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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-12-01 · Nr. 13 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 13 - Dezember
Date
1913-12-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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An dieser Steife sprechen die Frauen. Eine Wandlung im Denken, in der Anschauung hat sich vollzogen — nicht von heute und gestern. Die Frauen sprechen mehr und man spricht mehr von den Frauen. Und es sind — entgegen einem alten und veralteten Wort — nicht die schlechtesten Frauen. Auch die letzte Großlogentagung gibt Zeichen der Wandlung in den Anschauungen, trotzdem die Frauenfrage im Orden noch vertagt worden ist Somit schreitet alles fort — auch die Frau im Orden. Das Red.-Kom. Das Ringen nach Persönlichkeit. i Ansprache bei derGeneralversammlungder „Jugendgruppe" begr. von der Frauenvereinigung der „Frankfurt-Loge".) Bald wie ein leises Flüstern bald — wie mächtiges Rauschen — tönt es durch unsere Zeit. Im Herzen jedes denkenden Menschen, besonders aber in der Seele der Frauen ist eine Sehnsucht erwacht nach der tieferen Ausgestaltung des „Ich", ein Drang, alle Bildungsmöglichkeiten zu erschöpfen, ein faustisches Sehnen, das gesamte Welterleben in der eigenen Brust zu empfinden. Die noch ungeklärte Frauenseele wird von einem ewigen Unbefriedigtsein beherrscht, das den Typus der unverstandenen Frau. geschaffen,, deren egoistischem Aesthetentum wohl ein moderner Dichter Interesse und Verständnis entgegenbringen kann, die aber nicht dazu taugt, Gefährtin eines in Wirklichkeit und Erwerbsleben stehenden Mannes zu sein, geschweige denn die Mutter von Kindern, die dazu fähig gemacht werden sollen, einem nicht immer leichten Leben die Stirn zu bieten und es in Fröhlichkeit und Arbeitsfreude zu ertragen. Nun will ich gewiß nicht sagen, daß die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit immer zu ästhetischer Lebenstremdheit führen muß; es gibt Naturen, denen Ausgestaltung der Persönlichkeit noch anderes bedeutet: viel wissen und viel können, ausnutzen der Arbeitskraft — und diese führt die Ausgestaltung ihres Lebens meist zu einem Punkte, der jener egoistischen Selbstherrlichkeit entgegengesetzt ist: zum Dienste an der Gesamtheit, zur sozialen Arbeit Wenn ich bei meinem Thema: „Das Ringen nach Persönlichkeit" eigentlich nur an das Ringen der Mädchen und Frauen gedacht habe, so kennzeichnet dies vielleicht am besten den Zug der Zeit. — Der Mann von heute ist — im Sinne meines Themas — sozusagen problemlos, er hat schon sein Gepräge und ist, wie die Zeit ihn erfordert: voll Wirklichkeitssinn und Tatkraft. Wie anders aber ist es bei der Frau, bei der wachgewordenen Frau! — In ihr Dasein sind neue Anforderungen getreten, denen sie gerecht zu werden trachtet, Anforderungen von innen und von außen, und am stärksten sind wohl die von innen, die sie sich selbst stellt, jene fruchtbare Unzufriedenheit, die die Mutter des Fortschritts ist. All' jene Fragen und Probleme fassen wir in das eine Wort: „Frauenfrage" zusammen. Handelte es sich wohl anfangs darum, jenen, die keine Ehe schlössen, einen Wirkungskreis und die Ausnützung wertvoller Kraft zu verschaffen, so ist heute die Frauenfrage allen denkenden Mädchen und Frauen gemeinsam. Dem Mädchen, das darauf angewiesen ist, sein Brot selbst zu verdienen, haben sich die mannigfaltigsten Berufsmöglichkeiten aufgetan. Dem jungen Mädchen der begüterten Stände bietet sich Studium und Beruf, wenn Unabhängigkeitsgefühl und Freiheitsdrang es ihm wünschenswert machen, nicht auf den Mann zu warten. Den Mädchen aber, die keinen Beruf wählen, ist doch der Sinn vergangen für das Blumendasein einer höheren Tochter, und sie sind es, die einerseits sich ganz der Ausbildung ihres geistigen Ichs widmen, andererseits in der sozialen Arbeit Erhebung und Befriedigung finden. Viele aber stehen noch an der Grenze und wissen nicht, was sie wählen sollen. Ein Goethe'scher Vers sagt: Wenn Du auf dem Outen ruhst, Nimmer werd' ich's tadeln; Wenn Du gar das Gute tust: Sieh, das wird Dich adeln. Und ist nicht jener nur betrachtende und genießende Standpunkt, den so viele Menschen zur modernen ' Kultur einnehmen, indem sie von Kunst und Wissenschaft den höchsten Seelenadel erwarten, ein „auf dem Guten Ruhen"? Aber der große Lebenskenner stellt das „Gute tun" doch hoher. „Wenn Du gar das Gute tust, sieh, das wird/Dich a d e 1 n." — Ein Mensch, der das Güte tut,

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