internationalen Bestrebungen zur Bekämpfung des Mädchenhandels, der Verband der Arbeitsnachweise in Deutschland, die Gründung einer Großloge und mehrerer Tochterlogen im Orient. Der Blick auf die Logen in der Türker und Bulgarien erfüllt nicht nur die Ordensleitung sondern auch den gesamten Orden mit freudigem Stolze. Was haben die Brüder dieser verhältnismäßig jungen Logen während und infolge des Balkankrieges geleistet! Die Tätigkeit der Konstantinopel-Loge, die sich nicht bloß auf die unter den Nöten des Krieges leidenden Glaubensgenossen erstreckte; sondern auch den leidenden Muselmanen zugute kam, hat die freudigste Anerkennung seitens der" türkischen Regierung gefunden, in deren Namen der Finanzminister ein herzliches Dankschreiben an den Großrabbiner der Türkei, Nah um Effendi, gerichtet hat. In einer Privataudienz dankte der Sultan dem Großrabbiner noch besonders für die seitens der türkischen Juden bewiesene patriotische Hingebung sowie für die von den ausländischen Juden den Türken zum Ausdruck gebrachte wohlwollende Gesinnung. Die Konstantinopel - Loge hat sich auch die Rückbeförderung der jüdischen Flüchtlinge in ihre Heimat angelegen sein lassen. 2100 Glaubensgenossen harren noch in der türkischen Hauptstadt des Zeitpunktes, da ihnen die Hochherzigkeit der Loge die Rückkehr nach ihrer bulgarischen Heimat ermöglichen wird*; die bulgarische Regierung kommt übrigens den bezeichneten Hilfsbedürftigen durch Stellung von Sonderzügen zu den billigsten Preisen entgegen. Die türkische Regierung hat den Juden der vom Kriege besonders schwer heimgesuchten Landesteile auf mehrere Jahre Steuerfreiheit und Befreiung von der Wehrpflicht zugebilligt. Für die jüdische Jugend der Hauptstadt hat die Loge jetztden Kindergarten „Bnei Briss" eröffnet, den bereits 170 Zöglinge besuchen, die aus 700 angemeldeten Kindern ausgewählt wurden; die Aufnahme einer größeren Schülerzahl war infolge der beschränkten Geldmittel der Loge diesmal unmöglich. Da der spanische Jargon als Umgangssprache der türkischen Juden, die sich auf ihre türkische Nationalität besonnen haben, heutzutage nicht mehr in Frage kommt, so ist in dem Kindergarten neben der türkischen Sprache das Hebräische als Umgangssprache eingeführt worden.