Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1913-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4864325-6029030-6074227--1580-4865701- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Grunde sind sie in einer Anzahl Lander auf den Aussterbeetat gesetzt." Darum allein ist ihre Zahl auch in manchen Ländern so zurückgegangen, daß Teilhaber bereits seine bekannte Prophezeiung vom Untergang der deutschen Juden aussprechen konnte. S e g a 11 hatte in einem Aufsatz der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" als die wesentlichste Ursache des alles Maß überschreitenden Geburtenrückganges bei den Juden die „rationalistische Denkweise in Bezug auf die Fortpflanzung" bezeichnet, die von den oberen Schichten der Bevölkerung aus immer weitergreife, und er hatte dort geäußert: „Während nun die rationalistische Auffassung in den sozial hochgestellten Klassen der nichtjüdischen Bevölkerung ihren Grund vorzugsweise in der Erwägung hat, sich selbst möglichst viel Lebensgenuß zu verschaffen, ist bei den Juden der ideale Gedanke ausschlaggebend, den Kindern eine möglichst gute Erziehung angedeihen zu lassen und einen möglichst großen Teil des Vermögens zu vererben." Dazu sagt Wolf: „Ob man nun nach dem Muster S e g a 11 s den auf die Verhinderung der Konzeption bedachten jüdischen Ehen ein Kränzchen ' winden will, oder nicht, jedenfalls dürfte genügend klargestellt sein, daß es sich bei dem Niedergang der Zahl der deutschen. Juden keineswegs um Rassen- Dualitäten, vielmehr um Kulttirqualitäten <, d. h. auch hier um nichts anderes, als um das Eindringen des Rationalismus handelt." Um es noch einmal zu wiederholen: Wolf faßt die Abnahme des Wertes der Tradition sowohl bei den Juden als bei den Nicht- -juden nicht als das direkt veranlassende beim Geburtenrückgang auf, sondern als denjenigen Faktor, welcher der Wirkungsmöglichkeit der vielfachen oben genannten Ursachen den Boden bereitet und sie bedingt. Wir verweilten bei dem jüdischen Kapitel des Wolf sehen Buches naturgemäß länger, weil es uns besonders nahe liegt. Wir möchten hier aber auch auf ein weiteres Kapitel aufmerksam machen, in welchem Wolf den Beweis erbringt, daß sonst im allgemeinen Minoritäten in der Bevölkerung aus dem Bestreben, zum Teil sogar dem bewußten Bestreben, sich auszubreiten, heraus, dem Geburtenrückgang weniger unterliegen. W o I f als Schriftsteller, der nur objektiv berichtet, betrachtet die beiden Tatsachen des größeren Geburtenrückganges bei den Juden und des geringeren Rückganges vieler sonstiger Minoritäten nicht im Zusammenhang. Wir aber als Partei müssen hier darauf aufmerksam machen, um wie vieles bedenklicher durch den Vergleich der Ausbreitung anderer Minoritäten die Tatsache unseres eigenen Geburtenrückganges wird. Wichtig für uns ist wohl auch die Antithese, in welche der Verfasser die Wirkung des Geburtenrückganges in sozialer Beziehung zu derjenigen in nationaler Beziehung setzt,'und wie er darin einen Kampf des sozialen mit dem nationalen Prihzipe sieht. In sozialer Beziehung, für den Einzelnen, wirkt der Geburtenrückgang natürlich günstig, den Kampf üms Dasein erleichternd. ' In nationaler Beziehung aber, für die Gesamtheit, wirkt er im höchsten Grade ungünstig, und so auch für unsere Gesamtheit, mag man diese nun national öder anders auffassen In einem Anhang nimmt Wolf dann noch zu einigen mit dem Geburtenrückgang in Zusammenhang stehenden Fragen (Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, Katholisierung der Schweiz und Hollands durch die obige Ausbreitung der Minoritäten?, Bevölkerungsgesetz) Stellung. Es ist natürlich hier unmöglich, all das ungeheure und reiche- Material, das Wolf anführt, in einem kurzen Referat zu benutzen. Es sollte hier im wesentlichen nur die Bedeutung, welche das besprochene Thema speziell für uns besitzt, etwas ausführlicher besprochen werden. Der Hauptzweck dieses Referates kann nur derseih, den Leser zur Lektüre des besprochenen Buches zu veranlassen. Die hochernste, streng sachliche, mit außerordentlichem Wissen gepaarte Behandlung des Themas, Wie in allgemeiner Beziehung, so auch in speziellem Bezug auf die Jifden, ist geeignet, in unseren Reihen die Erkenntnis von den Ursachen der Erscheinung, unter der wir vor allen andern kranken, zu verbreiten. Da aber die Erkenntnis stets die erste Bedingung zur Abhilfe war, so darf man vielleicht der Hoffnung Ausdruck geben, daß auch bei uns in Zukunft wieder der alte Satz in Geltung tritt: „Seid fruchtbar und mehret euch." üb die Mittel, die zur Bekämpfung lies Geburtenrückganges angegeben werden und" die in der praktischen Bevölkerungspolitik hie und da bereits zu verschiedenen Maßnahmen,geführt haben (strenge Strafverfolgung gegen Abtreibung, Verhinderung des Handels mit Präventivmitteln, steuerliche und sonstige Begünstigung kinderreicher Familien, Junggesellensteuer usw.) geeignet sind, einen wesentlichen Umschwung der besprochenen Verhältnisse herbeizuführen, kann bezweifelt werden, und ob es möglich ist, in den fortgeschrittenen Schichten Westeuropas, von welchen sich die besprochene Erscheinung in die tieferen Schichten hinein verbreitet, einerseits den Wert — 145 —