Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1913-10-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4864325-6029030-6074227--1585-4865706
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ziehen ein Los und leiten das auf ihm verzeichnete Thema mit einer kurzen Rede ein. Der Fragekasten enthielt an einem Abend 22 solcher Fragen, von denen ganz besonders zwei eine lebhafte, stellenweise sogar erregte Debatte hervorriefen: „Glauben Sie, daß die Religion, wie unsere Vorfahren sie geübt haben, den Bedürfnissen des modernen Juden entgegenkommt?" und „Würden die heutigen Juden nach Palästina zurückkehren, wenn sie Gelegenheit dazu hätten?" An diesen Debatten beteiligten sich alle Anwesenden, so daß jedem nur zwei Minuten Redezeit gewährt werden konnten. Die Winnipeg-Loge verspricht sich von der Yeranstaltungderartiger Diskussionsabende einen so günstigen Erfolg, daß sie diese in unserm Bundesorgan allen Schwesterlogen zur Nachahmung empfehlen zu müssen glaubt.*) An diesem Meinungsaustausch haben sich, wie gesagt, auch die Damen beteiligt. Das kann uns nicht wunder nehmen, wenn wir bedenken, daß sich innerhalb der amerikanischen Logen eine starke Bewegung zu Gunsten der Aufnahme von Frauen geltend macht; hat doch die nämliche Frage vor einigen Wochen eine gemeinsame Sitzung der Missouri- und Ebn-Esra- Loge in St. Louis beschäftigt. Eine Beschlußfassung über diese Angelegenheit, die vermutlich auch die 1915 in San Francisco zusammentretende Konstitutions- Großloge beschäftigen wird, hat bisher in keiner Loge stattgefunden. Inzwischen hat die Lrrichtung eines Distrikts-. Waisenhauses in Erie (Pennsylvanien) insofern greifbare Gestalt gewonnen, als sich die Mc Keesport-Loge verpflichtet hat, eine von. den drei geplanten „Cottages" auf eigene Kosten zu bauen. Was eine Loge zu leisten vermag, wenn sie zielbewußt vorgeht, das zeigt die Loge in Los Angeles (Südkalitomien), welche für den Distrikt ein Waisenhaus erbaut. Bereits vierzehn Tage nach erfolgter Beschlußfassung mietete die Loge, ein dreistöckiges Haus, richtete es ein und eröffnete es am 1. Januar 1910 zunächst mit 5 Kindern. Die Mittel beliefen sich damals auf 7706 Doli, (heut auf 750 000 Doli.). Ein halbes jähr später konnten bereits 60^-70 Hilfsbedürftige aufgenommen werden, und nun ging man an den Erwerb eines eigenen Grundstücks. Da es auf diesem an einem geeigneten Spielplatz fehlte, so stellte die Stadtverwaltung den benachbarten Hollenbeck- Park zur Verfügung. Jetzt besteht das Waisenhaus •) Die Be mitiung eines'f rage käste n % in den Logen des deutschen Distrikts wurde vom Sonderaus-chuß in -einer letzten Sitzung empfohlen. Vgl. Beilage zur Juli-Nummer lijli, S. 44. I^S aus fünf Gebäuden mit großen Speise- und Schlafsälen, einem bei schlechtem Wetter zu benutzenden Spielsaal, einer Synagoge, einer Bibliothek' und geräumigen Unterrichts- und Versammlungssälen. An das Gebäude ist eine kleine Musterfarm artgeschlossen, die eine ausgedehnte Hühnerzucht, Gemüsegärten und Kuhställe besitzt. Die Waisenpflege seitens der amerikanischen Logen ist erstaunlich. So unterhält der 2. Distrikt ein Asyl für 500 Kinder in Cleveland (Ohio). Bei der letzten Großlogentagung für diesen Distrikt berichtete der Inspektor, Br. Dr. W o I f f e n s t e i n , daß der Gesundheitszustand dieser vielen Pfleglinge so günstig sei,1 daß innerhalb dreier Jahre kein einziger Todesfall zu beklagen war. Um die Jugend frühzeitig für die sozialen Aufgaben des Ordens zu gewinnen, machte es die Großloge auf der nämlichen Tagung den ihr unterstellten Logen zur Pflicht, die Kinder der Brüder zum Anschluß an den „Jüdischen Erziehungsbund" zu veranlassen, der die Versorgung der jüdischen Jugend mit Religionsunterricht und die Pflege von Waisenkindern bezweckt. In sechs Städten des Distrikts i bestehen bereits Zweigvereine dieses Bundes, in Evansville, Indianapolis, Louisville, Paducah, Cleveland und Yöungstown. Die Großloge wünscht, daß auch ih anderen Orten des Distrikts derartige Jugendvereine erstehen möchten, deren Mitgliedschaft gegen Zahlung von nur 1 Doli, jährlich erworben werden kann. . Aus den übrigen Verhandlungen der Großlogentagung, welche der Oberbürgermeister der Stadt Cansas City, Mr. Henry L. Jost, sowie der Ex¬ Gouverneur des Staates Missouri, Mr. Herberit S. H a d I e y , mit ihrer Anwesenheit beehrten, interessiert uns die Anregung, das Eintrittsalter der Kandidaten von 21 auf 18 Jahre herabzusetzen. Die Angelegenheit, die auf die zahlreich eingehenden Anmeldungen ganz junger Menschen zurückzuführen ist, wurde einer Kommission übergeben, die bei der nächsten Tagung Bericht erstatten soll. Aus dem der Großloge vorgelegten Bericht über das von sämtlichen amerikanischen Logen unterhaltene Tuberkulosenheim in Denver geht hervor, daß dies Institut — wie es sich rühmt - das „vollkommenste derartige Krankenheim der Welt" ist. Nicht genug, daß es in den vierzehn Jahren seines Bestehens 2356 Leidenden ihre Genesung ermöglicht hat, bleibt es in ständigem Verkehr mit den entlassenen Pfleglingen, läßt ihnen nötigenfalls auch fernerhin ärztliche Hilfe angedeihen, sorgt für Arbeit und gesunde Wohnung und ist ihnen mittelst eines Darlehnsfonds behilflich, ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.