Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1913-10-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4864325-6029030-6074227--1577-4865698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

rend Segall sie in nicht gar zu rosigem Lichte sieht, stellen Kahn und Warburg die wirtschaftliche Prosperität nicht als ungünstig hin. Ein gewisser Zustrom zur Landwirtschaft scheint jüdischerseits doch vorhanden zu sein, denn unser rühriger Arbeitsnachweis teilt mit, daß sich in letzter Zeit öfters Bewerber beim Verbände meldeten, und daß darum eine Liste jüdischer Landwirte, die jüdische Eleven oder Inspektoren annehmen, angelegt werden würde. Dies Vorhaben kann nicht warm genug unterstützt werden. Jeder einzige der Brüder, der im Besftz ihm bekannter Namen jüdischer Gutsbesitzer oder Gutspächter ist, sollte seine Kenntnis dem Arbeitsnachweis übermitteln. Wer von unseren jungen Leuten Liebe zur Landwirtschaft besitzt, sollte den Weg ins Freie getrost wagen.' Der Anteil der jüdischen Frauen in der Kategorie „Häusliche Dienstboten" ist um die Hälfte zurückgegangen, dagegen ist eine nicht unbeträchtliche Zu- ' nähme bei der Rubrik „Häuslicher Dienst und Lohnarbeit wechselnder Art" zu verzeichnen. Hierbei handelt es sich um Anwartefrauen und Dienende für häuslichen Dienst, die nicht im Hause der Herrschaft wohnen. Die absolute Zunahme beträgt hier: 311, die relative 45 \. Die Erklärung dieses Mißverhältnisses liegt einerseits darin, dali der Wille zu direkter ständiger Abhängigkeit nicht sehr groß ist; auf der anderen Seite darin, dali eine nicht unbeträchtliche Zahl jüdischer Frauen nur einen Teil des Tages zu fremdem häuslichen Dienst und Verdienst verwenden können, während sie den anderen ihrer Familie widmen müssen, jedenfalls wäre der L'ebergang jüdischer Mädchen in Dienstbotenbezw. Köchinnenstellungen zu fördern. Voraussetzung dafür wäre vielleicht die Höherbewertung dieser Stellungen — nicht an erster Stelle in finanzieller Beziehung — und. dafür wiederum die Einrichtung oder der Besuch von Fachschulen für häuslichen Betrieb. Als empfehlenswert für weibliche Interessenten kann auch der Beruf der Krankenschwester genannt werden. Es darf mit Genugtuung festgestellt werden, daß dem Ruf der Großloge zur Ausbildung jüdische/ Krankenpflegerinnen junge Mädchen in stets wachsender Zahl folgen. — Die Verhältnisse der Regierungsbaumeister werden als nicht ungünstige bezeichnet,*) da es den Anschein hat, als ob auf diesem Gebiete zunächst noch die Tüchtigkeit und nicht die Taufe als das entscheidende Moment angesehen wird •) Korropondenzulait de Verbände» deutscher luden, Januar 1910. Von 1882—1907 ist der Prozentsatz der im Handel beschäftigten preußischen Juden um 10 % gesunken, in der Industrie der jüdische Prozentsatz um 3 °;0 gestiegen. Das darf als ein kleines immerhin bemerkenswertes Anzeichen der beginnenden, so notwendigen Umschichtung in der sozialen Berufsstruktur angesehen werden. Eine besondereAufmerksamkeit erheischt die Ueber- Ieitung der Juden in die mittlere und untere Beamtenschaft. Wir bringen hierzu einige Zahlen zur Kenntnis, die wir dem Büro für Statistik der Juden verdanken. Im Jahre 1907 waren im Post- und Telegraphendienst 170, darunter 53 weibliche Juden beschäftigt. Diese Zahl korffmt einem Prozentsatze von 0,07 der in diesem Berufszweige tätigen Personen gleich. Von den Beamten waren 13, Juden, darunter eine Frau, höhere Beamte, zu denen die Direktoren,.Inspektoren, Verwaltungsbeamten und Postamtsyorsteher gezählt werden. 102 Juden, darunter 4S weibliche, gehörten dem sonstigen Verwaltungs-, Aufsichts- und Büropersonal an. 55 Juden, darunter 4 weibliche, waren als Unterbeamte tätig, zu denen Brief-, Telegrammträger, Postschaffner, Postboten und andere entsprechend Beschäftigte zählen. Im Eisenbahnbetriebe (ohne Straßenbahn) gabJ es 174 Juden, darunter 9 weibliche, gleich 0,04 Prozent der insgesamt Beschäftigten. 22 hiervon waren höhere Beamten (Direktoren, Inspektoren, Verwaltungsbeamte, Betriebs-Stationsvorsteher. Dem sonstigen Verwaltungs-, Aufsichts- und Büropersonal gehörten 72 Personen (9 weibliche) an. 80 Juden waren Unterbeamte, zu denen man Eisenbahnschaffner (beim Fahr-, Bahnhofs- und Rangierdienst beschäftigt), Bahnwärter und andere entsprechend Heschäftigte und Diener zählt. Endlich im Straßenbahndienste gab es 28 luden (davon 6 weibliche), also 0,06 Prozent. Von diesen waren nur drei höhere Beamte, 12 (davon 6 weibliche) gehörten zum Büropersonal und 13 zum inneren Dienst. Das Verhältnis der jüdischen Staatsbeamten zu ihren christlichen Kollegen ist — soweit uns bekannt ist — ein gutes. Gerade bei diesen Berufsschichten ist als Voraussetzung dafür ein ausgebildetes Taktgefühl notwendig. Es genügt nun nicht, über die Frage der Berufswahl nur zu diskutieren und Material zu sammeln. Die Kenntnis der bisher gesammelten Erfahrungen muß auch in die Massen hineingetragen werden. Hierfür käme nun die Verteilung aufklärender Zirkulare v

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.