Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 9 - September
- Date
- 1913-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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strebenswert; aber das Wirken für die Einheit und Würde i/nserer Gemeinschaft und damit auch für die fernere Blüte und Entwicklung unserer Lehre ist das wichtigste und notwendigste. Dessen wollen wir unausgesetzt eingedenk bleiben, dafür unsere Kräfte in erster Linie einsetzen. * Zum Neujahrsfest entbieten wir unseren lieben Brüdern und deren Familien die herzlichsten Glückwünsche. Möge der Gedanke der Einheit und Würde unserer Gemeinschaft, von dem die vorstehenden Ausführungen unseres Bruders Martin Philippsdn getragen sind, tief in das Herz eines jeden einzelnen Bruders dringen und aus unseren Herzen heraus auf unsere nähere und fernere Umgebung weiter wirken. Großloge für Deutschland VIII. Timendorfer, Goldschmidt, Präsident. Sekretär. ' .. Wollen und Können. E. F. Nicht ohne Grund hat ein berühmter römischer Dichter den Satz hingeschrieben: „Ut desint vires, tarnen est laudanda voluntas." Wenn's an Kräften gebricht, so ist doch der Wille zu loben. Damit wollte er wohl sich selbst über sein eigenes Unvermögen oder seinen Freund, an den er diese Worte gerichtet hat, über dessen Ohnmacht trösten. ' Denn der Weg vom Können bis zum Wollen ist ziemlich weit und nicht jedermann ist in der Lage, ihn ganz zurückzulegen. So mancher bleibt auf halbem Wege stehen: er will, kann aber das Gewollte nicht vollbringen. Und ein solcher Mensch bedarf gar sehr des Trostes und der Beruhigung. Denn schmerzlich, ja qualvoll muß es für einen sein, sich etwas versagen zu müssen, was das Herz sich wünscht, der Sinn begehrt, ein Sehnen und Verlangen nach einem Erstrebenswerten zu haben, ohne dasselbe erlangen zu können. Diese Tragik, der wir im Leben öfters begegnen, wird noch gesteigert und erhöht, wenn nicht ein Einzelmensch, sondern eine Körperschaft das leidende Subjekt ist. Eine Organisation, die etwas will, aber durch äußere Umstände gehindert, ihr Woljen nicht in die Tat umsetzen kann, ist zu bedauern; eine Körperschaft, die voll Resignation zu der bekannten und volkstümlichen Redewendung: „Wir möchten schon, aber wir können nicht" Zuflucht nehmen muß, leidet ungemein und läuft Gefahr, ihren Ruf, ihre Reputation einzubüßen. Diese Gedanken schwirrten mir durch den Köpf, als ich die Protokolle über die letzten Sitzungen des Geschäftsführenden Ausschusses und des Generalkomitees nochmals zu lesen Gelegenheit hatte. Einige Beispiele mögen dies näher beleuchten : Seit dem Jahre 1891, wie ich an einer anderen Stelle festgestellt habe,*) beschäftigt sich unser Orden mit der Frage der Jugendvereine. Durch jahrelange stete und unermüdliche'Arbeit unserer Logen ist es uns erst im Jahre 1908 gelungen, durch die Begründung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine die Jugendbewegung großzügig auszugestalten. Die von uns begründete Jugendorganisation arbeitet, trotz unausbleiblicher Kinderkrankheiten und trotz unrühmlicher Ausnahmen, wie allgemein anerkannt wird, vorzüglich. Allenthalben wird unsere Großloge für diese hervorragende und bedeutsame Tat gepriesen. Denn während früher der sich selbst überlassene junge Mann den Gefahren der Groß- und Mittelstadt preisgegeben war und keine andere Abwechselung kannte als nur den Götzen Bacchus und Venus zu frönen, findet er" jetzt im Kreise lieber Altersgenossen Belehrung und Anregung, edle Geselligkeit und reinen,*lauteren Frohsinn: Das jugendliche, empfängliche Gemüt wird veredelt, und für hohe Ideale begeistert. Unsere Jugendvereine haben bereits reichen Segen gestiftet, einen viel reicheren und größeren, als wir bei der Begründung des Verbandes geahnt haben. Unsere Jünglinge. und Jungfrauen werden zu begeisterten, - selbstbewußten Juden und Jüdinnen erzogen, die mit edlem ,Stolz auf der Ahhen Werke hinblicken und bestrebt sind, dieselben als würdige Nachfahren zu erhalten. Die kleinen Landgemeinden, die bis jetzt trotz der großen Verbände und Organisationen als abgetrennte, abgestorbene Glieder der Judenheit angesehen wurden, sind jetzt durch den frischen, fröhlichen Zug der Jugendvereine zu neuem Leben erwacht. Und erst die Zukunfts aufgäbe unserer jüdischen Jugendbewegung! Die neutralen Jugendvereine, in denen sich junge Leute aller Richtungen und Parteien der Judenheit zusammenfinden und frühzeitig lernen, sich gegenseitig zu verstehen, zu achten und zu schätzen, werden, das ist" unsere felsenfeste Ueberzeugung, eine Zeit vorbereiten helfen, in der die religiösen Kämpfe, wenn sie nicht ganz schwinden werden, doch wenigstens nicht so erbittert und heftig geführt werden wie in unseren Tagen. Das alles ist unseren Brüdern hinlänglich be- •) Siehe: „Der Kampf der.ll'arukn um dje Jus.-. herausgegeben von der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge, Berlin 1912, S. W, Monatsbericht HI12 No. 4, S.51, und 1913 No. 2, S. 19 Anm. 2.