Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1913-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4864325-6029030-6074227--1584-4865705- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
unserer Brüder im benachbarten Bleicherode willfahrend, beschlossen wir jede vierte Arbeitssitzung dort stattfinden zu lassen, wie wir auch früher schon Vorträge in offener Loge dort veranstaltet haben. Des weiteren stand von internen Angelegenheiten die Lokalfrage im Vordergrund, die nun mit der Schaffung eines eigenen Heims ihre Lösung fand. Diese Materie nebst den Etatsberatungen über die Kostendeckung hatte uns lange beschäftigt. Da wir von dem neuen Heim eine Förderung des Logenlebens, spez. de/ Geselligkeit erhoffen, tragen wir gern die erhöhten Kosten, die überdies durch opferwillige Gaben in bar und natura und durch eine freundliche Spende unserer Schwestern verringert worden sind. Von Ordensfragen allgemeiner Natur interessierten wir uns besonders für die Krankenschwesternfrage und wären gern der Stationierung einer Schwester in unserem Verbandsbezirk näher getreten. Im Verband der Mitteldeutschen Logen suchten wir den Kontakt der einzelnen Logen durch regelmäßigen Austausch der Erfahrungen und Arbeitspläne zu fördern. Ganz besonders bemühten wir uns um die Propaganda an geeigneten Orten; speziell auf Mühlhausen i. Th. hatten wir unser Augenmerk gerichtet, da dort das jüdische Leben sehr daniederlag, aber trotz unserer gemeinsam mit den Verbandslogen betriebenen Arbeit war ein Erfolg bisher nicht zu erzielen. Dagegen führten uns unsere Brüder in Bleicherode und Sondershausen neue Mitglieder zu, und auch aus Harzgerode gewannen wir solche. Leider ist uns ein bewährtes Mitglied, von dem wir noch viel zu erhörten hatten, Br. Vicepr. Schönbeck, ein"^euergeist, erfüllt mit idealem Streben, durch den Tod entrissen worden. Mit den geistigen Fragen der Gegenwart, hauptsächlich auf jüdischem Gebiet, den Schätzen der jüdischen Geschichte und Literatur suchten wir unsere Brüder vertraut zu machen und dürfen mit Genugtuung darauf hinweisen, daß wir unter unsern Brüdern selbst eine stattliche Reihe von Rednern und Referenten besitzen. Zur Erweckung neuen Interesses zogen wir auch auswärtige Redner heran und luden zu diesen Veranstaltungen die übrigen hiesigen jüd. Vereinigungen, speziell die Jugend vereine, ein. Aus der Reihe der Vorträge seien einige herausgehoben: Dr. Theilhaber- Berlin über sein Buch „Niedergang der deutschen Juden"; Br. Emanuel-hier „Moderne Rassetheorien"; K. W. Goldschmidt-Berlin „Moderne Philosophie und Judentum"; Br. Rabb. Dr. Emil Lew-Berlin „Feminismus und Judentum"; „Zur Abhilfe der Judennot" Bezalel-Ausstellung) Br. Dr. Levy-hier; Br.Dr. Behrens- Göttingen „Probleme der jüdischen Geschichte"; Br. Expr. Cerf-Erfurt „Deutsche Dichter und jüdische Bühnenfiguren"; Kapellmeister'Levy-Berlin .Jüdische Musik und jüdische Musiker"; Schriftsteller Julius Bab - Berlin „Max Reinhardt' und das deutsche Theater". Einem von den hiesigen Vereinigungen gemeinsam veranstalteten Geschichtszyklus wandten wir unsere Unterstützung zu, eine Anzahl unserer Brüder hielt dabei Vorträge. . .. Auf dem Gebiet der Wohltätigkeit und der sozialen Bestrebungen suchten wir im kleinen Kreise Ersprießliches nt leisten, indem Wir den Kindern eines verstorbenen Bruders zur Seite ständen und eine Reihe von gemeinnützigen Institutionen dauernd unterstützten, u. a. die hiesige jüdische Lesehalle. Mit großer Freude dürfen wir den Erfolg kohstatieren, den unsere von Br. H.Pinthus geleiteten Kinder-Ferienspaziergänge haben; die Kinder von Brüdern und Nicht- Brudern drängen sich zur Beteiligung, sodaß -den Kindern, für die diese Spaziergänge eigentlich gedacht sind, das Gefühl, eine' Wohltätigkeit zu genießen, erspart bleibt. Die Einrichtung der Bibeln-Verteilung zur Konfirmation und Schulentlassung, der Zuwendung geeigneter Bücher an öffentliche und Schulbibliotheken setzten wir fort, desgleichen sind wir auch weiter in der Leitung der hiesigen Jugend vereine, sowie der übrigen Organisationen durch unsere Brüder vertreten. Dr. A. Levy. ' Aus Amerika. / XXXVII. Logen und Literaturvereine, die im kommenden Winter ihren Bedarf an'Rednern aus den Kreisen ihrer eigenen* Mitglieder decken wollen, seien auf die beiden Artikel in der neuesten Nummer'der „B'nai B'rith News" hingewiesen: „Jüdische Bruderliebe einst und jetzt" und „Judentum und Kultur". Sie eignen sich zum Vortrag mit daranschließendem Meinungsaustausch. Diskussionsabcilde finden neuerdings häufig in den amerikanischen Logen statt und scheinen dem Logenleben jenseits des Ozeans durchaus förderlich zu sein. Die Winnipeg-Loge verfährt hierbei folgendermaßen: Fragen von allgemeinem Interesse aus allen Gebieten der Kunst, der Politik, der jüdischen Geschichte etc. werden auf Zeftelchen geschrieben und beim Beginn der Sitzung in eine Urne gelegt. Die Brüder — und Schwestern! — die sich an dem Meinungsaustausch beteiligen wollen, treten heran,