Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 9 - September
- Date
- 1913-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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„Bnei Briss" die Meinung, daß unser Herz für ajle Menschen schlage, daß kein menschliches Weh uns kalt lassen könne. Es wenden sich an uns Studenten, kleine Beamte und Gewerbetreibende, junge Damen und Witwen, die in momentaner Verlegenheit sind, also verschämte Arme, die sich nicht überall dekouvfieren möchten. Sie kommen zu uns, weil sie überzeugt sind, daß ein Gesuch bei uns nicht nach dem Schema F, sondern streng diskret und delikat behandelt wird. — Daß wir all diese Aufgaben nicht unter Vernachlässigung unserer eigenen Schöpfungen lösen dürfen, braucht nicht erst betönt zu werden; der Ausbau unserer Institutionen darf darunter nicht leiden. Nun entsteht die Frage: Woher die enormen Mittel nehmen? Sollen wir etwa mit einem chronischen Defizit in der Großloge arbeiten und eine unangenehme Finanzkritik heraufbeschwören? Sollen wir jedesmal mit einer Umlage kommen? Werden wir nicht dadurch eine Logenverdrossenheit selbst unter unseren Besten hervorrufen und viele unserer Brüder aus unseren Reihen hinausdrängen? Darauf die Antwort: Eine solche Finanzwirtschaft kann und wird niemand gutheißen. Im Gegenteil, viele von uns würden einen niedrigeren Satz für die Mitgliedsbeiträge in den Logen mit Freuden begrüßen, um allen edeldenkenden Israeliten, auch wenn sie nicht wohlhabend sind, die Mitarbeit in unseren Kreisen zu ermöglichen. Um aber auf der Höhe zu bleiben, überall mit vollen Händen geben und überall mitwirken zu können, ist es nötig, wie ich bereits an einer anderen Stelle ausgeführt habe, große Fonds für die Logen und die Großloge zu erlangen.*) Schaffet Logen- und , Großlogenstiftungen!" Dieser Ruf müßte in jeder Sitzung an die Brüder ergehen und bei den verschiedensten Gelegenheiten in Erinnerung gebracht werden. Ohne Ueberhebung können wir von unseren Logen und der Großloge sagen, daß sie während ihres Bestehens auf deutschem Boden intensiv und gut gearbeitet haben. Das Heer der von uns geschaffenen Wohlfahrtseinrichtungen ist geradezu imponierend und hat bei Freunden und Gegnern Ani erkennung gefunden. Nur haben wir es bis jetzt verabsäumt, an die Erlangung größerer Legate und i Fonds zu denken. In der ersten Zeit unserer Tätigkeit ging es nicht, da mußten wir uns auf den engeren Kreis unserer Brüder beschränken, weil man ■ ' *) Siehe meinen Artikel „Oroßlogenstiftungen" im Monatsbericht 1Q11 No. 5, S.74. uns noch nicht kännte, und,weil wir .noch keine großen Leistungen aufzuweisen hatten.^ Jetzt aber, da wir durch unsere bisherige Wirksamkeit die empfehlen deLegitimatipn besitzerc.fwerden selbst Außenstehende, wenn wir* an sie herantreten würden, größere Stiftungen bei uns gern machen. Unser altruistisches Prinzip: „Nichts für Uns, alles für andere" ist hinlänglich bekannt, .und die bei uns, übliche Art des Wohltuns berührt allenthalben angenehm. Zu unserem Leidwesen haben aber selbst reiche Brüder bei Legaten und Stiftungen an uns bis jetzt nicht gedacht; wir smb bi*er fast nur leer ausgegangen. Die Erklärung hierfür ist wohl darin zu suchen, daß unsere Großioge in dem Rufe einer sehr reichen Organisation steht, und unsere Brüder über unsere Vermögensverhältnisse nicht unterrichtet sind. Zur näheren Information der Brüder sei es daher gestattet, hier die Fonds und Stiftungen der Großloge**) aufzuführen: Kaiser Wilhelm u. Auguste Victoria-Stiftg. M . 20000,— i Amalie und Eugen Rosenstiel-Stfg. . „ 5 748,— Eiserner Fonds f.d. Jaffaheim d. Großloge „ 50 000,— J (Waisenpflege.) Johanna Becker-Stftg. . . . . . M. J> 203,— (Gesamtarchiv.) Metzenberg-Wagner-Stftg. . ... „ 100000,—| Joseph Julius Hammerschmidt-Lübeck-St. M. 2 000,— I i Krankenpflege.) \ Julius und Jenny Tietz-Stftg. . . . . M. 12 500,— i Heymann Görlitz-Fonds......„ 5 000,— M.-Fonds...........:.'„• 14 000»—) (Schwestern-Pensions-Fonds.) ri Adolf Ginsberg-Stftg. . . . . . M. 7 348,20 (Arbeits-Nachweis.) . Eduard und Siegfried Jacobsohn-Stftg. M. 20 137,10 (Herzkranke Kinder.. - ' Timendorfer-Stftg. . *........M.- 17 492,— (Wissenschaft des Judentums. Julius Bien-Fonds....... ...M. 9 244,50 Russen-Fonds . . . . .■.'. .,.„ 17 565,65 Zu dieser Tabelle, ist zu bemerken, daß der Russenfonds durch die Spareinlagen für die Pogromwaisen ganz ausgeschöpft ist, und daß die weiteren Aufwendungen für die Erziehung dieser Kinder aus **) Die Stiftungen der Logen habe ich in meiner Schrift: „Die Wohlfahrtseinrichtungeh der Logen" zusammengestellt. - 131 — /