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Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1914-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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ist. Die Familien sind wahrlich zu zahlen, die unter uns noch mit christlichen Familien in Verkehr stehen. Nicht den geschäftlichen Verkehr meine ich, sondern den rein menschlichen, den freundschaftlichen der Familie. Und nun bedenke man, welche Schädigung die Unbemittelten unter uns noch dadurch erfahren, daß sich die Bessersituierten von ihnen absondern. Hier hat unser Orden ejne humanitäre Aufgabe von hoher Bedeutung auszuführen. Ich will die Frage nur anrühren: ob wir nicht überhaupt gut tun würden, eine verminderte Beitragsduote bei" unverminderten Rechten für minder Leistungsfähige einzuführen. Aber mit allem Nachdruck möchte ich den Gesichtspunkt hervorheben, daß wir unsere großartige Wohltätigkeits- und Fürsorgepflege dahin erweitern mochten: die verschiedenen Stände unter uns, wie die verschiedenen Grade der .Bildung, so auch die des Besitzes und des Erwerbes zu einem sozialen Einvernehmen in Elementarformen des- Verkehrs unter uns zu bringen. Der Höhere wird wahrlich dabei nichts einbüßen: die kräftige Pflege der Humanität bringt niemals Schaden. Und der Niedrigere wird nicht nur in seinem Selbstgefühl gehoben und auch dadurch zum religiösen Kampfe gestählt, sondern er wird auch geistig wachsen, und demgemäß auch in seinem ganzen äußeren Verhalten und in der Darstellung seiner Persönlichkeit feiner und edleh werden. Es ist zwar ein schlimmes Vorurteil, daß wir in unseren Sitten und in unserem äußeren Gebaren roher und ungezogener wären, als die allgemeine Landessitte es zuläßt: vielmehr igt-es nur die äußere Schablone, in welcher Differenzen bestehen mögen. Immerhin jedoch sind wir in allen unseren Schichten zur Verfeinerung der Verkehrsformen erwacht, da ist es denn eine besondere Obliegenheit für uns, an diesem Ausgleich der sozialen Gegensätze unsere ganze Kraft und Ausdauer zu versuchen. Wir werden von den anderen lieblos zurückgestoßen: wir alle, ein jeder in abgestufter Weise nach seiner Berufslage. Unter dieser allgemeinen Lieblosigkeit hat der Aermere aber am meisten zu leiden.' Uebernehmen wir denn, stiften wir diese neue Art von gemiluth chesed, daß wir unseren niederen Schichten die Bruderhand reichen, um ihr Niveau zu erheben. Wir werden für uns selbst nicht weniger dabei gewinnen. Endlich der dritte Punkt, der es am wenigsten vertragen kann, nur in Andeutungen bedacht zu werden. Wir standen soeben unter dem.Bem'sprozeß. Dies ist eine alte Not, die eine größere Schande für die Urheber ist, als ein Unglück für uns. Aber wir stehen vor einer neuen. Die Universitäten haben ihr Qastrecht für unsere russischen Brüder aufgehoben. Sie haben dies getan, wo Menschenpflicht und alte deutsche Humanitätsgesinnungsie verpflichten müßte, das Gastrecht zu verwandeln in ein Asyl recht Hier stehen wir vor einer Aufgabi, die an die erste ägyptische Not erinnert. Die Ausflucht des Platzmangels, dem so leicht durch administrative Maßregeln und Einschiänkungen abzuhelfen wäre,wird vorgeschoben. Zu solcher Grausamkeit ist der Nationalismus bereits entartet. Die Wissenschaft, die die Gemeinschaft der Völker ebenso verkündet, wie sie ihrer als ihres Lebense'ementes bedarf, sie wird dem Universalismus entrückt und in das zweideutige Joch nationaler Selbstsucht eingespannt. Wie kann es anders werden? So darf man * ,f hier nicht fragen. Alle Organisationen, die unter uns ins Leben, getreten sind, müssen zusammenwirken, um diese große Frage tu beraten.' Sie muß zur Lösung gebracht werden. Denn wir dürfen diesen . mächtigen großen Teil unseres Glaubensbundes nicht geistig absterben und veröden lassen. Hier würde unserem Orden eine große Aufgabe zufallen, wenn er es auf sich nehmen wollte, alle' unsere Organisationen zusammenzurufen zu'der einen Tagesordnung: Beratung über die Mittel, welche zu ergreifen sind., um die jüdische Ausländersperre an den Universitäten zur Äufhebungzu bringen. Wenn irgendwo das Wort gilt, so hier: „Es liegt dir nicht ob, die Arbeit zu vollführen, aber du bist .nicht frei, dich ihrer zu entledigen." Unsere Rundfrage betr. „jüdische Eugenik". Der „Sonderausschuß für geistige Interessen" studiert zurzeit bekanntlich das Problem der „jüdischen Eugenik"; dessen Wichtigkeit immer schärfer sich herauskristallisiert Um einen ungefähren Anhalt zu bekommen, was bisher in dieser Beziehung von den einzelnen Logen geleistet wird, wandten wir uns im Juli d. J. an sie mit einer Rundfrage; wir baten um Aufzählung und Benenung aller Vereine, Einrichtungen und Bestrebungen, die in jenem Sinne gefördert werden:

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