Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1913-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 10. der GROSSLOGE FÜR DEUTSCHLAND Till U. 0.6. D. Eingetragener Verein. Eigener Verlag der Grossloge. Bureau: W. 62, Kleiststr. 12. Telephon: Amt Lzw., No. 4619. Nachdruck sämtlicher Artikel au* diesen Berichten verboten. Inhaltt Statistische Kotiien und Bemerkungen. — Einjähriger oder zweijähriger Termin. — Zur Frage .des Oeburtenruckfcanges. finii;« Worte zur Winterarbeit dir l_ngcn. Verband der Arbeitsnachweise. - Aus dem Bureau der OroBloge, — Aus ilen Loe,en des VIII. Distrikts.:— Aus Amerika. Danksagung. Aus dem Oedächtnisbuche der OroBloge. J. Statistische Notizen und Bemerkungen zu einer Frage, die nicht mehr verschwinden darf. Von Br. Dr. Alfred Ooldschmidt. Die Frage der Berufswahl hat die Großloge, die Logenverbandstage, die meisten Logen, wie überhaupt die jüdischen Organisationen auf das lebhafteste beschäftigt. Nichts ist natürlicher als das, hängt doch von ihrer glücklichen Erledigung das Wohl der künftigen Generationen ab. Der Antisemitismus der Jetztzeit — drapiert mit dem kleidsameren Mäntelchen der Rassengegensätze — geht auf wirtschaftliche Umtriebe aus. Je mehr er sich bemüht, unserer Jugend Berufe zu verschließen, desto rnchr müssen wir versuchen, ihr solche zu eröffnen. Unsere soziale Struktur ist gegeben: wir sind in der Hauptsache der Kaufmann, der Arzt, der Rechtsanwalt, der Journalist. Die Gründe hierfür sind zu bekannt, als daß sie noch einmal erwähnt zu werden brauchten. Wir sind aber auch mehr Handwerker, als es nach außen hin in die Erscheinung tritt. Die Zahl der jüdischen Handwerker kann nach Segall*) .in Deutschland auf 40 000 geschätzt werden. Segall fügt zutreffend hinzu, daß diese Zahlen sich schlecht mit der allgemeinen Behauptung vertrügen, die Juden seien nur eine handeltreibende Klasse. Das Handwerk, auch das jüdische Handwerk, scheint also doch noch nicht, ganz seinen früheren sprichwörtlichen goldenen Boden verloren zu haben. Nach Böhmert ist das Handwerk zwar im Verhältnis zum Großbetrieb ...-^Dr. Jacob Segall: Die beruflichen und sozialen Verhältnisse der luden in DeutschlaiW-— zurückgeblieben, es hat aber nach der Gesamtzahl der ihm angehörenden Betriebe keinen Rückgang, sondern sogar noch eine Zunahme aufzuweisen. Eine Abnahme zeigen nur die Betriebe mit ei n er Person, bei allen anderen Betriebsformen sind beträchtliche Zunahmen festzustellen. Einen Rückgang weisen folgende Betriebe auf: Steinmetze, Goldschmiede, Uhrmacher, Gerber, Schuhmacher; einen Stillstand: BuchbirTder, Tischler, Bürstenmacher, Kürschner, Hutmacher; eine Zunahme: Klempner, Sattler, Tapezierer,' Örechsler, Bäcker, Konditoren, Schlächter, Sdftreider,Handschuhmacher, Barbiere und Friseure, Maurer" ynd: Bauunternehmer, Glaser und Stubenmaler. Von den 40000 jüdischen Handwerkern waren . Selbständige 17108, Angestellte5795, mithelfende Familienangehörige 2237, sonstige Arbeiter 13332. Da. die 40000 Personen nur die Erwerbstätigen, im engeren Sinne umfassen, so dürften nach Segall etwa 90000 Juden in Deutschland durch Handwerk ihre Nahrung finden. Unter den handwerksmäßigen Industrien zählt man 14422 jüdische Schneider, darunter, sind 6125 Selbstständige, 3452 Angestellte und 4303 Arbeiter. : Von Schuhmachern zählt man 1813, darunter 505 Lehrlinge und Gesellen. Es existieren 7000 jüdische Fleischer und fast 1500 Bäcker. Mehr als die Hälfte der jüdischen Handwerker befindet sich in abhängiger Stellung. In der Landwirtschaft wurden im Jahre 1907 374ö jüdische Personen gezählt-^ 1,3 °, u aller Erwerbstätigen Davon waren 2087 Familienangehörige, die in der Wirtschaft des Familienvorstandes tätig waren, darunter 1680 weibliche Personen. Die Verhältnisse der Landwirtschaft werden für jüdische Bewerber von den einzelnen Beurteilern verschieden gewertet: wäh-