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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-12-01 · Nr. 13 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 13 - Dezember
Date
1913-12-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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soll nicht nach dem Lohn fragen, und doch ist es ein tiefer, unermeßlicher Segen, der aus freiwilliger, selbstloser Pflichterfüllung quillt. — Der Mensch, der immer nur an sich denkt, kann den Segen des Lebens nicht empfinden, ihm geht jene tiefe Dankbarkeit gegen das Leben ab; ein Mensch aber, der in. die sozialen Verhältnisse hineingeschaut hat, weiß seine einfachsten Gaben zu schätzen, er lernt-das Leben in seiner Gesamtheit begreifen und mit diesem weiteren Blick wird er fähiger, einen Platz im Leben auszufüllen, wo er schaffen und wirken kann. Dieser Platz, an dem die Persönlichkeit des Weibes sich am besten entfalten kann, ist die Ehe, und wenn es uns auch schmachvoll dünkt, wenn das junge Mädchen auf die Ehe bezw auf den Mann wartet: eine Schande ist es gewiß nicht, im Gegenteil — es ist notwendig und wichtig, daß die jungen Mädchen sich auf die Ehe vorbereiten. Wenn, wie ich schon vorher sagte, die einseitig ästhetische Ausbildung leicht dazu führt, unzufriedene, untüchtige Frauen hervorzubringen, die schlechte Gattinnen und noch schlechtere Mütter sind; wenn man unter Persönlichkeit die Geschlossenheit und tiefe Verschmelzung der äußeren Lebensverhältnisse mit dem inneren Menschentum versteht, so kann nur die Frau, deren Dasein schon vor der Ehe Sinn und Inhalt gehabt hat, im wahren und höchsten Sinn Frau und Mutter sein. Und ist dieses „Frau und Mutter sein" nicht immer noch das Ziel, dem das heranreifende Weib, auch das sich als selbständige Persönlichkeit fühlende, zustrebt? — Zwar wandten sich viele weibliche Wesen, als die Frauenbewegung gewissermaßen in ihrer Sturm- und Drangperiodfc war, beinahe feindselig von den alten Idealen ab. Nicht Weib sein: Arbeiterin, geistig Schaffende zu sein, schien das höchste Ziel! — Im Taumel der neuen Begeisterung wollten die Frauen mit gierigen Händen die geistigen Schätze aufraffen; und häufig verloren sie den Maßstab, schätzten das, was den Frauen vorenthalten worden war, zu hoch ein; ihr altes angestammtes Reich erschien ihnen viel wertloser und die Grenzen dieses Reiches eng und klein. — Und so suchten die neuen Frauen ihre Ideale außerhalb des Hauses, wo sich ihnen weitere Möglichkeiten der Betätigung boten, suchten außerhalb der Häuslichkeit die Erweiterung und Vertiefung des Ichs und fanden — im unbesiegbaren Liebesdrang des weiblichen Herzens — in der sozialen Arbeit die ersehnten größeren Aufgaben. Auf diesem Entwicklungswege aber näherten sie sich, durch die Entfaltung des mütterlichen Wesens, die alle soziale Arbeit im Gefolge hat, fast unbewußt wieder ihrem von der Natur gegebenen Beruf. So kommt mir oft die Frauenbewegung wie ein Eisenbahnzug vor, der in einer Spirale einen Berg umfährt und wieder an derselben Stelle, aber auf einem höheren Punkte anlangt. : « Nachdem jene einseitige Wertschätzung geistigen Schaffens überwunden war, lernten die Frauen durch die soziale Arbeit, wie wertvoll die mütterliche Seite des weiblichen Wesens für die menschliche Gesellschaft ist. — Sie erkannten die Wechselbeziehungen ^on Gesellschaft und Familie, Familie und Gesellschaft; sie hatten aus Volkswirtschaft und Pädagogik gelernt und erkannt, daß die Frau als Erzieherin der Kinder, Trägerin der kommenden Generation, mehr geistige und seelische Kräfte nötig hat. Die soziale Arbeit hat die Frauen den Wert auch der kleinsten Arbeit schätzen gelehrt, hat das Selbstbewußtsein der Frauen als kulturträgerinnen gehoben, hat ihren Wirkungskreis erweitert, indem sie ihn vertieft hat. — Ihr im Dienste der andern gestähltes Pflichtbewußtsein ist allen Frauen, und jeder einzelnen, die soziale Arbeit leistet, die beste Vorbereitung zum nicht immer leichten Amt der Hausfrau, Gattin und Mutter. — Das Wort „Charity begins at home" — „Die Betätigung der Nächstenliebe beginnt im eigenen Hause" gewinnt und verliert gleichzeitig seine Bedeutung. Vor der Ehe sich Pflichten suchend, diß der menschlichen Gesellschaft nützen, findet sie in der Ehe einen Teil der menschlichen Gesellschaft, einen Mikrokosmos, eine Welt im kleinen. Und da zu dem Verantwortlichkeitsgefühl noch die Liebe hinzutritt, wird es ihr nicht schwer werden, selbstische Wünsche zu unterdrücken. Sie, die durch die Frauenbewegung gelernt hat, ihre Ehre darein zu setzen« einen Beruf voll und ganz auszufüllen, wird ihren Frauen- und Mutterberuf so ernst nehmen, daß er ihr zwar eine Arbeit, aber auch eine Lust ist; sie wird ihre Zeit für zu kostbar halten, um sie zu vertändeln, und durch den Einblick, den sie in menschliche Verhältnisse getan hat, den Wert des Geldes und.die Arbeit des Mannes, Werte zu schaffen, zu würdigen wissen. So wird das im guten Sinne moderne Mädchen und auch die moderne Frau und Mutter nicht, mehr jenes nachsichtig belächelte, verwöhnte Wesen sein, dem man jede Dummheit und Laune verzeiht, weil es nur ein Weib ist, sondern ein abgeklärter Mensch, von , dem man die höchsten Leistungen verlangt, eben weil es Weib ist und als solches — eine Persönlichkeit! Recha Weil. ]■ \ — . ■ v. -j :

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