Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1913-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Gegen den wirtschaftlichen Antisemitismus. Der Verband der Arbeitsnachweise der Großloge hat kürzlich an die ihm angeschlossenen Arbeitsnachweise nachstehendes Rundschreiben gerichtet. „Wie Ihnen aus den früheren Protokollen bekannt ist, haben wir gemeinsam mit dem Kartell der Arbeitsnachweise (begr. vom jüdischen Frauenbünde! unsere Verzeichnisse an die Gemeindebehörden, Rabbiner, Lehrer, Logen und sonstigen in Betracht kommenden Vereinigungen gesandt. Damit haben wir bezwecken wollen, die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenossen auf unsere soziale Einrichtung der Arbeitsnachweise zu lenken und weitere Kreise der Judenheit zur Mitarbeit «, anzuregen. Unsere Arbeitsnachweise, die ihre Tätigkeit nicht im Geben von Almosen, sondern im Helfen durch Arbeit erblicken, verdienen die tatkräftigste Förderung. Wir sind bemüht, durch Zuweisung von Arbeitsgelegenheit die Bedürftigen und Verzweifelten zu ermutigen, sie aufzurichten und sie in den Stand/zu setzen, durch eigene Arbeit für sich und ihre Angehörigen zu sorgen. / - Den Arbeitsnachweisen fällt aber jetzt. noch eine n e u e Aufgabe zu, nämlich durch ihre intensive Arbeit den Abfall vom Judentum aufzuhalten. Der wirtschaftliche Antisemitismus unserer Zeit, der dieÄnstellung von Juden in Banken, industriellen Etablissements und selbst in großen kaufmännischen Geschäften erschwert, hat so manchen Glaubensgenossen einer ausreichenden Erwerhsmnglichkeit beraubt und durch Nihrungssorgen zum Austritt aus dem Judentum veranlaßt, wje dies die statistischen Daten über die Taufbewegung in den setzten Jahren klardartun. Selbstverständlich verurteilen wir aufs allerschärfsle die Fahnenflucht. Aber damit ist nicht geholfen, vielmehr müssen wir durch Schaffung von Erwerbsmöglich keitendieUrsache der Austritte beseitigen. Durch persönliche Bemühungen müssen wir bei unseren vorurteilslosen christlich-en Mitbürgern dahin wirken, daß sie in ihren Betrieben Kaufleute, Bankbeamte, Chemiker, Ingenieure einstellen, und daß sie .jüdische arbeitsfähige und fachtüchtige Handwerker, Gewerbetreibende und Arbeiter beschäftigen. Insbesondere aber müssen wir bei unseren Glaubensgenossen; die in Banken und industriellen Unternehmungen ein gewichtiges Wort mitzur;den haben t vorstellig werden, ihr Gewissen schärfen und sie an ihre Pflicht gegen die angestammte Väterreligion erinnern, damit sie all ihren Einfluß aufbieten sollen, daß bei Besetzung von Vakanzen auch jüdische Bewerber mit berücksichtigt werden. <■ — 14' Unsere jungen Leute, Angestellte, Akademiker, Handwerker usw. müssen die Ueberzeugung gewinnen, daß wir ihnen ihre Lebensbahn mitebnen zu helfen bemüht sind, daß sie in ihrem Daseinskampfe nicht vereinsamt und verlassen dastehen. Dann werden sie nicht erbittert ihre Zugehörigkeit zum Judentum verleugnen und sich von ihm zurückziehen. Wir bitten Sie, dieser neuen überaus bedeutungsvollen Aufgabe Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Bemühungen zuzuwenden; dann werden die Arbeitsnachweise nicht nur zur Hebung der materiellen Lage unserer Glaubensgenossen, sondern hierdurch zugleich auch zur Erstarkung des Judentums beitragen," Gez.: Dr. G i n s b e r g. Dr. F i n k e I. Aus dem Bureau der Großloge. Berichtigungen resp. Ergänzungen unserer Rednerliste. Zu streichen: Reg.-Baumeister Paul Kronfeld S. 1Ü. Zu ergänzen: Br. Rabb. Dr. Rosenack, Bremen: Vortrags-Themen: ( 1. Die Anfänge der Emanzipation. 2. Erziehung in alter und neuer Zeit. i. Kultur im Osten. (Reisebilder nach eigener Anschauung.) 4. Die Juden in Amerika. (Nach persönlichen Eindrücken.) 5 Von Rußland nach Amerika. (Jüdische Missionare.) Auf Wunsch mit Lichtbildern. 6. Einführung in die Religions-Philosophie. 7. Religionsdisputaüonen einst und jetzt. 5, Die soziale Stellung der Juden in talmudiscjher Beleuchtung. 9. Ueber den Humor. Honorar und Zeit nach Uebereinkunft. Aus den Logen des VIII. Distrikts. Bericht der Jakob Plaut-Loge (Nordhausen) über die Jahre 1910—12. Seit dein Bericht unseres ersten Präsidenten, Br.- San.-Rat Dr. Stern, über die ersten drei Termine, die „Kinderjahre" unserer Loge' (Bericht der Großloge Dezember 1910) ist in diesen Blättern keine Zusammenfassung unserer Tätigkeit mehr erschienen, sodaß wir auch jetzt wieder über weitere drei Jahre berichten können. Dem Kinde, das in seinem ersten Triennium „das Laufen gelernt hatte, die äußere Ruhe zur weiteren Entwicklung zu belassend, das war der Grundsatz, nach dem der Präsident) des zweiten Trienniums, Bn L. Jonemann, die Loge leitete. Die begonnenen Arbeiten zur Durchführung der Ordensaufgaben wurden nach Maßgabe unserer beschränkten Kraft fortgeführt und erweitert, der Ausbau unserer Loge ihren speziellen Verhältnissen gemäß fortgesetzt. Unseren vielen auswärtigen Brüdern entgegenkommend, hielten wir einen großen Teil unserer Sitzungen am Sonntag-Nachmittag ab; dem Wunsche