Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1913-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Geschäft zu eröffnen, Patentlizenzen zu erwerben oder sich an einem industriellen oder kommerziellen Unternehmen zu beteiligen. Nach dieser ausgedehnten Fürsorge zu urteilen, hat der Bericht recht, wenn er sagt: „Keine Institution der Welt nimmt sich so lange und in so ausgedehntem Maße ihrer Pflegebefohlenen nach ihrer Entlassung an." Daß die Großloge sich auch mit der leidigen Frage der Judenkarikatur auf der Bühne beschäftigen würde, war vorauszusehen. Die Großloge mußte hierbei leider feststellen, daß vielfach Juden selbst an derartigen Verhöhnungen ihrer Glaubensgenossen Freude haben. Eine Verurteilung dieses Mangels an Selbstachtung war am Platze — nicht bloß in und für Amerika!*) In den Verhandlungsberichten der amerikanischen Logen und Großlogen nimmt das Ein wandererproblem einen breiten Raum ein. Jede Großloge i" hat eine,n Ausschuß, der sich mit der Weiterbeförderung einwandernderjuden nach den kleinen Städten und nach den der Ansiedlung harrendenGebieten beschäftigt. Diese planvolle Weitersendung zeitigt überaus günstige Ergebnisse; stellt doch der Ausschuß fest, daß von den 1500 Einwanderern, die nach Kansas City befördert wurden, nur ein,e einzige Familie die öffentliche Mildtätigkeit in Anspruch zu nehmen brauchte. Nachdem die, Balkankriege die Aufmerksamkeit , der Oeffentlichkeit auf Rumänien gelenkt haben, versuchen es die Juden aller Länder, eine mildere Behandlung ihrer rumänischen Glaubensgenossen zu erreichen. So erhob jüngst der „Verein rumänischer Juden" in -Philadelphia in einer großen Volksversammlung scharfen Widerspruch gegen die»Verletzung von Artikel 44 des Berliner Vertrages und rief die diplomatische Vermittlung der amerikanischen Bundesregierung an. Die Angelegenheit wird von dem in jener Versammlung anwesenden Abg. G o 1 d f o g 1 e im Kongreß zur Sprache gebracht werden. Unser Ordenspräsident, Br. Adolph Kraus, hat sich in der nämlichen Angelegenheit im Namen des Ordens mit dem Auswärtigen Amt in Verbindung gesetzt. Die Großloge der ungarischen Freimaurer hat beschlossen, sich an ihre englischen Brüder zu wenden, um die Vermittlung von Sir Edward Grey zu Gunsten der rumänischen Juden zu ermöglichen. Ebenso soll der König von Italien dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Rom, Signore S e r e n i, seine Intervention in Bukarest in Aussicht gestellt haben. Gleich- •) Vgl. den Artikel des Br. Grollsekretär „Karikatur" im M.-B. August 19) i. $ — 161 zeitig hat der frühere italienische Ministerpräsident, Luigi Luzzatti, in einem abermaligen Artikel im „Corriere della Sera" seine gewichtige Stimme erhöben und die Gründung eines „Weltbundes zum Schutze der religiösen Freiheit" angeregt. Aus dem Orient wird den „B'nai B'rith News' gemeldet, daß in den dortigen Logen, deren regelmäßige Tätigkeit durch die Kriege arg beeinträchtigt war, wieder frisches Leben pulsiert. Die Logen in Saloniki und in Smyma arbeiten "wieder; in Damaskus; steht die Installierung einer neuen Arbeitsstätte U.O. B. B. bevor. Erhebend ist es, zu lesen, wie die Konstantinopel-Loge das Andenken unseres verstorbenen Br. Siegmund Berget ehrt: sie hat, wie bereits berichtet, dem von ihr ins Leben gerufenen Kindergarten den Namen dieses hochverdienten Bruders beigelegt; sie hat außerdem einen „Bergel-Fonds" geschafferi, dem nach jeder Sitzung der bei der Kollekte eingegangene Inhalt einer „Bergel-Büchse" zugeführt wird. Mit Liebe und Eifer befördert jetzt die Konstantinopel-Loge die jüdischen Flüchtlinge "aus Bulgarien, die in der Türkei Schutz gesucht .haben, in ihre Heimat zurück. Beamte des Ordens geleiten diese Unglücklichen nach Dedeagatsch und sorgen mit Hilfe des Hilfskomitees in Sofia für ihre planmäßige. Weiterbeförderung. Inzwischen hat der neue Oberrabbiner vdti Großbritannien und Irland, Br. Dr. J. H. Hertz, sein neues Amt angetreten und auch bereits mit der Loge Fühlung genommen. Sein erstes außeramtiiehes Auftreten war die Beteiligung an der im Mansion H'ouSe tagenden Friedensgesellschaft. Seltsam berührte es die glänzende Versammlung, daß die katholische Geistlichkeit ihr Fernbleiben mit der Begründung entschuldigte: „Obwohl die katholische Kirche den Frieden liebt, erkennt sie doch immer die Gesetzlichkeit und sogar die Notwendigkeit von Kriegen unter gewissen Bedingungen an; bei besonderen Gelegenheiten, z. B. bei den Kreuzzügen, hat sie sogar Angriffskriege gutgeheißen." Demgegenüber hat unser Br. Dr. Hertz auf den Segen des Friedens und seine Unerläßlichkeit für den Fortschritt des Menschengeschlechtes hingewiesen und Kriege als im Widerspruch mit der jüdischen Weltanschauung stehend abgelehnt. — In der Berichtszeit ist nur eine Loge neu installiert worden, und zwar in Saskatoon in Canada, zunächst mit nur 24 Brüdern, doch ist Aussicht vorhanden, daß sich ihr in Bälde 50— 60 weitere Mitglieder! anschließen werden. Br. Oberlehrer Dr. Eugen Wölbe . (Montefiore-Loge in Berlin).