Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 12 - November II
- Date
- 1913-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Aussprachen und Anregungen sind für uns die Hochschulvorlesungen\ Aus ihnen sollen wir beherzigenswerte Lehren und zweckentsprechende Winke schöpfen, die Richtlinien für-die weiteren Aufgaben und Ziele unseres Distriktes. Darum mögen unsere Repräsentanten vorsichtig in ihren Ausführungen sein, ihre Worte auf die goldene Wage le^en, damit kein Mißverständnis, kein Irrtum, keine Irrlehre entstehe.' Wir liaben _dk Großlogenta'gungen als eine Art Hochschule bezeichnet uad es vermieden, sie ein Parlament zu nennen. Und dies nicht ohne Absicht. Wohl spricht man im Leben von parlamentarischen Regeln, von parlamentarischem Anstand und parlamentarischen! Ton. Damit soll die vornehme Weise ausgedrückt werden, in der in einem Parlament die Debatten und Verhandlungen sich zu bewegen haben. Allein wir. haben in letzter Zeit_ in den Parlamenten selbst hochzivilisierter Länder ufer- und fruchtlose Debatten erlebt, gereizte Parteireden gehört, die weniger geeignet waren, das Wohl des Volkes zu fördern, als den Frieden der Gesamtheit zu gefährden. Nicht ein Parlament soll unsere Grolllogentagung sein, sondern ein geweihtes L e h r h a u s, ein Tempel; der Boden, auf dem "Sich die Repräsentanten zur Beratung zusammenfinden,, ist ein heiliger; geheiligt durch brüderliche Gesinnung, durch wohltuende Harmonie, durch beglückende Eintracht. Wollten wir damit etwa sagen, daß die Großlogönversammlung die Berichte und Referate andächtig entgegenzunehmen hat, um darauf ohne jegliche Debatte ihr Amen zu sprechen? Nichts weniger als dies. Wir wollen ja mit unseren Tagungen keine Schaustellungen inszenieren, vielmehr gegenseitige Belehrung herbeiführen; den höchsten Beamten des Ordens die Direktive für ihre Verwaltung, den Logen Anregung für ihre Arbeit geben, und darum ist das Kritisieren und Debattieren unumgänglich notwendig. — Infolge der Kritik auf der letzten Großlogentagung sieht beispielsweise der diesmalige Finanzbericht in kaufmännisch-technischer Beziehung übersichtlicher aus; infolge der Kritik ist auch die Krankenschwesternsache mit Erfolg reorganisiert worden und hat einen vielverheißenden Aufschwung genommen. „Den Streit der Meinungen", sagt Lazarus in seiner Ethik, „soH man nicht scheuen; er ist die notwendige Folge der Individualitätr aber man soll trachten, ihn zum Ziele der U e b e r e i n s t i m m u n g zu führen." Kritik und Aussprache wirken befruchtend und belebend; nur muß jeder, der zu Worte kommt, sich als dienendes Glied des Ganzen fühlen, dem er sich unterzuordnen hat. „Der einzelne soll das Ganze ala/ety System ineinanderwirkender Krüfte erkennen." w('SÖr feingeschliffene Sinnspruch unseres Philosophen Smiß auf der Tagung der Großloge jedem Vertreter stets vor Augen stehen. Dann werden die Brüder wohl mit Entschiedenheit für ihre Ansicht und ihre Ueberzeugung eintreten, aber ohne Schärfe und Herbheit, sondern stiavittT in modo, sodaß kein Stachel, kein Groll im . Herzen des Gegners zurückbleibt. * . ■ * Die hebrrische Sprache hat für die Begriffe Versammlung und Fest dieselbe Bezeichnung, nämlich das Wort moed. Damit will wohl die heilige Sprache andeuten, daß jede Versammlung zu einem Feste werden kann, wenn die Teilnehmer sich bemühen, in ihren Debatten einen vornehmen, verbindlichen Ton anzuschlagen, der dem Herzen wohltut; die zur Versammlung Berufenen, sie allein vermögen eine Festesstimmung zu erzeugen. Und so wünschen wir, daß die diesjährige Großlogentagung, die als 20.ordentliche Sitzung das Schlußglied der zweiten Dekade bildet, und die außerdem durch den kürzlich stattgehabten 70. Geburtstag unseres Ordens (13. Oktober) noch eine besondere Weihe erhält, zu einer stimmungsvollen Feier, zu einer erhebenden Festversammlung werden möge, getragen von hoher Begeisterung, vornehmer Würde und herzerquickendem Gemeinsinn. Mögen die Brüder Freude an den Beratungen haben; mögen sie dann, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, die Festesstimmung fortwirken lassen, die sie hier empfunden, an die Anregungen denken, die sie hier empfangen haben; mögen sie das Leben in ihren Logen befruchten und unablässig an den Hochzielen unseres Bundes arbeiten, damit der Orden bleibe für immerdar ein unzerstörbares Bollwerk für das Judentum, ein treuer Hort für die Schwachen und Bedrängten! In diesem Sinne rufen wir den w. Repräsentanten und Stellvertretern sowie den lieben Brüdern auswärtiger Distrikte zu: Herzlich willkommen zur zwanzigsten Groß logentagung im deutschen Distrikt! Das verschleierte Bild zu Sais. „Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld: Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein." Das ist das trübe Resultat der Wahrheitsforschung des Jünglings, den „des Wissens heißer Durst nach