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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-08-01 · Nr. 8 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 8 - August
Date
1913-08-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Das soll nicht heilten, daß sie vorübergehend daraus entfernt werden, sondern für immer. Haben sie erst einmal wieder den Wert der Arbeit kennen gelernt, haben sie erst das Selbstvertrauen auf die eigene Individualität gewonnen, dann ist für sie in dem finsteren Rußland kein Platz mehr. Der von der drückenden Enge der heimischen Verhältnisse befreite Mensch kann in der Heimat keinen Boden mehr finden. Geht er wieder dorthin zurück, so verfällt er mit puprllarischer Sicherheit all den Fehlerquellen, die seine Väter und ihn selbst /um Schnorrer gemacht haben. Und darum muß als wichtigstes und vornehmstes Ziel für unsere Bestrebungen die Seßhaftmachung unserer Schützlinge in Gegenden sein, in denen sie Arbeitsgelegenheit und die Möglichkeit finden, sich frei zu entfallen und ihren Lebensunterhalt durch eigenen Fleiß gewinnen zu können. Und wie eine Fata morgana sehe ich blühende Ortschaften mit kräftigen, zufriedenen und arbeitsamen Menschen vor mir, und bei genauerem Hinsehen finde' ich unsere Wander- und Grenzarmen wieder. Sie sind nicht wiederzuerkennen, so hat die Zeit, die Arbeit und das Leben sie gewandelt. Sie sind wahrlich nützliche Glieder der Gesellschaft geworden, wahre Kulturwerte der Gegend, in der sie leben. Ja, es ist eine Fata morgana vorläufig, es ist ein Ideal, ein erstrebenswertes, aber auch erreichbares! Hört es sich auch wie eine ideale Schwärmerei jetzt an, die beim Auseinandergehen wie eine Seifenblase verweht, so steht für mich fest, daß unser gel. Orden hier die Führerstelle einnehmen kann. Ich habe bereits gesagt, daß schon überall gearbeitet wird, daß es überall schon Institutionen gibt, die auf verschiedenen Wegen arbeiten. Aber unser Orden kann alle diese Institutionen sammeln und einigen und so der gute Geist in der sozialen Fürsorge sein. Hilfsverein der deutschen Juden, Alliance Israelite Universelle, Jewish association colonisation, Zionistische Organisation, kurz alle schon bestehenden Einrichtungen mögen vereinigt und für das gemeinsame Ziel begeistert werden. Dann erst wird unserer Wanderarmen- und Grenzarmen-Fürsorge der sittliche und kulturelle Stempel aufgedrückt werden, und unser gel. Orden wird den Ruhm für sich in Anspruch nehmen können, bahnbrechend und ganz im Sinne seiner Haupttendenzen: Wohltun und vor allem wahrer Bruderliebe gewirkt zu haben. Israelitisches Erholungsheim in Nürnberg. (Adolf und Julie Schwarz-Stiftung.) Im Dorfe Bueg bei Förth (Mittelfranken) fand am 30. Juni unter s'arkcr Beteiligung von Nürnberger Damen und Herren, darunter des w. Präsidenten Dr. med. D. Grünbaum und einer Anzahl BBr. der Maimonides-Loge, sowie der Orts- und Verwaltungs behörden, die Einweihung des,,Israelitischen Erholungsheimes Nürnberg, Adolf und Julie Schwarz-Stiftung" statt. Ein Rundgang durch das Haus entzückt jedermann, sind doch die Räume alle hell und luftig, geschmackvoll und zweckmäßig, allen modernen Anforderungen der Hygiene entsprechendjin ihrer Inneneinrichtung. . Das Haus ist nach , den'Plänen unseres 1. Br. Architekten Albert Mayer und unter Mitw irkung des Herrn Regierungsbaumeisters WaHensteirijer umgebaut worden. Die Festlichkeit der Einweihung wurde mit dem Vortrag eines Psalmes vom Chor der Hauptsynagoge in Nürnberg (mit Harmoniumbegleitung) eingeleitet. Die Festrede hielt der Vorsitzende des Kuratoriums, Br. Expräsidenl Rabbiner Dr. Freudenthal, der in kurzen Zügen die bisherigen Bestrebungen der Nürnberger jüdischen WohltätigTceitsver&ne speziell für die Kinderfürsorge schilderte, die nun ihre Krönung finden in dem neuen Heim, dessen Bestimmung der Redner in klarer, präziser Weise zum Ausdruck brachte. In erster Linie sollen erholungslungsbedürftige israelitische Schulkinder aus Nürnberg und Fürth, und soweit Platz vorhanden ist, auch Kinder anderer Konfessionen Aufnahme finden. Die Anstalt bedeutet keine konfessionelle Absonderung, weil die erholungsbedürftigen Kinder, die hier in Betracht kommen, den allgemeinen Ferienkolonien nicht zugewiesen werden können, die kaum dem großen An: drang der Kranken gewachsen sind, und weil ferner auf die rituelle Verpflegung und religiöse Erziehung Bedacht zu nehmen ist. Mit dieser Anstalt nehmen wir der öffentlichen Fürsorge Lasten ab und bieten der Gesamtheit körperlich und geistig gesunde Menschen. Der Redner erstattete all denen, die hier mitwirkten, solch eine Stätte des Segens zu schaffen, innigen Dank ab, dem Isr. Frauenverein mit seinen unermüdlichen Vorstandsdamen usw., vor allem aber dem edl elf Stifterpaare, unserm 1. Br. Adolf Schwarz und seiner hochverehrten Gattin, unserer 1. Schwester JulieSchwarz, die nun neben ihrer hochherzigen Hilfeleistung für die „Isr. Kinderheilstätte" in Kissingen u. a. wieder ein Werk hoher Menschenliebe schufen und erhalten werden. > Indem Br. Expr. Dr. Freudenthal die Anstalt dem Schutze und dem Wohlwollen aller Orts- und Verwaltungsbehörden empfahl, schloß er seine tiefempfundenen und tiefwirkenden Ausführungen mit einem Segenswoite des Psalmisten.

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