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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-11-01 · Nr. 11 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 11 - November
Date
1913-11-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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der verschleppten Mädchen. Die größte Zahl dieser unglücklichen Mädchen sind Jüdinnen, die aus Rußland fast durchweg mit falschen Pässen versehen sind. Da liegt die Gefahr vor, daß die russischen Mädchen von der russischen Regierung nicht aufgenommen werden und somit der Prostitution wieder überliefeit werden. Andererseits werden solche Mädchen, mit dem sittlichen Makel behaftet und gekennzeichnet, selbst wenn sie von Rußland und Rumänien wieder aufgenommen werden, oder wenn sie nach Galizien ohne Hindernis / zurückkehren, keine geordnete Existenz finden und notgedrungen demselben Elend verfallen. Es ist nicht zu verkennen, daß bei der Repatriierung viele Härten den Mädchen durch die niederen Polizeiorgane zugefügt werden können. In Erwägung aller dieser Möglichkeiten, und um noch Traurigeres von den unglücklichen Personen abzuwenden, ist unser Vertreter vor der Brüsseler internationalen Konferenz (Okt. 1912) nach London gefahren, um sich mit dem englischen jüdischen Komitee zu beraten. Sein Ziel war, zu bewirken, daß die Repatriierung nicht als ein politischer Akt behandelt werden soll, sondern einzig und allein als ein Akt der Fürsorge. Und wir haben mit Befriedigung zu konstatieren, daß derGrundsatz der auf dem Kongreß in London gefaßten Resolution der der Fürsorge ist. Wir haben dabei die kräftige Unterstützung unseres / Br. Morftefiore gefunden. Es soll kein Zwang zur Heimbeförderung angewandt werden, die Mädchen sollen durch eine autoritative Fürsorgedame beraten werden. Diese beiden Errungenschaften sind von der Großloge angeregt und erreicht worden. Nach Schluß des Kongresses in London fand eine Versammlung der jüdischen Teilnehmer des Kongresses bei Br. Montefiore statt, in welcher viele wichtige Gegenstände besprochen wurden. Es wurde eine festere jüdische Organisation gewünscht. Bereits April 1910 auf der internationalen jüdischen Konferenz in London ist der Vertreter der ^Gfoßloge für einen festeren Zusammenschluß jüdischer Organisationen zur Bekämpfnng des Mädchenhandels mit vollem Nachdruck I eingetreten. Aber es wurde nicht beliebt. Mittlerweile hat man sich von der Notwendigkeit einer festen Verbindung überzeugt und wird jetzt der Sache näher ireten. Dann wurde die Heimbeförderung verschleppter jüdischer Mädchen besprochen und Garantien für eine milde, fürsorgliche Behandlung gefordert. Ferner hielt man es für dringend geboten, Frauen als Vertrauenspersonen auf den Schiffen zu haben mit der Aufgabe die reisenden Mädchen zu überwachen. Die bestehenden jüdischen Vereine in Osteuropa zum .' V. i — 1' Schutze der Mädchen sollen mehr wie bisher unterstützt werden. Die Lehrer und Lehrerinnen sollen dafür gewonnen werden, die jüdischen Volksschichten in Osteuropa aufzuklären. Eine demnächst einzuberufende Konferenz großer jüd. Organisationen und Persönlichkeiten soll über diese Materie Beschlüsse fassen und in die Wege leiten. — Reichliche Arbeit für die nächsten Jahre wird die Großloge haben. Die Großloge hat in dieser Sache bisher eine führende Stellung gehabt und sie wird weiter arbeiten müssen. Inzwischen wurde die Aufmerksamkeit der Großloge auf die schauerlichen Zustände in Konstantinopel in Bezug auf Mädchenhandel durch Berichte unseres Br. Berge! und viele .Brüder der Orient-Loge gelenkt. Eine übergroße Zahl von Bordellen, alle in jüdischen Händen, überall nur jüdische Mädchen. Türkische Frauen dürfen sich nicht prostituieren, sie werden streng bestraft; um die ausländischen Frauen kümmert sich die türkische Regierung nicht. Die Großloge des Orients hat sich bereit erklärt, die Abschaffung dieser üblen Zustände in die Hand zu nehmen und hat unsere Hilfe erbeten. Wir haben uns dieserhalb mit dem Hilfsverein und dem englisch-jüdischen Komitee in Verbindung gesetzt und die Zusicherung der Mitarbeit erhalten. Unser Vertreter hat auch Gelegenheit genommen, mit dem Chacham Baschi N a h u m (Oberrabbiner in Konstantinopel) bei seiner Anwesenheit in Berlin darüber eingehende Rücksprache zn nehmen. Ein energisches Einschreiten seinerseits wurde zugesagt. Es sollen zunächst zuverlässige Informationen auf Grund eines Fragebogens eingeholt werden. Die Fragen betreffen die Feststellung der türkischen Gesetze und Verordnungen in dieser Sache, Zähl der Händler und Mädchen, Angaben von Mitteln zur Bekämpfung, Möglichkeit von Fürsorge-Einrichtungen für gerettete Mädchen. Die Enquete hatte bereits begonnen, als der Krieg ausbrach und die Arbeit lahmlegte. Wenn die Verhältnisse in der Türkei sich beruhigt und gefestigt haben, wird die Arbeit wieder 'aufgenommen werden. - Maretzki. Gesamtarchiv der deutschen Juden. In den Berichtsjahren 1911; 1912,. 1913 sind die Sammlungen des Gesamtarchivs um die Aktenbestände von mehr als 100 Gemeinden (darunter Berlin) bereichert worden. Dazu kam in größerem Umfange als 3 — '/ •!'.. •■ -;. v.

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