Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 9 - September
- Date
- 1913-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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D. ürünewald eingehen, insbesondere in Form von Artikeln, welche in den Großlogen-Berichten Abdruck f'nden könnten, vorbehaltlich der Stellung des Plenums und der Großloge dankbar sein. Schindler. „Mischan abelim" (Stütze der Leidtragenden*). Seit etwa 150 Jahren besteht innerhalb der jüdischen Gemeinde in Berlin ein Verein:,,Mischan abelim" — Stütze der Leidtragenden; sein Zweck ist: bedürftige Familien, die durch den Tod eines ihrer Mitglieder — insbesondere auch, weil sie sich religionsgesetzlich in den Trauertagenyeder Arbeit enthalten — in Not geraten würden, zu unterstützen. Um das Ehrgefühl des Empfängers zu schonen, ist folgende Einrichtung getroffen. Der Vorstand dfcs Vereins sendet in jedes Trauerhaus, gleichviel eb arm oder reich, zwei verschlossene Büchsen; in die eine Büchse Nr. 1 wird eine Summe gelegt, die dem Bedürftigen eventuell dargeboten werden soll; zu dieser Büchse" erhält jeder Empfänger unter Siegel) einen Schlüssel und er wird in einem Begleitschreiben ersucht, jedenfalls diese Büchse zu öffnen und zu entleeren. Je nach seiner Bedürftigkeit kann er nun den ganzen Inhalt der Büchse oder einen Teil derselben für sich beh^lteri; — bedarf er aber der Unterstützung nicht, so ist er gebeten, den Betrag in die Büchse Nr. 2 zu werfen. Ebenso werden Wohlhabende ersucht, den Inhalt dieser Büchse aus ihren eigenen Mitteln zu vermehren, um den Zweck des Vereins damit erfüllen zu können. Diese Büchse Nr. 2 bleibt längere Zeit während ihrer Wanderung durch mancherlei Familien uneröffnet, so daß niemand, nicht einmal der Vorstand des Vereins wissen kann, wer gegeben, wer genommen hat Wenn man von den Sitten und den Sittenlehren einer Genossenschaft aus fernem Lande, oder einer entlegenen Zeit gar keine weitere Kunde hätte, wenn man von ihren Gebräuchen, Gedanken und Gesinnungen keinerlei Zeugnisse besäße, als den Bericht über den Bestand, die Einrichtung und Verwaltung und den Erfolg dieses Büchsenpaares, so würde man daraus allein schon' mit aller Bestimmtheit die ethischen Lehren entnehmen: die Idee des Wohlwollens soll dich leiten; in_der Unterstützung des Bedürftigen, als Wohltätigkeit soll sie ihren Ausdruck finden; hoch- )Vt ir bringen die Mitteilung über den Virtin Mischan abelim aus 1 a/.irus „the tthtk JcsJudentum*'* (1898 Verlag Kaufinann-Frankturta M.) n-.ir Lazarus eigenen W orten. Die von diesem Verein geübte Form der Wohltätigkeit ist so t< ins-rmig, so vorbildlieh, so in bestem Sinne jüdisch, dal» ein Wort der Hinzulügung sich erübrigt. Sie 'priclrt tür steh selbst und'dart get-ost wieder tinm.-l aus der Erinnerung auftauchen. Od'. herzig aber sollst du die Wohltat dadurch ausüben, daß du nicht wissest, wer ihr Empfänger ist; jeder pathologische Beigeschmack, jede Erweichung deines Gemütes durch den Anblick des Leidenden, soll fernbleiben, nur der Adel und die Würde des idealen Gesetzes soll dir vorschweben. Doch auch mit Zartsinn soll die Tat dadurch ausgeübt werden, daß auch der Empfänger nicht weiß, wer der Geber sei; jede Möglichkeit einer Beschämung oder Herabsetzung, die der Gönner — auch unwillkürlich — anrichtet, und der Empfänger empfindet, soll ausgeschlossen sein. Zwar schon bei jeder Unterstützung durch Vermittelung eines Vereinsvorstandes oder Pflegers kennen Geber und Nehnier einander nicht; wenn aber der Pfleger doch die Rolle des Gebers spielt, sind Gefahren der Begünstigung, Zurücksetzung und Beschämung je nach dem Gemütszustande beider Beteiligten naheliegend. Aus den „Zwei-Büchsen" aber wird die Gabe frei von jedem bedrückenden Gefühl empfangen, wie sie frei von jeder persönlichen Gunst, von jeder momentanen Stimmung, nur dem ethischen Gesetze folgend, gewährt wird. Aus der ganzen Einrichtung leuchtet die energische Triebkraft hervor, mit welcher die Idee des Wohlwollens im Gemüte der Begründer wirksam gewesen ist; denn um die Wohltat gesichert mit Zartsinn zu vollbringen, hat ihr Geist mit klugem Bedacht die feine Erfindung ersonnen. Ein besonderer idealer Wert wächst dieser Einrichtung aber noch dadurch zu, daß das höchste ethische Prinzip, dessen Bedeutung weit über jede einzelne Idee (also auch über die des Wohlwollens) hinausreicht, darin zur Erscheinung kommt Indem nämlich hier bei der Wohltat die Persönlichkeit beider, dessen, der sie ausübt, und dessen, der sie empfängt, gänzlich zurücktritt, ist es nur der sittliche Gemeingeist, der in allen Gebern und in allen Empfängern sich tätig erweist: die Gesamtheit wirkt als eine ethische Einheit; in dem sittlichen Tun und nur durch das sittliche Tun und für dasselbe entsteht eine innere Zusammenschließung, die sittliche Seelengemeinschaft aller Beteiligten.---- Diese Einrichtung schließt einen hohen Grad vorr Vertrauen in sich. Im vorliegenden Falle hat sich das Vertrauen glänzend bewährt. Aus dem Bureau der GroBloge. Freudige Ereignisse im Kreise der BBr. Br. Vicegroßpräsident Dr. K u z n i t z ky feierte am 26. August d. Js. seine Silberhochzeit in Kainzenbad, wo er mit seiner Familie zur Erholung weilte. Das Gen.-Komitee