Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 9 - September
- Date
- 1913-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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kannte Wenn aber der Jugendverband an den Orden, an seinen geistigen Vater, mit der Bitte herantritt, die Großloge möge ihre Subvention erhöhen, damit er in der Lage sei, den Kreis seiner segensreichen Tätigkeit zu erweitern, sein heilsames Wirken zu steigern, da wird ihm etwa geantwortet: „Bei aller Anerkennung der Verdienste Ihrer Organisation können wir Ihrem Wunsche mit Rücksicht auf die Finanzlage der Oroßloge nicht entsprechen. Wir möchten schon, aber wir können nich t." . Ein zweites Beispiel. Daß die Einrichtung der jüdischen Krankenpflegerinnen, die unsere Logen, und nicht zuletzt die Großloge angeregt und gefördert haben, überaus wertvoll und für uns Juden von großem Nutzen ist, wird wohl keiner in Abrede stellen. Wir haben durch unsere Bestrebungen jüdischen Mädchen und Frauen ejn neues Tätigkeitsgebiet erschlossen, sie 'einem edlen Berufe zugeführt und der nichtjüdischeh Welt gezeigt, daß auch Jüdinnen vor anstrengender Arbeit nicht zurückschrecken. Nun hat allerdings ein Teil der von der Großloge ausgebildeten Schwestern nicht lange bei uns ausgehalten. Nicht etwa aus Unfähigkeit oder gar aus Mangel an Liebe zu ihrem Berufe, bewahre. Der Schalk Hymen hat sie uns entführt und sie in den glücklichen Hafen der Ehe gebracht. Ich persönlich betrachte das für kein Unglück. Denn erstens waren die Schwestern bis zu ihrer Verheiratung eine geraume Zeit bei uns tätig, während welcher Zeit sie mit Berufsliebe und Pflichttreue gearbeitet haben, und zweitens haben auch die verheirateten Schwestern für den Fall der Not immer noch ihren Beruf, der sie ernähren kann. - Welchen Segen eine unserer Schwestern, die nur kurze Zeil bei uns gewesen, beim Krankenbette einer armen jüdischen Frau, die sonst kein jüdisches Wesen um sich hatte, während der Pflege gebracht hat, läßt sich zahlenmäßig nicht angeben, denn in der Gefühls- und Gemütswelt kann man mit Zahlen nicht gut operieren. _i. Die Schwesternorganisation der Großloge war aber in den letzten Jahren Gegenstand heftiger Angriffe. Allerdings wollen wir einräumen, daß die Kritik nicht ganz unberechtigt war. Wir wollen unumwunden zugeben, daß „etwas nicht geklappt hat". Da die Gründe Eingeweihten bekannt sind, brauchen wir auf sie hier nicht näher einzugehen. Nun hat das Krankenschwesternkomijee der Großloge in den letzten Monaten — vielleicht auch infolge der scharfen Kriti^f - ungemein rührig gearbeitet] Nach Ausgrabung und Prüfung der Akten hat das Krankenschwesternkomitee feststellen können, daß es mit der Schwesternsache der Großloge gar nicht so übel bestellt ist. Wir haben jetzt 29 Schwestern und 14 Schülerinnen, eine Anzahl, die für unsere Verhältnisse ganz respektabel ist. Das Schwesternkomitee will aber auf seinen Lorbeeren nicht ausruhen, im Gegen teil, durch die Erfolge ermutigt, ist es bemüht, die Schwesternorganisation in einer der Großloge würdigen Weise auszubauen. Aber kaum hat das Schwesternkomitee mit Volldampf zu arbeiten begonnen, kaum hat es sich mit seinem stolzen Schwesternschiff auf das Meer mutig hinausgewagt, da wurde ihm bald zugerufen: „Stop!" als wären Eisberge in der Nähe, die das Falirzeug gefährden könnten. Das Schwesternkomitee, das in seiner Arbeit nicht gehemmt werden möchte, sucht den maßgebenden Brüdern klar zu machen, daß es vorwärts schreiten müsse; es spricht zu ihnen etwa folgendermaßen: „Je mehr Schwestern und Schülerinnen wir besitzen, desto mehr Segen bringen wir der Menschheit, und unsere Aufgabe ist es ja. „ein Segen zu werden". Wir nützen aber mit unseren Schwestern nicht nur der Menschheit, sondern auch uns, dem Orden selbst. Jede Großlogenstation, die wir in einer Stadt er richten, führt uns neue Anhänger und Freunde zu. Durch unsere Stationen arbeiten wir zusammen mit den Gemeindebehörden, mit den Chwrot und den anderen Wohlfahrtsvereinen an den betreffenden Plätzen. Hochstehende Persönlichkeiten, die früher dem Logenwesen fremd und kalt gegenüberstanden, erwärmen sich für unsere Arbeit, beginnen sich für unsere Tätigkeit zu interessieren und schließen sich dann unseren Reihen an. Bedenkt doch, liebe Brüder, daß unsere Stationen in propagandistischer Beziehung uns viel mehr nützen als Tausende von Propagandaschriften, Versammlungen und schönen Vorträgen." So sprichtmitEngelszüngen eindringlichdasSchwesternkomitee; es erhält .aber darauf vom Ausschuß oder dem Generalkomitee die Antwort:. „Ihr habt recht, liebe Brüder, aber die Finanzen der Großloge .... wir möchten schon, aber wir tkönnen nich t." *) ' "I Das K r a n ken >ch w e st c r n kumi t ce hat in letzter Zeit eine grolle An/.ihl Bewerbungen von jüdischen Minichen erhalfen, die sich gern diesem weiblichsten alier Berufe widircn mochten und uns bitten, sie au>bi Iden /u Kissen, aber — jede Ausbildung kostet alles ie allem ca. M. 2300 — Ja! Wenn von den Hunderten wohlhabender und reicher Bruder in unserem Hunde der eine Osler der andere zu uns sagen würde: „Hier habt Ihr den nötigen Betrag von 2WO Mark, bildet dafür ein recht «geeignetes Madchen zur Schwester aus, ich will als Gegenleistung laufend von ihren Fortschritten unterrichtet werden, will.' ihr „Pate" sein und will in ihr und -durch sie /um Segen werden Ja' danH . . .! im-O.)