Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1913-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Silberhochzeit die Glückwünsche des Heims übermittelt, das aus diesem Anlaß Zuwendungen erhielt. Ebenso brachten wir dem stellvertretenden Vorsitzenden, Br. Justizrat Kuznitzky, anläßlich seiner Silberhochzeit unsere Glückwünsche dar. Im Dezember W12 wurde einer unserer Zöglinge anläßlich seiner Konfirmation von den Herren und Damen der Verwaltung reich beschenkt. Auch der Mädchen wird bei Vollendung ihres zwölften Lebensjahres gedacht durch ansehnliche Geldspenden für die Sparkassenbücher. Wie immer fand auch in den letzten Jahren eine Chanukafeier statt, die recht eindrucksvoll und erhebend verlief. Gemäß § 5b unserer Satzungen werden gegenwärtig im Laufe eines Jahres zwanzig Jahrzeiten von uns begangen. Die Angehörigen erhalten eine schriftliche Benachrichtigung und Einladung zum Ja h rzeitsgottesd ienst. j Das Vermögen des .Jaffaheims, das sich zusammensetzt aus dem Eisernen Fonds und verschiedentlichen Stiftungen, beträgt zurzeit ca. 120 OOOM., worauf 4800 M. Zinsen zur Verrechnung kommen. Außerdem betrugen die Jahresbeiträge inkl. Logenbeiträge pro .1912 ca. M. 16 000, aus welchen Beträgen die Ausgaben des Heims bestritten werden. Zur Vergleichung mögen folgende Zahlen dienen: Jahresbeiträge: Pro 1911 M. 12 019,35, pro 1912 M. 13 690,35, pro 1913 M. 14 534,05.; Logenbeiträge: pro 1911 M. 2185, pro 1912 M. 2570, pro 1913 M. 2385. Dr. Grünthal. Russische Waisen. Die Berichte über die russischen Waisen sind fortlaufend günstig. Die Kinder, die noch auf der Schule sind, machen gute Fortschritte und gehören zu den Ersten in der Klasse, wie sich unser Präsident bei seinem vorjährigen Besuche in Hamburg,, wo er sich die Pogromkinder vorführen ließ, persönlich überzeugen r konnte. Die älteren Kinder, die die Schule bereits verlassen und einen Beruf ergriffen haben, erfreuen sich ebenfalls — bis auf eine unrühmliche Ausnahme — der Zufriedenheit der Dienstherrschaft resp. ihrer Meister. Für die älteren Kinder werden»wir bemüht sein müssen, Pässe auf die Dauer von mehreren Jahren zu beschaffen Solange nämlich die Kinder in der Schule sind, resp. sich in den Waisen- und Erziehungsanstalten befinden, legt ihnen die Polizei kerne Schwierigkeiten in den Weg. Anders gestaltet sich die Sache, wenn die KinderderSchule entwachsen sind.da werden die Kinder von der Polizei, insbesondere von der preußischen, mit der Ausweisung bedroht. Aus dem Grunde streben wir jetzt an, Pässe von längerer Dauer für die Pogromwaisen zu erhalten. Allerdings sind solche Pässe nicht billig, da die Taxe pro Jahr und Paß-70 M. beträft. Dazu kommt noch, daß wir bei einer Erneuerung der alten Pässe die Paßgebühr von 20 Rubel — etwa50 M. — pro Jahr seit 1906, seit der Uebernahme der Pogroinkinder durch uns, für jedes Kind nachzahlen müßten. Die Frage ist nun, ob es sich lohnt, diese grolien Geldopfer zu bringen, da doch die Kinder in Deutschland nur schwerlich bleiben können. — Diese Empfindung haben die* Kinder selbst. Und wohl aus dem Grunde, z. T. aber auch weil sie jenseits des großen Teiches verwandtschaftlichen Anhang besitzen, -sind bereits 8 russische Waisen nach Amerika ausgewandert, wo sie gut vorwärts kommen. Interessant ist dabei die Tatsache, daß ein junger Mensch dem anderen zur Erlangung einer Existenz, in der neuen Welt behilflich ist. Dieses -gilt besonders von den „ehemaligen" Ahlemern. Eine gleiche Anzahl von Kindern, die in Rußland Verwandte und Bekannte hatten, sind dorthin zurückgekehrt; die hier erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten kommen ihnen zu statten. Da wir den Pogromkindern hier keine neue Heimat schaffen können, wäre zu erwägen, ob es nicht ratsamer wäre, die Kinder bald nach Absolyierung der Schule entweder nach Rußland zurückzusenden, wenn sie dort Verwandte haben, oder nach Amerika, um das Milieu, in welchem sie dann zu leben bestimmt sind, früh» zeitig kennen zu lernen, und die Anlagen und Fähigkeiten nach der Richtung zur Entwicklung zu. bringen. Am liebsten hätten wir es ja gesehen, wenn die Kinder etwa durch Adoption in Deutschland geblieben wären, allein bis jetzt ist nur ein Kind adoptiert worden. Bei dieser Gelegenheit wollen wir nochmals darauf aufmerksam machen, daß die Pogromkinder nach Absolvierung der Schule nur im Süden unseres Vaterlandes untergebracht werden können. Im Norden, insbesondere in den östlichen Provinzen wird ein '1 — " *. ' •' 2 - - ' ■ 5