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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-09-01 · Nr. 9 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 9 - September
Date
1913-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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geben, und wo diese vorhanden sind, kann es an einem gewissen Widerstreitder Kräfte, an Verschiedenheit und gegenseitigem Ringen der Meinungen nicht fehlen. Unser Ideal kann nicht die stumme, tote Unterwerfung unter eine einzige unfehlbare Autorität sein. Allein diese Widersprüche müssen sich in dem Rahmen brüderlicher Zuneigung, auf dem Boden gegenseitiger Achtung und Liebe halten. Aber seit etwa einem Jahrzehnt wohnen wir einem ganz anders gearteten, recht betrüblichen Schauspiele bei. In den verschiedenen Lagern haben extreme Elemente die Oberhand gewonnen, die jeden Andersdenkenden entweder als einen Toren und Dummkopf oder als einen Uebelwollendenbezeichnen und beschimpfen. An die Stelle wechselseitiger Duldung, wie sie unter Brüdern herrschen muß, ist Abneigung, Zank, Verketzerung getreten. Der in seiner Ueberzeugung Abweichende wird als ein Abtrünniger gebrandmarkt, nur die in der eigenen Richtung Stehenden als die „wahren Juden" in Anspruch genommen. Mit einem Ingrimme, der durch nichts gerechtfertigt ist, fahren manche Führer der extremen Richtungen auf alle Ruhigen und Besonnenen los und selbst auf solche, die sich noch so große Verdienste um das Judentum erworben haben. Sogar die verschiedenen Klassen und Berufe bekämpfen sich, indem ein jeder Stand mit nachdrücklicher Schärfe eine ganz besondere Berücksichtigung verlangt auf Kosten der allgemeinen und höheren Interessen, selbstverständlich nicht unter Hervorhebung der eigensüchtigen Absichten, sondern mit tönender Rede, „im Namen des Himmels". Damit wird jeder Andersdenkende zum Feinde Gottes, zum Verbrecher gestempelt. Unter dem Rufe „Gott will es" schlachteten auch die Kreuzfahrer die Mohammedaner ab, im Namen der Religion zogen die Balkanvölker mordend und brennend neuerdings gegen die Türken. Aber dort handelte es sich .wenigstens um einen Kampf gegen Andersgläubige — hier um Befehdung der eigenen Glaubensgenossen. Welche Sitten! Es ist durchaus notwendig, diese schweren inneren Schäden des deutschen Judentums in seiner jüngsten Vergangenheit, in seiner Gegenwart deutlich und scharf hervorzuheben. Nur eindringliche und oft wiederholte Warnung kann einem Weiterfressen dieses krebsartigen Uebels entgegenwirken, das alte.schönen Errungenschaften der beiden letzten Jahrzehnte in Frage stellt. Wenn die Judenheit wieder, wie in so vielen traurigen Epochen ihrer Geschichte, sich in Gegnerschaften spaltet, die einander verketzern und bis auf den Tod bekämpfen, so geht sie neuen Katastrophen entgegen. In der scharfen und ihr ohnehin ungünstigen Luft der Jetztzeit sind solche aber gefährlicher als jemals. Wie wäre es, wenn dann unter den eigenen Religionsgenossen jeder besonnen Denkende, durch derartiges Treiben von allem Interesse am Judentum abgeschreckt, Sich mit Unwillen von ihm abwendete? Wenn der Eifer, der jetzt in so vielen tüchtigen, ja hervorragenden Israeliten für ihre Religion und ihre Gemeinschaft wieder erwacht ist, abermals erkaltete und sich in das Gegenteil verkehrte? Wenn Judentum und Judenheit innerhalb und außerhalb ihres eigenen Kreises wieder der weit verbreiteten Geringschätzung verfielen, wie es vor einem halben Jahrhundert tatsächlich schon der Fall gewesen ist? Die Folgen davon wären gar nicht abzusehen, weniger für dieses als für das kommende Geschlecht. Innerer Zerfall, nach außen Abfall! Das moderne deutsche Judentum, das in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Säculums durch die religiöse Gleichgültigkeit seiner Söhne mit allmählicher Selbstauflösung bedroht war, hat sich in der kurzen, ^eit der „Wiedergeburt" verflossenen Zeit noch nicht derart gekräftigt, um solchen Stoß ohne schwere Schädigung ertragen zu können. Die Gefahr ist groß, daß es die Selbstachtung, die es kaum wiedergewonnen hat, abermals einbüßt und damit seine tüchtigsten und begabtesten Glieder verliert Unter so bedrohlichen Umständen haben unsere Logen eine wichtige und segensreiche .Aufgabe zu erfüllen. Hier finden sich die Angehörigen der verschiedensten religiösen und politischen Anschauungen, die mannigfachsten Berufe, sozialen und intellektuellen Kreise einträchtig zusammen, hier wird satzungsgemäß und tatsächlich der Geist der Brüderlichkeit gepflegt und gestärkt. Mögen unsere Logen und alle ihre Angehörigen es sich zur Pflicht machen, überallhin für die Versöhnlichkeit und gegenseitige Duldung zu wirken, den brudermörderischen Bestrebungen entgegenzutreten, nicht Sekte und Partei als das Höchste hinzustellen, sondern unsere Religion und das Heil unserer gesamten Bekennerschaft; — nicht das zu betonen, was deren kleines Häuflein in sich trennt und auflöst, sondern was es eint und festigt. Durch solche Arbeit kann sich der Orden Bnei Briss, können sich alle seine Logen und Brüder ein unvergängliches Verdienst um das Judentum erwerben. Und das sollte unser hauptsächlicher Wahrspruch für das neue und die nächstfolgenden Jahre sein: Einzelwohltätigkeit ist schön, ist herrlich, ist verdienstvoll; persönliche geistige Ausbildung sowie soziale Fürsorge lobens- und an- — l-'ö —

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