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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-11-01 · Nr. 12 - November II · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 12 - November II
Date
1913-11-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Sais in Aegypten" trieb, „der Priester geheime Weisheit zu erlernen". Nach Wahrheit dürstet's. „den ungeduldig Strebenden, und kaum besänftigt ihn der Hierophant". Was aber ist Wahrheit? „Ein verschleiert Bild von Rjesengröße"! Wer mit ungeweihter, schuld'ger Hand den heiligen verbotenen Schleier hebt, „der--sieht die Wahrheit"! „Ein seltsamer Orakelspruch"! Doch trennt nicht nur „ein dünner Flor — gar leicht für eine Hand", gewichtiger hindert noch — „und zentnerschwer für ein Gewissen — das Gesetz"! Den Jüngling aber treibt „des Wissens brennende Begier", raubt ihm den Schlaf. Zum Tempel führt ihn „unfreiwillig scheuer Tritt". „Was willst du tun?" — so rufi's in ihm. „Verstehen den Allheiligen?"— Doch Wahrheitsdrang ist stärker als Gebot. Der Jüngling hebt den Schleier. Was zeigte sich? ---„Besinnungslos und bleich — so fanden am anderen Tag die Priester am Fußgestell der Isis ausgestreckt" den Wahrheitssucher. Was er gesehen, was erfahren, hat seine Zunge nie bekannt. Doch war „auf ewig seines Lebens Heiterkeit dahin, ein tiefer Gram riß ihn zum frühen Grabe". „Weh dem", dies war sein warnungsvolles Wort, wenn ungestüme Frager in ihn drangen, „weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld,: sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein". So lehrt die Religion. Des Jünglings nie ausgtplauderte Weisheit — das ist die Weisheit, gehüllt ins Symbolum der Göttin Isis. Und ihre Deutung? — Religion setzt ihre Grenzen für die Glückserträglichkeiten des Menschen — des Gattungsmenschen. Wer ihre Grenzen überschreitet, sieht mehr, aber er hat sich vergangen — gegen das Gesetz. Er ist ein Schuldiger — und büßt sein Wissen mit tiefem Gram, der ihn zu frühem Grabe führt. So lebt auch Adam — nach der Religionsvorgeschichte mit Eva im Paradiese in sorgenloser Unschuld und Nacktheit —. in Unwissenheit dahin. Nachdem er vom Baume der Erkenntnis den Apfel gegessen, den die Schlange als aller Sünden Quell durch die Hand der Frau ihm geboten, wird er wissend, schuldig. Die Sünde ist durch die Erkenntnis in die Welt gekommen. Was lehrt nun das Leben? Das Glück und die Unwissenheit der Jugend, das Glück der Jugend durch die Unwissenheit, den jugendfrohen göttlichen Leichtsinn durch die N i c h tj erkenntnis. Und weiterhin zeigt es uns ständig mehr mit reifenden Jahren die Schönheit der Welt und daneben die grauenvolle Nacktheit, das ewige Leid der Menschheit, die große jammervolle Not, den „großen ewigen Streit" den Riß, der durch die Menschheit geht. Und die Schuld . — das Leben selbst! Dem Denker ist auf ewig „des Lebens Heiterkeit" — im Sinne jugendfroheri Glückstaumels—dahin. — * Solche „Erkenntnis" läßt uns die wundervollen Worte Fritz Reuters verstehen : „De grötste Kunst tor den'n, dei 'ne Minschenseel trecken will, besteiht dorin, dat hei so lang as mäglich, de harte Fust von dat weike Hart afwehrt, bet dat ok irst harter worden is, un wenn denn de snöde Griff ok weiher deiht, vel weiher, de smutzigen Fingermalen drücken Sick doch nich so deip in't Hart, dat bether noch nicks nich wüßt hett von den groten ewigen Strid."*), Und welche „Lösung" zeigt uns unser „Wahrheitsdrang", unsere „Wahrheitsforschung"* unsere „Erkenntnis"? Nicht die ganze Lösung! Sie finden auch wir durch das tiefste Wissen und Forsehen nicht. Der Jüngling vor dem Bilde der Göttin hat sie auch uns nicht verraten. Die Lösung des „großen ewigen Streites" will auch uns nicht glücken, nur - wenig und doch viel — seine Milderung. Die „Erkenntnis" des Lebens lehrt uns die Güte und Ba r m h e r z i g k e i t, nicht im leeren All, sondern in der Men'schenbrust suchen und so dai Göttliche finden i Wir alle sind Glückbringe r, wenn-wir versuchen, Leid zu m.üdern. Welche Glückssteigerung aber wäre möglich, wenn ein jeder, der es vermöchte, sich an dem gemeinsamen Werke beteiligte! — - L Solch' Glückbringer ist der Orden. Ich grüße die Großloge.! Dr. Alfred Goldschmidt. Tages-Ordnung für die Großlogensitzung Sonnabend den 22. November 1913, abends 7 Uhr präz., Sonntag den 23., evtl. Montag den 24. November 1913. 1. Eröffnung der Sitzung (Geschäftliche und persönliche Mitteilungen). * , 2. Bericht des Komitees zur Prüfung der Mandate. i Die größte Kunst für denjenigen, der eine Menschenseele erziehen will, besteht darin, daß er so lang als möglich die harte Faust von dem weichen Herzen abwehrt, bis daß es erst härter geworden-ist, und wenn dann der schnöde Griff auch weher tut, viel weher, die.schmutzigen Fingermale drücken sich doch nicht so tief ins Herz, das bisher noch nichts gewußt hat von dem großen ewigen Streit. - •■T' .i

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